Abo
  • IT-Karriere:

Vorwurf von Reparaturbetrieben: Google schadet Klimaschutz durch Werbeblockade

Seit mehreren Wochen blockiert Google die Werbeanzeigen freier Reparaturbetriebe. Der "Runde Tisch Reparatur" erwartet von der EU-Kommission, aus Gründen des Wettbewerbs und Klimaschutzes gegen das US-Unternehmen vorzugehen.

Artikel veröffentlicht am , Christiane Schulzki-Haddouti
Freie Reparaturbetriebe sehen durch Googles Vorgehen ihre Existenz gefährdet.
Freie Reparaturbetriebe sehen durch Googles Vorgehen ihre Existenz gefährdet. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Seit einigen Wochen klagen freie Reparaturbetriebe darüber, dass sie keine Werbeanzeigen mehr auf Google-Suchseiten schalten könnten. Der sogenannte Runde Tisch Reparatur sieht darin eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung, da Hersteller und ihre autorisierten Partner weiterhin für sich werben dürfen. Er hat sich deshalb an die EU-Kommission gewandt, die Google zur Rechenschaft ziehen soll. Der Runde Tisch sieht Google als Hersteller eigener Smartphones sowie wichtiger Geschäftspartner des Smartphone-Herstellers Apple in einem Interessenskonflikt.

Inhalt:
  1. Vorwurf von Reparaturbetrieben: Google schadet Klimaschutz durch Werbeblockade
  2. Reparaturmarkt kratzt an den Umsätzen der Hersteller

Google hat im August vergangenen Jahres eine Werberichtlinie vorgestellt. Sie bezieht sich auf unabhängige Anbieter von technischem Support. Demnach soll die Möglichkeit, Werbeanzeigen zu schalten, für diese Anbieter weltweit eingeschränkt werden. Als Grund nennt David Graff, der bei Google für die weltweite Produktpolitik zuständig ist, "den Missbrauch in diesem Bereich", den Google schon "seit vielen Jahren" gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden und anderen Behörden bekämpfe. Aufgrund betrügerischer Aktivitäten sei es "zunehmend schwierig, die schlechten Akteure von den legitimen Anbietern zu trennen". Ein Verifizierungsprogramm solle sicherstellen, dass nur "legitime" Anbieter die Werbeplattform nutzen dürfen.

Google will mit neuer Werberichtlinie Missbrauch verhindern

Im Frühjahr begann Google mit der Umsetzung seiner neuen Richtlinie, wie beispielsweise diese Supportanfrage eines Unternehmens zeigt. Demnach dürfen alle Drittanbieter von technischen Dienstleistungen an Verbraucherprodukten keine käuflichen Werbeanzeigen mehr schalten, bis ihre Seriosität geprüft ist. Die Meldung seitens Google lautet: "Werbung für Folgendes ist nicht zulässig: Durch Drittanbieter geleisteter technischer Support für Produkte und Onlinedienste im Bereich 'Verbrauchertechnologie'." Laut dem Runden Tisch Reparatur schaltet Google weiterhin die Anzeigen von Herstellern und deren autorisierten Werkstätten.

Wie der Austausch betroffener Unternehmen unter dieser Support-Anfrage zeigt, nimmt das Problem seit Mai im deutschsprachigen Raum zu. Nach Beobachtung von Franz Streibl, Autor des Ingenieur-Blogs Resumer sowie Vorstandsmitglied des Runden Tischs Reparatur sind die Bedingungen für die Freischaltung auch Monate nach der Richtlinienveröffentlichung nicht klar. Es ließen sich auch keine entscheidungsbefugten Ansprechpartner bei Google finden. Ein Betroffener berichtet, dass Google mitgeteilt habe, als "unabhängiger Dienstleister" die "Interessenkonflikte zwischen Herstellern und Drittanbietern" lösen zu wollen. Außerdem versuche Google, die Regelungen länderspezifisch durchzusetzen. Für Franz Streibl jedenfalls kommt das Vorgehen Googles einem "Werbeverbot für unabhängige Reparaturdienstleister" gleich.

Runder Tisch Reparatur sieht rechtswidriges Verhalten

Stellenmarkt
  1. DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH, Traunreut (Raum Rosenheim)
  2. Camelot ITLab GmbH, Mannheim, Köln, München

Der Runde Tisch Reparatur sieht Tausende unabhängige Werkstätten und Meisterbetriebe betroffen. In einem offenen Brief wendet er sich deshalb an die EU-Kommissare für Wettbewerb und Umwelt, damit diese das mutmaßlich rechtswidrige Vorgehen von Google ahnden. Der 2015 eingerichtete Runde Tisch Reparatur setzt sich für die Förderung von Reparatur und die Belange des reparierenden Sektors ein. Der Brief wird von weiteren Organisationen wie der Association Halte à l'Obsolescence Programmée, Blitzblume, BUND, Germanwatch, Mac&Egg, Macaufrüsten, Öko-Institut und Vangerow getragen. Vangerow repräsentiert 700 unabhängige Reparaturbetriebe.

