Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Vor der Wahl in Großbritannien: Bezahlte Werbung für gefälschte Videos auf Facebook

Die Gefahr der Wahlmanipulation auf sozialen Netzwerken steigt. In Großbritannien wurde bezahlte Werbung auf Facebook geschaltet, die auf gefälschte Videos verwies.
/ Ingo Pakalski
4 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Wahlmanipulation mit Facebook-Werbung und gefälschten Videos. (Bild: Jonathan Raa/Reuters)
Wahlmanipulation mit Facebook-Werbung und gefälschten Videos. Bild: Jonathan Raa/Reuters

In Großbritannien gab es auf Facebook etliche Werbeschaltungen, die auf gefälschte Videos des amtierenden britischen Premierministers Rishi Sunak verwiesen. Nach einem Bericht der britischen Tageszeitung The Guardian(öffnet im neuen Fenster) könnten damit auf Facebook bis zu 400.000 Menschen in Großbritannien erreicht worden sein. Allein im letzten Monat seien über 100 Deepfake-Videowerbungen auf Facebook gelaufen, heißt es in einer Untersuchung der Analysefirma Fenimore Harper(öffnet im neuen Fenster) .

Die 143 Werbeschaltungen aus 23 Ländern sollen dabei gegen mehrere Facebook-Richtlinien verstoßen haben. Dafür hat Facebook 12.929 britische Pfund (rund 15.000 Euro) eingenommen. Zu den Ländern zählen die USA, die Türkei, Malaysia und die Philippinen. Es soll das erste Mal sein, dass das Bild des britischen Premierministers systematisch und massenhaft manipuliert wurde.

Eine der Werbeschaltungen verweist auf eine gefälschte Videoaufnahme der BBC-Nachrichtensprecherin Sarah Campbell, die scheinbar eine Eilmeldung verliest, in der fälschlicherweise behauptet wird, dass ein Skandal um Sunak ausgebrochen sei. Demnach habe er "enorme Summen mit einem Projekt verdient, das ursprünglich für normale Bürger gedacht war" .

Gefälschter BBC-Bericht mit unwahren Behauptungen

Es folgt die unwahre Behauptung, Elon Musk habe eine Anwendung auf den Markt gebracht, mit der Börsentransaktionen "gesammelt" werden können, und es folgt ein gefälschter Clip von Sunak, in dem er sagt, die Regierung habe beschlossen, die Anwendung zu testen, bevor normale Bürger ihr Geld riskieren. Die Clips führen dann zu einer gefälschten BBC-Nachrichtenseite, die für eine betrügerische Investition wirbt.

Gegründet wurde Fenimore Harper von Marcus Beard, der während der Corona-Pandemie für die britische Regierung gegen Verschwörungstheorien gekämpft hat. Er warnte, dass es in diesem Jahr viele Versuche geben werde, die Wahl durch KI-generierte Fälschungen zu manipulieren.

Facebook wird für laxe Moderation kritisiert

"Leider wird dieses Problem durch eine laxe Moderationspolitik bei bezahlter Werbung noch verschärft. Diese Werbeanzeigen verstoßen gegen mehrere der Werberichtlinien von Facebook. Allerdings scheinen nur sehr wenige der Anzeigen, auf die wir gestoßen sind, entfernt worden zu sein."

In einer Stellungnahme sagte ein Meta-Sprecher: "Wir entfernen Inhalte, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, unabhängig davon, ob sie von einer KI oder einer Person erstellt wurden. Die überwiegende Mehrheit dieser Anzeigen wurde deaktiviert, bevor dieser Bericht veröffentlicht wurde" .

Facebook wiegelt ab

Der Meta-Sprecher ergänzt, dass "weniger als 0,5 Prozent der britischen Nutzer jede einzelne Anzeige gesehen haben, die live geschaltet wurde" . Er geht nicht darauf ein, warum die Fake-Werbung online gegangen ist, obwohl sie gegen mehrere Richtlinien von Facebook verstoßen haben sollen.

"Mit dem Aufkommen billiger, einfach zu bedienender Stimm- und Gesichtsklone braucht es nur wenig Wissen und Erfahrung, um die Ähnlichkeit einer Person für böswillige Zwecke zu nutzen" , zeigt sich Beard besorgt.


Relevante Themen