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Vorwurf: DSL-Entstörung von Telekom "verzögert oder abgelehnt"

Die Klage eines Serviceunternehmens gegen die Telekom hat in der Branche einen neuen Streit ausgelöst. Lässt die Telekom ihr Kupfernetz vergammeln?
/ Achim Sawall
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Abschalten will die Telekom nur da, wo sie selbst Glasfaser ausbaut. (Bild: Deutsche Telekom)
Abschalten will die Telekom nur da, wo sie selbst Glasfaser ausbaut. Bild: Deutsche Telekom

Aus der Mitgliedschaft des Telco-Branchenverbands Breko mehren sich derzeit Berichte über verzögerte DSL-Entstörungen durch die Deutsche Telekom. Das hat Sven Knapp, Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation Golem am 14. Januar 2026 gesagt. "In einigen Fällen lehnt die Telekom die Entstörung von VDSL-Anschlüssen sogar gänzlich ab."

Es sei schon sehr bemerkenswert, dass die Telekom ihre Wettbewerber regelmäßig und pauschal für fehlende Qualitäts- und Sicherheitsstandards kritisiere, während ihre eigene Infrastruktur offenbar unzureichend gewartet werde, sagte Knapp.

Auch deshalb sollte das "offenbar marode DSL-Netz" zügig überall dort abgeschaltet werden, wo bereits Glasfaseranschlüsse verfügbar seien, forderte Knapp. "Denn Glasfasernetze sind deutlich leistungs- und widerstandsfähiger als Kupfer" , erklärte er.

VATM sieht keine Probleme bei Telekom-Entstörung

Auch der VATM (Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt) hat sich für Golem zum Thema Wartung der Kupfernetze der Telekom unter seinen Mitgliedsunternehmen umgehört. Jedoch mit einem anderen Ergebnis: "Diejenigen, die Leitungen der Telekom anmieten, haben keine Verschlechterung der angemieteten Netze feststellen können" sagte VATM-Sprecherin Maria Schlechter.

Seit dem Jahr 2025 soll die Telekom den Betrieb und die Instandhaltung ihres Kupfer-Anschlussnetzes "systematisch und bewusst vernachlässigen" . Das geht aus Angaben der Wirtschaftskanzlei Raue aus Berlin hervor, die einen der Servicedienstleiter der Telekom vertritt. In einem Schreiben an die Bundesnetzagentur, das Golem vorliegt, heißt es, die Telekom habe "spätestens zum 1. Juli 2025 mit der faktischen Außerbetriebnahme von Teilen ihres bestehenden Kupfer-Anschlussnetzes begonnen" .

Spätestens zu diesem Zeitpunkt würden die internen technischen Maßgaben für die Instandhaltung dieses Netzes massiv gesenkt mit der Folge, dass das Kupfer-Anschlussnetz seitdem nicht mehr systematisch und flächendeckend in einer für VDSL geeigneten Leitungsqualität erhalten werde. "Vielmehr nimmt die Telekom nun das sukzessive Absinken der Leitungsqualität und den Ausfall von immer mehr Cu-Anschlussleitungen in Kauf. Trotz konkret gemessener und behebbarer technischer Störung von Leitungen nimmt sie faktisch keine Entstörung mehr vor."

Telekom weist Vorwürfe zur Kupfernetzwartung zurück

Die Telekom hat unseren Bericht über ein massives Zurückfahren der Wartung ihres Kupfernetzes zurückgewiesen. "Die Vorwürfe, dass wir die Wartung unseres Kupfernetzes vernachlässigen, weisen wir entschieden zurück. Die Instandhaltung mit Reparaturen und Entstörungen unserer Netze erfolgt immer nach allerhöchsten Standards" , sagte Telekom-Sprecherin Marion Kessing Golem auf Anfrage. Man habe jedoch die Prozesse zur Lösung von DSL-Kabelstörungen umgestellt.

Dadurch und durch das stärkere Setzen "auf das Kundenerlebnis und auch auf Qualitätskontrollen nach Entstörungsarbeiten" , seien die Störungsmengen rückläufig. Damit komme es insgesamt zu einem niedrigeren Aufkommen an Aufträgen für Dienstleister, erklärte Kessing.

Erst zum Jahreswechsel betonte die Telekom die Bedeutung ihres Kupfernetzes: In einer Stellungnahme des Telekom zum Konsultationspapier Eckpunkte für eine Gesamtkonzept zur Kupfer-Glas-Migration des Bundesdigitalministeriums vom November 2025 betont der Netzbetreiber die Bedeutung seines Kupfernetzes: "Denn bei DSL der Telekom handelt es sich um eine moderne, funktionierende und bundesweite FTTC-Infrastruktur auf Glasfaserbasis, die über 37 Millionen Haushalte mit hohen Bandbreiten von bis zu 250 MBit/s versorgt. Fast 24 Millionen Kundinnen und Kunden – sowohl der Telekom als auch der Wettbewerber, die auf dem Netz der Telekom aktiv sind – werden derzeit über das Netz der Telekom bedient."

Eine übereilte Stilllegung der leistungsfähigen FTTC-Infrastruktur würde den Infrastruktur- und Dienstewettbewerb erheblich einschränken und Redundanzen beseitigen, die heute zur Stabilität und Ausfallsicherheit beitrügen, so die Telekom.


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