Abo
  • Services:
Anzeige
Bald wieder alle verdächtig?
Bald wieder alle verdächtig? (Bild: Eddie Keogh/Reuters)

Vorratsdatenspeicherung: Die Wiederholungstäter von der EU

Bald wieder alle verdächtig?
Bald wieder alle verdächtig? (Bild: Eddie Keogh/Reuters)

Die Angst ist stärker als die Vernunft. Der EU-Ministerrat drängt die Kommission zu einer neuen Richtlinie: Kommunikationsdaten sollen doch anlasslos gespeichert werden.
Von Patrick Beuth und Kai Biermann

Die europäische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung ist keineswegs so erledigt, wie es noch im April 2014 schien. Dokumente aus dem Kreis des EU-Ministerrats belegen, dass die Mitgliedstaaten eine neue Regelung wollen, nachdem der erste Versuch dieser Art vor eineinhalb Jahren vom Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt und eingestampft wurde.

Anzeige

Wenn es um die Vorratsdatenspeicherung geht, sind viele europäische Politiker unbelehrbar. Wieder und wieder und wieder bezeichnen sie die anlasslose Speicherung von Kommunikationsdaten aller Bürger als unverzichtbares Instrument zur Verbrechensbekämpfung. Sie ignorieren dabei Urteile höchster Gerichte genauso wie wissenschaftliche Studien, die das Gegenteil belegen. Und sie behaupten, obwohl es nachweislich Unsinn ist, dass die Attentate der jüngeren Vergangenheit mit Hilfe der Vorratsdaten hätten verhindert werden können. Die Angst ist stärker als die Vernunft.

Jede Menge Beispiele

Aktuelle Beispiele dafür gibt es mehrere. Die gerade beschlossene Speicherung von Fluggastdaten in Europa ist eines davon, denn auch das ist eine Form der verdachtsunabhängigen Datenspeicherung. Die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland ein anderes, ebenso wie geplante oder bereits wirksame neue Überwachungsgesetze in Großbritannien, Österreich und Frankreich.

Das ist längst nicht alles, im EU-Ministerrat wird über die Neufassung einer Richtlinie diskutiert, die alle EU-Mitglieder zur Speicherung von Telefon- und Internet-Verbindungsdaten verpflichten würde.

So heißt es in einem Dokument des Rates für Justiz und Inneres mit dem Titel Ergebnisse des Ratstreffens 3433 von Anfang Dezember: "Alle Mitgliedstaaten waren der Auffassung, dass die massenhafte Sammlung elektronischer Kommunikationsdaten prinzipiell weiterhin erlaubt ist. Eine Mehrheit der Delegationen ist außerdem der Meinung, dass ein EU-weiter Vorstoß geprüft werden müsse, um die Zersplitterung des Rechtsrahmens bei der Vorratsdatenspeicherung innerhalb der EU zu beenden und lud die Kommission dazu ein, einen neuen Gesetzentwurf vorzulegen, wann immer es möglich ist."

Besser heute als morgen wünschten sich die meisten Fraktionen eine neue europaweite Vorratsdatenregel, heißt es aus EU-Kreisen. Das spiegelt sich in den Dokumenten. In einem Vermerk mit dem Titel Vorratsdatenspeicherung im Bereich der elektronischen Kommunikation - Allgemeine Aussprache vom 26. November bittet der luxemburgische Vorsitz die Minister darum, sich Gedanken über die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit einer neuen "EU-weiten Lösung" zu machen und sich zu überlegen, ob und wenn ja, wann man die EU-Kommission um einen entsprechenden Entwurf bitten solle.

Studien attestieren Vorratsdaten kaum einen Effekt

Aus dem Vermerk mit dem Betreff Effektive Strafjustiz im digitalen Zeitalter - Bestimmung des Bedarfs - Sachstand vom 23. November wiederum geht hervor, wie sehr manche die Vorratsdatenspeicherung für ein Allheilmittel halten. Das zeigt beispielsweise folgender Absatz: "Dazu kommt, dass Straftäter aufgrund der zunehmenden privaten Nutzung des Live-Streaming, der Verschlüsselung, des Entstehens des Darknet und der Anonymisierung der Strafverfolgung entscheidende Beweismittel vollkommen entziehen können. (...) eine effektive Vorratsdatenspeicherungsregel könnte sich in dieser Hinsicht als nützlich erweisen".

Was Vorratsdaten gegen Verschlüsselung und das sogenannte Darknet ausrichten können sollen, steht dort nicht. Aber fachliche Gegenargumente werden auf Ebene der EU ohnehin gerne ignoriert.

