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Vorschau Assassin's Creed 3: "Eine Anregung, weltweit für Freiheit zu kämpfen"

Über zwei Jahre strikte Geheimhaltung, dann ein paar erste Infos, und jetzt hat Ubisoft sein Assassin's Creed 3 mit allen wichtigen Details vorgestellt. Golem.de hat mit einem der Entwickler gesprochen – und unter anderem erfahren, warum der Held keine Haarteile sammelt.
/ Peter Steinlechner
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Assassin's Creed 3 (Bild: Ubisoft)
Assassin's Creed 3 Bild: Ubisoft

"In einer frühen Version von Assassin's Creed 3 hatten wir noch die Absicht, dass der Spieler seine Gegner skalpieren kann" , verrät Matt Turner, einer der Storywriter im Entwicklerteam bei Ubisoft Montreal. "Aber dann fanden wir die Vorstellung doof, dass die Hauptfigur Connor Kenway Haare sammelnd durch die Welt zieht. Außerdem haben wir herausbekommen, dass sein Stamm, die Mohawk, gar keine Skalps genommen hat" . Derlei historische Detailtreue sei den Entwicklern wichtig, sagt Turner im Gespräch mit Golem.de – schließlich greift das nächste Assassin's Creed mit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg(öffnet im neuen Fenster) eine der entscheidenden Phasen der jüngeren Menschheitsgeschichte auf.

Assassin's Creed 3 – Interview
Assassin's Creed 3 – Interview (03:35)

Live im Einsatz bedeutet das auch, dass der Spieler – anders als in den Vorgängern – auch mal an riesigen Schlachten teilnimmt. Turner zeigt eine Mission, die während der legendären Schlacht von Bunker Hill(öffnet im neuen Fenster) im Sommer 1775 spielt. Per Pferd reitet man als Connor in ein Heereslager hinein, das sich gerade ein Gefecht mit der britischen Armee unter William Howe(öffnet im neuen Fenster) liefert – im Hintergrund ist ständig Kanonendonner zu hören, auf einer Anhöhe hält ein amerikanischer General gerade eine leidenschaftliche Aufmunterungsrede für seine Soldaten. Von ihm bekommt Conner erst ein Fernglas, mit dem sich der Spieler einen Überblick über die in den Tälern verschanzten Armeen verschafft, und dann den Auftrag, Howe zu töten.

Connor greift als Meuchelmörder natürlich nicht direkt an, sondern schleicht hinter den eigenen Linien – angeblich befinden sich über 1.000 NPCs auf dem Schlachtfeld – in Richtung Feind. Er versteckt sich hinter großen Felsen, klettert auf Baumstämmen ungesehen durch ein kleines Wäldchen. Dann schaltet er einen Trupp Briten aus – den ersten erledigt er mit einer Art Enterhakenwaffen an einem langen Seil, den Rest vor allem mit seinem Tomahawk. Dann steht er zwischen feindlichen Zelten, die Feinde bemerken den Angriff von hinten, aber es ist zu spät: Mit einem gewaltigen Sprung, die Streitaxt im Anschlag – und in Zeitlupe – stürzt sich der Spieler auf sein Opfer... Wie bei derlei wichtigen Templer-Zielen aus der Serie bekannt, schaltet das Programm dann übrigens mit einem fließenden Übergang in den Animus-Modus.

Auch wenn deutsche Spieler den US-Unabhängigkeitskrieg weniger gut kennen als etwa die beiden letzten Weltkriege: "Wir zeigen einen zutiefst europäischen Konflikt mit Nationen wie Frankreich und England" , sagt Turner. "Im Spiel gibt es Amerika vor dem Finale nicht. Sachen wie Freiheit, Tod, staatliche Kontrolle, Macht und Unterdrückung sind wichtig – das sind alles globale Themen. Ich glaube, dass Assassin's Creed 3 auch eine Anregung sein kann, weltweit für Freiheit zu kämpfen."

Assassin's Creed 3 – Trailer (Debut)
Assassin's Creed 3 – Trailer (Debut) (01:21)

Assassin's Creed 3 beginnt unmittelbar nach dem Ende von Teil 2. Natürlich ist die eigentliche Hauptfigur der Reihe der ehemalige Barmixer Desmond Miles, der per Gedankenzeitreise mit seinen Vorfahren Altair, Ezio Auditore und demnächst eben Connor auf Seiten der Assassinen gegen die Vertreter des Templerordens kämpft. Connor ist halb indianischer Abstammung – sein Stamm nennt ihn Ratohnhaké:ton, was ins Deutsche übersetzt ungefähr dem Wort "Lebensausradierer" entsprechen würde. In seiner Rolle folgt der Spieler zwischen 1753 und 1783 einer Handlung, in der er auf Personen wie Benjamin Franklin und George Washington trifft. Dabei wechselt er immer mal wieder die Seiten, kämpft für die britische Kolonialmacht, aber auch für eine der 13 nordamerikanischen Kolonien, aus denen später die ersten Bundesstaaten wie Georgia, Maryland, New York und New Hampshire hervorgingen.

