Voyager-1 muss Strom sparen: Nasa schaltet ein weiteres Instrument ab
Um das Überleben von Voyager-1 im interstellaren Raum zu sichern, hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa ein weiteres wissenschaftliches Instrument deaktiviert(öffnet im neuen Fenster). Der Funkspruch dafür war mehr als 23 Stunden unterwegs, bevor er sein Ziel in einer Entfernung von circa 25 Milliarden Kilometern von der Erde entfernt erreichte.
Am 17. April 2026 hatte die Raumsonde Voyager-1 den Betrieb ihres Messgeräts für niederenergetische geladene Teilchen (LECP) eingestellt.
Rettung der Energiereserven
Die Ingenieure des Jet Propulsion Laboratory (JPL) sahen sich zu diesem Schritt gezwungen, um die rasant schrumpfenden Energiereserven der Sonde zu schonen. Das Raumfahrzeug wird durch Radioisotopengeneratoren angetrieben, die Wärme aus dem Zerfall von Plutonium in Elektrizität umwandeln. Doch diese nuklearen Batterien verlieren jedes Jahr etwa vier Watt an Leistung.
In der extremen Kälte des interstellaren Raums ist Strom jedoch nicht nur für die Datenübertragung wichtig, sondern vor allem für die internen Heizelemente. Ohne sie würden die Treibstoffleitungen einfrieren, was das Ende der Mission bedeuten würde.
Vorfall beim LECP-Instrument
Die Entscheidung für die Abschaltung fiel nach einem kritischen Vorfall im Februar 2026. Während eines Routinemanövers sank die Spannung so stark ab, dass fast der automatische Schutzmodus (Undervoltage Fault Protection) ausgelöst worden wäre. Um einem unkontrollierten Systemabsturz zuvorzukommen, musste das Team eines der wissenschaftlichen Instrumente an Bord von Voyager-1 abschalten.
Die Wahl fiel auf die kontrollierte Deaktivierung des LECP-Instruments (Low-Energy Charged Particle, deutsch: niederenergetische geladene Teilchen). Dieses war seit dem Start im Jahr 1977 fast ununterbrochen in Betrieb. Es spielte eine Schlüsselrolle bei der Entdeckung, dass Voyager-1 im Jahr 2012 die Heliosphäre verlassen hatte. Es maß Protonen, Elektronen und galaktische kosmische Strahlung und lieferte Daten über die Druckfronten außerhalb unseres Sonnensystems.
Der Abschaltvorgang selbst dauert etwa drei Stunden und 15 Minuten. Ein kleiner Motor des LECP wird anbleiben. Dieser dreht den Sensor im Kreis, damit er alle Richtungen abscannen kann. Dabei verbraucht er nur 0,5 Watt. Solange dieser Motor läuft, besteht die Chance, das Instrument eines Tages wieder zu aktivieren. Zudem könnte die Raumsonde bei Abschaltung des Motors beschädigt werden, was vermieden werden soll.
Von den zehn identischen Instrumenten, die in den beiden Voyager-Raumfahrzeugen verbaut sind, wurden bisher sieben abgeschaltet. Bei Voyager-2 wurde der LECP bereits im März 2025 deaktiviert.
Voyager-1: Wissenschaftliche Mission wird fortgesetzt
Trotz des Verlusts bleiben zwei Instrumente von Voyager-1 weiterhin aktiv: einerseits das Magnetometer (MAG) zur Messung der Magnetfelder im interstellaren Medium, andererseits das Plasma-Wellen-System (PWS), mit dem Dichteschwankungen im interstellaren Plasma untersucht werden.
"Niemand schaltet gerne ein wissenschaftliches Instrument aus", teilte der Voyager-Projektmanager Kareem Badaruddin in einem Blogbeitrag der Nasa mit. Doch der Schritt verschaffe der Sonde etwa ein Jahr Atempause.
Diese Zeit will die Behörde nutzen, um ein Energiesparkonzept namens Big Bang umzusetzen. Gelingt der Plan, könnten die Voyagers noch bis in die 2030er Jahre Daten aus Regionen senden, die nie zuvor ein menschliches Objekt erreichte. Mittlerweile sind sie fast einen Lichttag von uns entfernt.
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