Vor Börsengang: ARM will mit Servern und KI mehr verdienen
Abseits der klassischen Geschäftsfelder will ARM künftig mehr Geld verdienen. Dabei leistet auch Jensen Huang von Nvidia Überzeugungsarbeit.
Bis zu 10 Milliarden US-Dollar will Eigner Softbank mit der Ausgabe von Aktien des britischen Prozessorentwicklers ARM einnehmen. Um mögliche Investoren von ARMs rosiger Zukunft zu überzeugen, hat CEO Rene Haas sich, wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet, prominente Unterstützung geholt: In einem an Investoren gerichteten Video bekräftigen Nvidias CEO Jensen Huang und James Hamilton, als Vice President und Distinguished Engineer zuständig für AWS, ARMs gewachsene Bedeutung im Rechenzentrum.
Der KI-Boom sowie die Beliebtheit maßgeschneiderter Prozessoren sollen künftig ARMs Umsatz beflügeln. Hier werden zwar weniger Chips verkauft als für Smartphones und Embedded-Geräte, dafür sind sie wesentlich teurer. Damit mehr Geld als bislang beim CPU-Entwickler hängenbleibt, sollen künftig fertige Produkte für identifizierte Wachstumsschwerpunkte angeboten werden. Wenn man mehr Wert schaffe, werde man sich das auch entsprechend bezahlen lassen, verkündete ARM in einer Einreichung an die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission), die geschäftliche Chancen und Risiken aufschlüsselt.
Laut Bloomberg erwartet ARMs Chief Financial Officer (CFO) Jason Childs bis 2025 im Cloudbereich jährlich ein 17-prozentiges Wachstum der "Umsatzmöglichkeiten" auf dann 28 Milliarden US-Dollar. Was genau damit gemeint ist, bleibt leider offen – Umsatz für ARM dürfte es allerdings nicht sein, der würde sich dann nämlich verzehnfachen.
Doch kein Zwang zum Komplettpaket?
Dass ARMs Unternehmensführung unzufrieden mit dem geringen Anteil am Umsatz mit Systems on Chip ist, ist zunächst nichts Neues. Seit seinem Antritt 2022 sucht CEO Haas nach Wegen, mehr Geld zu verdienen als bislang. Leider bleibt unklar, was genau die neue Strategie bedeutet. Zwischenzeitlich hieß es, ARM wolle künftig nur noch vollständige SoCs verkaufen – anstatt wie bislang eine freie Kombination seiner Prozessorkerne etwa mit GPU und KI-Beschleunigern zu ermöglichen.
Davon könnte das Unternehmen zumindest ein wenig abgerückt sein. Die Einreichung an die SEC beschreibt zwar auch, man habe das Lizenzmodell geändert, um "die Nutzung mehrerer ARM-Produkte für Kunden einfacher und attraktiver zu machen". ARM bietet unter anderem Werkzeuge zum einfachen Zusammenstellen eines SoC an, die Beschreibung könnte aber auch unattraktivere Lizenzbedingungen für Einzelkomponenten bedeuten. Ein zu restriktives Lizenzmodell würde allerdings genau das zerstören, was ARM groß gemacht hat: die vielfältige Auswahl an SoCs für die verschiedensten Marktnischen. ARM kann nicht alles selbst abdecken.