Space 2063: Military-Sci-Fi auf höchstem Niveau
Achtung! Wer nichts über die Handlung von Space 2063 wissen möchte, sondern die Serie erst selbst schauen möchte, sollte nicht weiterlesen.
Space 2063 war seiner Zeit weit voraus, nicht nur wegen des Titels. Denn die Autoren Glen Morgan(öffnet im neuen Fenster) und James Wong(öffnet im neuen Fenster), die schon für Akte X geschrieben haben, haben Mitte der 1990er eine Serie entwickelt, die zwar Science-Fiction ist, aber im Grunde die Geschichte eines Kriegs erzählt.
Mehr von Robert Heinlein denn von Gene Roddenberry inspiriert, ist Space 2063 eine Military-Sci-Fi-Serie(öffnet im neuen Fenster), die von der Stimmung her vorwegnimmt, was Battlestar Galactica Jahre später zum Erfolg führen sollte: harter Realismus im SF-Gewand.
Die Serie wurde mit viel Aufwand produziert, was letzten Endes auch ihr Ende bedeutete. Denn Fox, das ausstrahlende Network, wollte die hohen Kosten angesichts der Quoten nicht länger stemmen, weshalb es nur bei einer Staffel blieb. Aber was für eine Staffel ist das!
Der Krieg beginnt – erneut
Es ist das Jahr 2063: Der Krieg gegen die Silikanten, Androiden, die sich gegen ihre menschlichen Herrscher aufgelehnt hatten, ist gewonnen. Für den Kampf gegen sie wurden sogenannte In-Vitros entwickelt, künstlich erschaffene Retortenmenschen, despektierlich "Tanks" genannt. Nach dem Krieg fielen sie in Ungnade – manche von ihnen suchten weiterhin ihr Heil beim Militär.
Die Menschheit lebt nach diesem Krieg erstmal in Frieden und beginnt, andere Planeten zu erforschen und zu kolonisieren. Doch bei der Wahl der geeigneten Planeten ist das Unternehmen Aerotech(öffnet im neuen Fenster) wählerisch und verwirft Warnungen einfach. So wird eine Kolonie von Außerirdischen, den sogenannten Chigs, angegriffen – und ein neuer Krieg beginnt. Ein Krieg, in dem eine Gruppe junger Piloten, die Wild Cards, an vorderster Front steht.
Für immer treu
Diese Wild Cards wurden von eher unbekannten Mimen gespielt: Morgan Weisser, Kristen Cloke, die später Glen Morgan heiratete, Lanei Chapman, Rodney Rowland und Joel de la Fuente; ihr Ausbilder McQueen wurde von James Morrison verkörpert. Einige der Darsteller konnten später noch reüssieren. Morrison war bei der Agenten-Serie 24 dabei, de la Fuente ein Antagonist in der Parallelwelt-Geschichte The Man in the High Castle. Andere verschwanden nach dem Ende der Serie praktisch völlig von der Bildfläche.

Morgan und Wong erzählen eine Kriegsgeschichte, die nicht auf Pathos oder Hurra-Patriotismus setzt. Vielmehr zeigt die Serie die Schattenseiten des Kriegs – etwa in der Folge Die Vergessenen, in der die Soldaten auf einem Planeten gestrandet sind, über Wochen auf Rettung hoffen müssen und kurz vor dem Verhungern stehen. Unvergessen ist, wie ein paar der Soldaten beginnen, Sand zu essen, weil dieser mit Zucker versetzt ist.
Die Produzenten wagten bei der Serie auch Experimente. So etwa in der Episode Wer überwacht die Vögel?, die nicht nur die Backstory des In-Vitros Cooper bietet(öffnet im neuen Fenster), sondern über weite Strecken stumm erzählt ist.
Das harte Finale, das keines sein sollte
Die Folgen der Serie können für sich alleine stehen, es gibt aber auch einen roten Faden mit verschiedenen, wiederkehrenden Elementen: den Machenschaften von Aerotech, dem Kampf gegen die Silikanten, den Ressentiments gegen die In-Vitros und dem Krieg gegen die Chigs.
Letzterer nimmt im zweiteiligen Finale eine unerwartete Wendung. Als Morgan und Wong dieses Ende ersannen, hatten sie sicher geplant, weitere Staffeln vor sich zu haben. Doch obschon es keinen Abschluss für die Kriegsgeschichte bildet, ist es ein unheimlich gutes Ende, das – passend zur erschütternden Darstellung des Kriegsgeschehens in der Serie – als totaler Downer daherkommt und passender kaum sein könnte.
Space 2063 hierzulande leider kaum noch zu bekommen
Space 2063 lief 1995 als Space: Above and Beyond in den USA an und startete 1996 bei Vox. Bis zum Jahr 2000 wurde die Serie mehrmals bei Vox und Pro Sieben wiederholt, danach verschwand sie in der Versenkung. Es gibt sie auf DVD, allerdings ist die Box schon lange out-of-print und wird entsprechend teuer auf dem Zweitmarkt gehandelt.
Alle, die sie nicht haben, finden hier(öffnet im neuen Fenster) wenigstens das unvergessliche Intro, in dem Lieutenant Colonel McQueen sagt: "Wir dachten, wir wären allein. Glaubten, das Universum gehöre uns. Bis eines Nachts im Jahre 2063 eine unserer Raumkolonien angegriffen wurde. Nun haben wir Krieg. Ich bin Lt. Col. T.C. McQueen, ein In-Vitro, das sind Menschen, die in Brutkästen heranwachsen. Ich habe das Kommando über ein Marine Corps, das Achtundfünfzigste. Man nennt uns die Wild Cards. Wir kämpfen auf Abruf: im Weltraum, an Land und zu Wasser. Diesen Krieg zu verlieren, wäre schlimmer als der Tod. Wir müssen alle unsere Aufgabe erfüllen – bedingungslos."
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