Auswirkungen auf den Markt

Insgesamt sind Blackrock und Vanguard jeweils an weit mehr als 10.000 Unternehmen beteiligt, die in ihrem jeweiligen Land oder ihrer Branche relevant sind. Mit dieser Konstellation geht einher, dass sie oft auch in etwa gleich große Anteile an direkten Wettbewerbern halten.

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Common Ownership heißt dieses Phänomen in der Wissenschaft: Ein Finanzakteur ist nicht nur an einem Konzern beteiligt, sondern gleichermaßen an allen großen Unternehmen einer Branche. Das sorgt nicht nur in der Zivilgesellschaft für Bauchschmerzen, sondern auch in wirtschaftsliberalen Kreisen. Man fragt sich dort, ob eine solche Konstellation nicht das Grundprinzip des Kapitalismus aushebelt.

Üblicherweise hat ein Anteilseigner ein Interesse daran, dass das jeweilige Unternehmen möglichst aggressiv und innovativ Marktanteile gewinnt - auch auf Kosten der Wettbewerber. Wenn wichtige Anteilseigner aber an allen Unternehmen einer Branche beteiligt sind, können sie daran kaum interessiert sein, sondern eher daran, dass es den Großen der Branche gleichermaßen gut geht.

Für Aufsehen sorgte eine 2017 veröffentlichte Studie zu Anti-Wettbewerbseffekten von Common Ownership in der US-Flugbranche. Durch statistische Verfahren hatte die Studie berechnet, dass Common-Ownership-Besitzverhältnisse bei Fluggesellschaften für einen drei- bis elfprozentigen Anstieg von Ticketpreisen verantwortlich waren. Eine spätere Studie zum Wettbewerb im US-Bankensektor sah einen auffälligen Zusammenhang zwischen überlappenden Eigentumsverhältnissen und höheren Bank-Gebühren.

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Noch gibt es keine Untersuchung zur Auswirkung vom Common Ownership auf die Internet- und Technologiebranche. Fest steht, dass es auch hier große Überlappungen gibt. Vanguard und Blackrock sind größter beziehungsweise zweitgrößter institutioneller Anteilsinhaber bei Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft.

Und sie sind es in der gleichen Konstellation auch bei weiteren Schlüsselunternehmen: beim größten Router-Hersteller Cisco, dem größten Hersteller von PC-Chips Intel, dem größten Hersteller von Smartphone-Chips Qualcomm und auch bei IBM, Twitter und Ebay. Das bedeutet: Die Schattenbanken haben privilegierten Zugang zu Informationen und Entscheidungsgremien in allen relevanten Bereichen der Digitalwirtschaft.

Das globale Dorf

Vor allem die digitalen Big Five sind die Firmen, die das Netz bedeuten. Zu den Unternehmenswelten von Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Apple gehören hunderte Millionen Macs und Windows-PCS, iPhones und Android-Smartphones sowie Milliarden an Nutzern von Facebook, Whatsapp, Linkedin, Google, Gmail, Youtube und Amazon.

So einmalig diese Unternehmen sind, so sehr ähneln sie anderen Großkonzernen auf der Welt. In puncto Eigentumsverhältnisse sind sie schlicht Kinder ihrer Zeit. Als börsengehandelte US-Unternehmen sind sie zum Teil im Besitz der immer gleichen Finanzakteure, an erster Stelle Vanguard und Blackrock.

Zum anderen unterscheiden sie sich grundsätzlich von anderen Großkonzernen. Auch bei Amazon, Facebook und Google sind Vanguard und Blackrock die größten institutionellen Anteilseigner, der 15,1-prozentige Stimmanteil von Jeff Bezos übersteigt jedoch die Anteile der beiden großen Schattenbanken zusammen.

Die Gründer von Facebook und Google haben es geschafft, über Aktienkonstruktionen bis heute die Stimmmehrheit an ihren einstigen Startups zu halten, aus denen hunderte Milliarden Dollar schwere Firmen geworden sind. Gesprächen mit Schattenbanken werden sich auch Mark Zuckerberg, Larry Page und Sergey Brin nicht gänzlich verweigern können. Wenn auf den Jahresversammlungen der Unternehmen über wichtige Strategie- und Personalentscheidungen abgestimmt wird, kommen Zuckerberg alleine sowie Page und Brin als Duo jedoch auch ohne die Stimmen der Finanzakteure auf eine Mehrheit.

Schaut man sich die Eigentumsverhältnisse der digitalen Big Five zusammen an, schrumpft das vielfältige, weltumspannende Universum des Internets auf eine überschaubare Gruppe zusammen. Würde man die Gründer der digitalen Big Five sowie das Personal der immer gleichen Finanzakteure an einem Ort versammeln, dürfte der Marktplatz eines kleinen bayerischen Dorfs ausreichend groß sein.

Das Internet ist also doch ein globales Dorf, ein "Global Village", wie es der frühe Medientheoretiker Marshall McLuhan einst ausgedrückt hat. Nur vielleicht auf eine andere Art, als man sich das damals vorgestellt hat.

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 Zuckerbrot und Peitsche
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magnolia 03. Mai 2020

+1 Der Artikel war für mich ein Augenöffner.

7of9 25. Apr 2020

Natürlich kann man das. Es gibt genug kostenlose Depots mit gutem Service, z.B. comdirect.

eftokay83 23. Apr 2020

Fand den Artikel super, vielen Dank dafür! Entweder ich habe einen Fehler gefunden oder...

ClausWARE 22. Apr 2020

So ein Artikel ist aber nur dann ein guter Artikel wenn er genau das unterlässt, sondern...

Qbit42 22. Apr 2020

Hat doch niemand behauptet. Hier ging es nun mal um die digitalen Big Five. Die Welt ist...



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