Technik mit neuer Animationspipeline und Animus-Shadern

Einige dieser Orte lernt der Spieler direkt kennen. Etwa Boston und New York – "das waren damals schon ziemlich dicht bebaute Städte, nicht nur ein paar Holzhütten, wie man sich das heute oft vorstellt" , sagt Turner. Er zeigt eine Szene, in der Connor im Hafen von Boston ankommt und dann den Pier entlangläuft – was auch grafisch mit all den unzähligen Details sehr stimmig aussieht: Schiffe mit riesigen Masten, Matrosen und Händler, Pferdekutschen und allerlei herumstehende Handelswaren. Nach ein paar Metern gerät Connor allerdings in eine britische Kontrolle und muss über die Hausdächer fliehen – und durch die Gebäude: An einer Stelle nähert er sich einem Fenster, das öffnet dann wohl eher versehentlich die Bewohnerin, worauf sich der Spieler in das Zimmer schwingt, durch läuft und auf der anderen Seite weiter läuft.

Assassin's Creed 3 – Trailer (Connor's Tools)
Assassin's Creed 3 – Trailer (Connor's Tools) (00:37)

Neben den Städten gibt es noch ein weiteres Areal, das in Assassin's Creed 3 für frischen Wind sorgt: die Wildnis. Laut Ubisoft ist das Gebiet größer als Rom aus der Erweiterung Brotherhood und mindestens genauso dicht mit Sandbox-Abenteuern vollgestopft wie die italienische Stadt. Connor bewegt sich dort entweder am Boden – im Winter stapft er mit einer sehr schicken Animation durch hüfthohen Schnee – oder er springt, klettert und hüpft so ähnlich über Baumstämme, wie er das in Städten etwa auf Hausdächern macht, was im Spiel teilweise fast an Tarzan erinnert. In der Wildnis gibt es alte Ruinen zu entdecken, es gibt Farmen, kleine Siedlungen mit Kolonisten, Indianerstämme und entsprechend viele unterschiedliche Aufträge. Sogar Tiere kann Connor dort jagen – Turner zeigt ein Video, wie einer seiner geübteren Kollegen mit einem Stich ins Herz einen Grizzlybären erlegt.

Auch Kletterpartien spielen in der Natur eine wichtige Rolle, schließlich muss Connor dort immer wieder in Freestyle-Manier auf Berge oder andere Objekte kraxeln. Während sich die Steuerung weitgehend an den Vorgängern orientiert, sind die Animationen von Grund auf neu erstellt worden. "Connor bewegt sich ganz anders als Ezio, und wir möchten ihn unbedingt als eigenen Charakter definiert sehen" , sagt Turner. Auch für die Kletterpartien an den Felsen haben die Entwickler auf Daten aus Motion-Capturing-Sessions zurückgegriffen, was bereits in der vorliegenden Version sehr lebensecht aussieht, etwa, wenn sich der Spieler entlang langer senkrechter Felsspalten hochstemmt. Übrigens hat Ubisoft laut Turner auch die Kampfanimationen neu erstellt und darauf geachtet, dass sie wuchtiger und brutaler wirken – ein Halbindianer kämpfe schließlich mit mehr Schmackes als ein italienischer Edelmann.

Technologische Basis ist die Aurora-New-Engine

Assassin's Creed 3 basiert auf der vollständig überholten Aurora-New-Engine. Das bedeutet nicht nur optimierte Grafikalgorithmen, sondern teilweise auch schlicht andere Tools. Früher hätten die Bewegungen und die Sprache eines Generals, der vor seinen Truppen eine Rede hält, in mehrere Durchgängen erstellt werden müssen. Jetzt konnten die Entwickler Sprache, Mimik und Körperbewegungen in einem Rutsch aufnehmen, was für sichtbar lebendiger wirkende Ergebnisse sorgt. Auch die Gesichter sind erkennbar detaillierter – laut Turner sind sie aus ungefähr doppelt so vielen Polygonen wie im Vorgänger aufgebaut.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass auch der Animus, also die virtuelle Zwischenwelt des Spiels, von Grund auf neu erstellt wurde. Sie wirkt jetzt feiner, oft wie eine Art Spinnennetz, dazu kommen schick gemachte Zersplitterter-Spiegel-Effekte – angeblich haben die Entwickler dafür eigens eine ganze Reihe neuer Spiegeleffekte programmiert.

Derzeit befindet sich Assassin's Creed 3 in der frühen Alphaphase. Grundsätzlich steht alles, aber die Entwickler löschen Unnützes und fügen als Mangel wahrgenommene Inhalte in mehreren Durchgängen hinzu. Am 30. Oktober 2012 soll das Programm dann für Xbox 360, Playstation 3, Wii U und Windows-PC erscheinen – letztgenannte Version solle tatsächlich nicht wie die Vorgänger kurzfristig auf einen späteren Termin verschoben werden, sagt Turner. Seinen Skalp wollte er darauf allerdings nicht verwetten.


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