Dabei gibt es Studien zum Thema schon seit Jahren. Bereits 2010 zeigte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung anhand von Zahlen der Kriminalstatistik auf, dass Vorratsdaten kaum einen Einfluss auf die Aufklärung von Verbrechen haben. Zum gleichen Ergebnis kam das deutsche Bundeskriminalamt 2012. Das von der EU selbst finanzierte Studienprojekt Surveille belegt, dass Vorratsdaten einen gefährlichen Eingriff in Bürgerrechte darstellen und keineswegs weniger übergriffig sind als das Abhören von Kommunikation.

Die europäischen Minister ficht so etwas nicht an, sie wollen die Vorratsdaten aller Bürger sammeln, speichern und auswerten und dazu eine einheitliche Regel für die EU vorschreiben. Eigentlich hat der EuGH bereits eine Vorlage für so ein einheitliches Recht geschaffen, indem der die alte Richtlinie kippte. Die Ansicht, nach dem Urteil sollte man vielleicht besser ganz auf das Instrument verzichten, ist aber offenbar nicht mehrheitsfähig.


eye home zur Startseite
The Insaint 10. Dez 2015

Diese Aussage hat hier irgendwie keinen Sinn ... Das ist natürlich übertriebener...

Salzbretzel 09. Dez 2015

Zur USA will ich nicht einreisen. Aber um ehrlich zu sein wäre es für mich ein...

Prinzeumel 09. Dez 2015

Ja gebe ich dir recht. Und in Anbetracht dieser umstände könnte eine Volksabstimmung in...

Salzbretzel 09. Dez 2015

Als wenn so eine allgemeine Regel so schwer ist. Einfach einmal klar und deutlich nein...

Mavy 09. Dez 2015

seh ich genauso .. es ist inzwischen eine endlose diskussion .. bei jedem mist der in...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. HAMBURG SÜD Schifffahrtsgruppe, Hamburg
  2. M & R Kreativ GmbH, Saarbrücken
  3. Ingentis Softwareentwicklung GmbH, Nürnberg
  4. DIRINGER & SCHEIDEL GmbH & Co. Beteiligungs KG, Mannheim


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 119,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 10,99€
  3. 50,99€ (Vorbestellung)

Folgen Sie uns
       


  1. Adobe

    Die Flash-Ära endet 2020

  2. Falscher Schulz-Tweet

    Junge Union macht Wahlkampf mit Fake-News

  3. BiCS3 X4

    WDs Flash-Speicher fasst 96 GByte pro Chip

  4. ARM Trustzone

    Google bescheinigt Android Vertrauensprobleme

  5. Überbauen

    Telekom setzt Vectoring gegen Glasfaser der Kommunen ein

  6. Armatix

    Smart Gun lässt sich mit Magneten hacken

  7. SR5012 und SR6012

    Marantz stellt zwei neue vernetzte AV-Receiver vor

  8. Datenrate

    Vodafone weitet 500 MBit/s im Kabelnetz aus

  9. IT-Outsourcing

    Schweden kaufte Clouddienste ohne Sicherheitsprüfung

  10. Quantengatter

    Die Bauteile des Quantencomputers



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Shipito: Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse
Shipito
Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse
  1. Kartellamt Mundt kritisiert individuelle Preise im Onlinehandel
  2. Automatisierte Lagerhäuser Ein riesiger Nerd-Traum
  3. Onlineshopping Ebay bringt bedingte Tiefpreisgarantie nach Deutschland

Creoqode 2048 im Test: Wir programmieren die größte portable Spielkonsole der Welt
Creoqode 2048 im Test
Wir programmieren die größte portable Spielkonsole der Welt
  1. Arduino 101 Intel stellt auch das letzte Bastler-Board ein
  2. 1Sheeld für Arduino angetestet Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
  3. Calliope Mini im Test Neuland lernt programmieren

Ikea Trådfri im Test: Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
Ikea Trådfri im Test
Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
  1. Die Woche im Video Kündigungen, Kernaussagen und KI-Fahrer
  2. Augmented Reality Ikea will mit iOS 11 Wohnungen virtuell einrichten
  3. Space10 Ikea-Forschungslab untersucht Umgang mit KI

  1. Re: Ein getroffener Hund bellt...

    plutoniumsulfat | 23:03

  2. Re: Kreis Uelzen kann ich bestätigen.

    Reddead | 23:02

  3. Re: Welche Bank ist empfehlenswert?

    sofries | 22:57

  4. Re: Offizielle Ladepunkte meist unbrauchbar

    FlashBFE | 22:56

  5. Re: Viel zu spät

    Seroy | 22:53


  1. 21:02

  2. 18:42

  3. 15:46

  4. 15:02

  5. 14:09

  6. 13:37

  7. 13:26

  8. 12:26


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel