VRS: Testphase des distanzbasierten E-Tarifs hat viele Haken

Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg soll bald der E-Tarif konventionelle ÖPNV-Zonen-Tarife ersetzen. Die erste Testphase hat jetzt begonnen und bietet sogar ein preisliches Tageslimit sowie einen günstigen Basispreis an. Allerdings ist die Gefahr, Schwarzfahrer zu werden ungewöhnlich hoch.

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In Köln und im Umland kann mit einem distanzbasierten Tarif gefahren werden.
In Köln und im Umland kann mit einem distanzbasierten Tarif gefahren werden. (Bild: Christoph Seelbach / Kölner Verkehrs-Betriebe AG)

Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) kann der neue E-Tarif getestet werden. Die Kölner Verkehrsbetriebe übernehmen die Bereitstellung der Dokumentation, getestet werden kann aber im gesamten Tarifraum des VRS. Das hierzulande Besondere ist der Umstand, dass der E-Tarif in Abhängigkeit von der Distanz berechnet wird. In Deutschland überwiegen Waben- oder Zonentarifsysteme.

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Prinzipiell sollte der Tarif fairer sein als die Zonen-Tarife. Der Grundpreis liegt bei 1,50 Euro und gilt für 180 Minuten. Dazu kommen 0,15 Euro je angefangenen Kilometer. Gerade beim Überschreiten von Zonen bei gleichzeitig kurzen Distanzen sind dadurch erhebliche Preissenkungen möglich. Selbst der Kurzstreckentarif kann günstiger werden. Der liegt im VRS bei 2 Euro und hat Einschränkungen. Beispielsweise gilt er nicht in der S-Bahn.

Vergleichbar ist das System mit dem Testlauf des Nexttickets im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vor einem Jahr, der mittlerweile abgeschlossen wurde. Auch dieses System arbeitet distanzbasiert, verwirrte aber mit unterschiedlichen Basispreisen mit Abweichungen im unteren einstelligen Cent-Bereich. 1,40 bis 1,45 Euro kostete der Basispreis. Jeder zusätzliche Kilometer wurde mit 20 Cent berechnet.

Die Obergrenze pro Tag im VRS wurde auf 15 Euro festgelegt. Wird sie erreicht, kann beliebig hin- und hergefahren werden, ohne dass weitere Kosten anfallen. Zu beachten ist, dass dies für den gesamten VRS-Tarifraum gilt. Fährt der Nutzer beispielsweise nur im ÖPNV von Köln, kann es durchaus passieren, dass dies teurer wird als mit einer papierbasierten Tageskarte oder dem Handyticket, das nur 8,80 Euro kostet und zudem auf einem 24-Stunden-Zeitraum basiert.

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Der E-Tarif ist also nicht sonderlich modern. Londons recht altes E-Ticket-System Oyster arbeitet beispielsweise mit einer zonenbasierten Obergrenze (Daily Cap). Fairerweise muss aber gesagt werden, dass solche Obergrenzen kein internationaler Standard sind.

Mobilfunkausfall macht den Anwender zum Schwarzfahrer

Zu beachten ist zusätzlich eine Unsitte bei digitalen Tickets. Der Check-in muss zwingend vor dem Betreten eines Fahrzeuges durchgeführt werden. Das Lösen innerhalb eines Fahrzeuges gilt als Schwarzfahrt und ist hierzulande eine Straftat. Wer also beispielsweise beim Bezahlen im Bus merkt, dass das Geld nicht ausreicht, muss erst aussteigen, den Check-in durchführen und wieder einsteigen. Herkömmliche Papierfahrscheine dürfen hingegen auch in Fahrzeugen gelöst werden. Manchmal geht das auch nicht anders, wie etwa in Bussen.

Ebenfalls problematisch: Sollte die Mobilfunkverbindung aussetzen, sprich die Server aus irgendwelchen Gründen nicht erreichbar sein, wird der Nutzer automatisch nach 15 Minuten ausgecheckt. Bemerkt dies der Anwender nicht, gilt er als Schwarzfahrer. Das ist ein äußerst kundenunfreundlich designtes System. Wer durch schlechte Empfangsgebiete fährt, sollte explizit darauf achten. Selbiges gilt bei Systemabstürzen oder dem Ausfall des Akkus. Auch hier findet ein Auschecken nach 15 Minuten statt. Solche Informationen hat der VRS ungünstig im letzten Teil der FAQ untergebracht. Laut den Geschäftsbedinungen braucht der Anwender zudem eine SIM-Karte, die einen Mobilfunkempfang garantiert. Zudem wird darauf verwiesen, dass der Anwender bei langsamer Mobilfunkverbindung verpflichtet ist, auf den Abschluss einer Transaktion zu warten.

Zwingend erforderlich ist auch der Zugriff der App auf die Bewegungssensoren und die "höchstmögliche" Genauigkeitsstufe der Ortungssysteme. Darüber versucht das E-Tarif-System herauszufinden, ob der Anwender noch auf Reisen ist und gibt gegebenenfalls eine Warnung aus. Aufgrund der Fülle von Einschränkungen und Besonderheiten ist es empfehlenswert, sich die AGB des E-Tarifs genau durchzulesen. Im Vergleich zu Papierfahrscheinen ist das Risiko, Fehler zu machen, erheblich höher. Der Fahrgast übernimmt eine höhere Verantwortung für die Funktion des Fahrscheines.

Wer am Testbetrieb teilnehmen möchte, braucht entweder ein Android- oder iOS-Smartphone. Der Zugang zum System wird an die eigene Mobilfunknummer gekoppelt. Wer ein Dual-SIM-System einsetzt, sollte sicherstellen, dass alle Buchungen über eine Telefonnummer erfolgen, sonst könnte es Probleme mit der Preisobergrenze geben. Ortungssysteme müssen aktiv sein. Ein auf dem E-Tarif basierendes E-Ticket-Deutschland-System gibt es im VRS nicht. Die Testphase hat am 8. April begonnen und wird bis zum 6. September 2019 durchgeführt.

Auch zu diesem Thema

Nachtrag vom 11. April 2019, 15:00 Uhr

Der VRS meldete soeben, 1.436 Testkunden erreicht zu haben. Außerdem versichert der VRS, dass eine zuvor gestartete technische Probephase die Fähigkeit des E-Tarif-Systems auch im ländlichen Raum bei schlechtem Mobilfunkempfang bescheinige.

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murk 12. Apr 2019

Hi, im VRN gibt es den eTarif schon seit 2017: https://www.vrn.de/tickets...

chefin 12. Apr 2019

15 Minuten im Tunnel und das ohne Handyempfang? In welcher Stadt gibt es sowas? Du...

chefin 12. Apr 2019

Mit hoher genauigkeit deines Ortungssystems (also GPS) kannst du keine 5m vom Bus weg...

KellyLang 11. Apr 2019

London ist toll, aber die Datenspitzel im VBB speichern die Einstiegshaltestelle...



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