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Von TSMC zu Intel: Führungskraft soll Geschäftsgeheimnisse geklaut haben

Kurz nach seinem Abschied wechselt TSMCs Entwicklungsleiter für Halbleiterfertigungsprozesse zu Intel . Und mit ihm wohl Details zu künftigen Prozessen.
/ Johannes Hiltscher
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Intel-Logo am Ocotillo Campus in Arizona, hier fertigt Intel mit seinem modernsten Halbleiterprozess. (Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de)
Intel-Logo am Ocotillo Campus in Arizona, hier fertigt Intel mit seinem modernsten Halbleiterprozess. Bild: Johannes Hiltscher/Golem.de

Mit seinen 75 Jahren war Wei-Jen Lo bereits deutlich länger beim Halbleiterhersteller TSMC als üblich. In den vergangenen 21 Jahren hatte er als Senior Vice President für Forschung und Entwicklung maßgeblich den Aufstieg des Unternehmens zum wichtigsten Halbleiterfertiger der Welt mitgestaltet. Umso erstaunter war man bei TSMC Medienberichten zufolge(öffnet im neuen Fenster) , als Lo nach seinem Abschied Ende Juli kurze Zeit später eine Führungsposition bei Intel übernahm.

Besonders brisant: Vor seinem Ausscheiden bei TSMC soll sich Lo noch über die in Entwicklung befindlichen Fertigungsprozesse A16 und A14 unterrichten lassen haben(öffnet im neuen Fenster) . Auch habe er sich Kopien von Dokumenten anfertigen lassen. Die New York Times berichtet(öffnet im neuen Fenster) , dass TSMC nach einigem Zögern Ende November 2025 Klage gegen den langjährigen Manager eingereicht habe. Mittlerweile sollen seine Wohnungen durchsucht, Computer und USB-Sticks beschlagnahmt sowie Aktien und Immobilien beschlagnahmt worden sein.

Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, könnte dies für Lo empfindliche Folgen haben: Taiwans Regierung versucht durch strenge Gesetze das Wissen über die modernsten Halbleiterprozesse im Land zu halten. So kann der unerlaubte Transfer von Wissen als Gefährdung der nationalen Sicherheit gewertet werden . Die Halbleiterfertigung gilt als sogenannter Silicon Shield des Landes und soll die Unterstützung anderer Länder im Falle eines Angriffs der Volksrepublik China sichern.

TSMC selbst schließt mit ehemaligen Mitarbeitern oft Ausstiegsverträge, welche ihnen für 18 Monate die Arbeit für Konkurrenten verbieten. Dafür bekommen sie weiter einen Teil des ehemaligen Gehalts. Intel stuft den Wechsel von Lo, der vor seiner Zeit bei TSMC bereits bei dem US-Unternehmen arbeitete, als normalen Vorgang in der Halbleiterbranche ein.

Anderer Fall bereits vor Gericht

Es ist für TSMC bereits der zweite Fall im laufenden Jahr, in dem Geschäftsgeheimnisse abgeflossen sein könnten. Anfang August 2025 wurde bekannt, dass ein zum japanischen Halbleiterausrüster Tokyo Electron gewechselter Mitarbeiter Informationen zum 2-nm-Prozess N2 abgegriffen haben soll. Gegen die taiwanische Niederlassung von Tokyo Electron wurde unlängst ein Verfahren wegen Verstoß gegen das nationale Sicherheitsgesetz eröffnet(öffnet im neuen Fenster) .

In Los Fall bleibt abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben. Die Bewertung des Falls in taiwanischen Medien ist recht weit gefächert: Einige Analysten sehen mögliche Vorteile für Intel, wenn Lo seinen neuen Arbeitgeber etwa über fehlgeschlagene Entwicklungsansätze informiert. Dass Intel hingegen mit seinen Informationen einen TSMC-Prozess nachbaut, wird für unmöglich gehalten – moderne Fertigungsprozesse seien zu komplex, als dass eine Person über alle relevanten Informationen verfügen könne.

Andere Beobachter hingegen halten es für möglich, dass Lo zu seinem ehemaligen Arbeitgeber wechselte, um diesen bei der Bewältigung seiner Krise zu unterstützen. Er soll Intel auch während seiner Zeit bei TSMC noch sehr verbunden gewesen sein.


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