Der Runde Tisch erwartet, dass die EU-Kommission gegen die Werbeblockade vorgeht. Sie hatte anlässlich einer Geldbuße gegen Google in Höhe von 1,49 Milliarden Euro bereits einschlägige Grundsätze festgehalten: So dürfe eine marktbeherrschende Stellung nicht missbraucht werden, um den Wettbewerb auf dem beherrschten Markt oder auf anderen Märkten einzuschränken. Google sei verpflichtet, Personen und Unternehmen, die von dem wettbewerbswidrigen Verhalten betroffen sind, Schadenersatz zu leisten.

Reparaturmarkt kratzt an den Umsätzen der Hersteller 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-70%) 14,99€
  2. 26,99€
  3. 50,99€
  4. 4,32€

FreiGeistler 27. Jun 2019 / Themenstart

Du bist nicht Kunde von Google, sondern Unternehmen. Und die lassen sich gerne mit...

FreiGeistler 27. Jun 2019 / Themenstart

Wäre mir neu, dass sich Zerschlagungen nach der Verfügbarkeit von Altwrnativen richtet...

FreiGeistler 27. Jun 2019 / Themenstart

Nö. Dass die Phone-Produktion ökologisch sehr teuer ist, war schon lange bekannt. Noch...

Clown 26. Jun 2019 / Themenstart

Ich sehe das anders. Aber der Reihe nach... Zum einen ist "Geiz ist geil Gesellschaft...

slemme 26. Jun 2019 / Themenstart

Sounds like typical Google to me Wer es noch nicht mitbekommen hat, vor zwei Tagen sind...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Dell XPS 13 (7390) - Hands on

Das XPS 13 Convertible (7390) ist Dells neues 360-Grad-Gerät: Es nutzt Ice-Lake-Chips für doppelte Geschwindigkeit, hat ein höher auflösendes Display, eine nach oben versetzte Kamera und eine magnetisch arbeitende Tastatur.

Dell XPS 13 (7390) - Hands on Video aufrufen
Ursula von der Leyen: Von Zensursula zur EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen
Von "Zensursula" zur EU-Kommissionspräsidentin

Nach der "Rede ihres Lebens" hat das Europäische Parlament am Dienstagabend Ursula von der Leyen an die Spitze der EU-Kommission gewählt. Die Christdemokratin will sich in ihrem neuen Amt binnen 100 Tagen für einen Ethik-Rahmen für KI und ambitioniertere Klimaziele stark machen. Den Planeten retten, lautet ihr ganz großer Vorsatz.
Ein Bericht von Justus Staufburg

  1. Adsense for Search Neue Milliardenstrafe gegen Google in der EU

Erneuerbare Energien: Die Energiewende braucht Wasserstoff
Erneuerbare Energien
Die Energiewende braucht Wasserstoff

Kein anderes Element ist so universell und dabei simpel aufgebaut wie Wasserstoff und das energiereiche Gas lässt sich aus fast jedem Energieträger gewinnen. Genauso vielseitig gestaltet sich seine Nutzung.
Ein Bericht von Jan Oliver Löfken

  1. Strom-Boje Mittelrhein Schwimmende Kraftwerke liefern Strom aus dem Rhein
  2. Speicherung von Überschussstrom Wasserstoff soll bei Engpässen helfen
  3. Energiewende DLR-Forscher bauen Kohlekraftwerke zu Stromspeichern um

Transport Fever 2 angespielt: Wachstum ist doch nicht alles
Transport Fever 2 angespielt
Wachstum ist doch nicht alles

Wesentlich mehr Umfang, bessere Übersicht dank neuer Benutzerführung und eine Kampagne mit 18 Missionen: Das Schweizer Entwicklerstudio Urban Games hat Golem.de das Aufbauspiel Transport Fever 2 vorgestellt - bei einer Bahnfahrt.
Von Achim Fehrenbach

  1. Mordhau angespielt Die mit dem Schwertknauf zuschlagen
  2. Bus Simulator angespielt Zwischen Bodenschwelle und Haltestelle
  3. Bright Memory angespielt Brachialer PC-Shooter aus China

    •  /