VR: Wir haben eine Küche in New York

Dunkles Holz, schneeweißer Kunststoff oder doch lieber Quietscheentchen-Optik? Wir haben die Wahl und können uns nicht entscheiden: Zur großzügig geschnittenen Küche im Appartement über den Dächern von New York City würden alle drei Varianten passen, um die Arbeitsfläche damit auszustatten. Deutlich einfacher fällt es uns, die Küche in der Hütte in den Schweizer Bergen zu verkleiden - Holz natürlich, passend zum flackernden Kamin. Gut, dass wir uns alles per VR-Brille vorher ansehen können.

In der realen Realität besitzen wir weder das Appartement noch die Hütte, in der virtuellen hingegen sind beide besuchbar(öffnet im neuen Fenster) : In den Saturn-Filialen am Alexanderplatz in Berlin und in Ingolstadt steht seit Mitte Februar 2016 ein VR-Aufbau mit HTCs Vive. Der wurde zusammen mit dem Münchner Unternehmen Innoactive entwickelt(öffnet im neuen Fenster) . Der Aufbau besteht aus zwei VR-Showroom-Terminals mit jeweils einem vertikalen 65-Zoll-Display mit Ultra-HD-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel), die 3 Meter voneinander entfernt sind.
Oberhalb der Bildschirme hat Innoactive die Lighthouse-Boxen des Vive positioniert, womit das Roomscale-Tracking erfolgt. Das VR-Headset ist an einen Rechner im Fuß einer der Displaysäulen angeschlossen, ein zweiter übernimmt die 4K-UHD-Ausgabe an die beiden Showroom-Terminals. Innoactive verwendet PCs mit handelsüblicher Hardware wie einer Geforce GTX 980 Ti.






Das Chaperone-System von Steam VR grenzt den Spielraum durch virtuelle Wände zwischen den Terminals und zu den Seiten hin ein, damit der Nutzer weder gegen eine Säule noch gegen andere Objekte läuft. Sitzt das Head-mounted Display einmal auf dem Kopf und wir haben die Tracking-Controller in der Hand, stehen drei VR-Küchen zur Auswahl: die im New Yorker Appartement bei Nacht samt Pool, die bei Tag in den Schweizer Bergen inklusive prasselnden Kamins und eine in einem lichtdurchfluteten Loft in LA.
Innoactive hat gemeinsam mit dem Online-Küchen-Planer Kiveda die besuchbaren Küchen durchaus realistisch gestaltet: Alle Haushaltsgeräte und Einrichtungsgegenstände weisen die korrekten Abstände sowie Maße auf. In unserem Fall war zu Beginn die Körpergröße falsch eingestellt, was sich aber schnell beheben ließ. So bekommen wir einen sehr guten Eindruck, wie tief im Raum die Kochinsel steht, wie weit Schubladen herausgezogen werden können oder wie hoch die Schränke oberhalb der Spüle angebracht sind.
Der Showroom soll dauerhaft stehen
Die Steuerung ist für uns selbsterklärend: Der linke Controller generiert einen Laserstrahl, mit dem wir vorgegebene Standorte in den Küchen anvisieren und uns per Knopfdruck dorthin befördern. Das Bild wird dabei kurz schwarz statt dass die Kamera durch den Raum bewegt wird, so wie es bei einer sauberen VR-Implementierung sein soll. An jeder der Positionen bewegen wir uns innerhalb des Chaperone-Feldes, um mit den Küchen zu interagieren.
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Mit dem rechten Controller öffnen wir eine Tafel mit Fronten und Oberflächen. Der Laserstrahl des linken dient der Auswahl einer Oberfläche oder Farbe oder wir greifen damit virtuell nach Objekten. Schubladen lassen sich herausziehen und Kühlschränke öffnen. Mit einem weiteren Tastendruck wechseln wir in einen Raum, in dem wir uns Geräte von AEG, Bosch und Siemens aussuchen und in der Küchen einbauen - etwa einen anderen Geschirrspüler.
Die grafische Darstellung empfinden wir auch abseits der korrekten Abstände und Maße als gelungen. Die meisten Oberflächen wie Holz und Metall rendert die Unreal Engine 4 ziemlich schick, allerdings ist die an sich überzeugende Beleuchtung statisch und die Schatten fallen an einigen Stellen blockig aus. Bei unserem Besuch hatten wir ohnehin den Eindruck, der VR-Showroom entspricht mehr einer Machbarkeitsstudie, denn die Anzahl der Partner fällt noch gering aus und die gezeigten Küchen sind vor Ort freilich nicht zu kaufen.






Das Projekt ist langfristig angelegt
Saturn plant, die VR-Terminals in Berlin und Ingolstadt auf unbestimmte Zeit aufgebaut zu lassen. Seit unserem Besuch wurde beispielsweise das Vive Pre durch die finale Consumer-Version ersetzt und Kunden können auch Games spielen. Zusammen mit Kiveda(öffnet im neuen Fenster) soll es zudem künftig möglich werden, eine komplette Küche individuell zu planen und dann in VR zu begutachten.
Wer selbst ein Vive daheim hat und eine virtuelle Küche ausstaffieren möchte, kann sich die kostenlose Ikea VR Experience(öffnet im neuen Fenster) bei Steam herunterladen. Die grundlegende Idee ist mit der Saturn-Erfahrung vergleichbar, allerdings ist die Körpergröße manuell einstellbar und es gibt Köttbullar.



