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Zuckerbrot und Peitsche

Und was ist mit den wenigen Fällen, in denen Vanguard und Blackrock gegen das Management stimmen? Laut Fichtners Erkenntnissen geht es in jeweils etwa der Hälfte der Fälle um Wahlen oder Wiederwahlen in das Board of Directors, den Machtkern des jeweiligen Unternehmens.

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Fichtners Folgerung: Üblicherweise verhalten sich Vanguard und Blackrock gegenüber dem Management kooperativ und stärken ihm auf Hauptversammlungen den Rücken. Ihren Einfluss machen sie in Hinterzimmer-Gesprächen geltend. Nur wenn sich das Management den Wünschen dauerhaft verweigert, strafen sie es öffentlich ab.

Die Strategie lautet: Zuckerbrot und Peitsche.

Gegen das Management zu stimmen, sagte Fichtner im Gespräch mit Golem.de, sei eher eine Ultima Ratio, die oft nicht zum Einsatz komme. Fichtner glaubt, dass die jeweilige Unternehmensführung vielleicht schlicht die Werte von Blackrock & Co verinnerliche. "Für das Management ist es rational, sich im Interesse der wichtigen Geldverwalter zu verhalten." Um zu verhindern, dass sie vielleicht irgendwann abgestraft werden und weil sie wissen, dass sie eventuell einmal auf das Wohlwollen von Blackrock und Vanguard angewiesen sind - beispielsweise, wenn es um kontroverse Themen wie Firmenübernahmen geht oder wenn aktivistische Aktionäre gegen das Management Stimmung machen.

Engagements heißen die persönlichen Hintergrundtreffen in der Sprache der Finanzverwalter, und über die Engagement-Aktivität gibt es viele Legenden. In Deutschland kursiert eine Aussage des Chefs des Energiekonzerns E.on über Blackrock: "Die lassen einen in ihr Headquarter antanzen."

Blackrock berichtet in seinen Annual Engagement und Votings Statistics von insgesamt 2.050 Treffen zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019. Vanguard nennt keine absoluten Zahlen zu den Treffen, gibt in seinem Investment-Stewardship-Bericht aber die Zahl der Firmen an, mit denen es solche Treffen gegeben hat: Mit 868 der 13.225 Unternehmen im Portfolio, also längst nicht mit allen, habe es Engagements gegeben. In einer Liste der 868 Unternehmen stehen alle digitalen Big Five.

Anders als oft vermutet, scheinen die Geldverwalter die Unternehmen nicht an der kurzen Leine zu halten und längst nicht mit allen Unternehmen persönlich zu interagieren. Blackrock gibt an, dass in seinem Investment-Stewardship-Team nur "45+" Leute für die Beziehungen mit den Unternehmen zuständig sind.

"Die Stewardship-Abteilung ist natürlich ein Kostenblock", meint Jan Fichtner. "Bei 45 Leuten machen sich die Personalkosten kaum bemerkbar. Wenn man sich aber detailliert bei allen Firmen auskennen will, sei es beim Klimawandel und bei IT-Themen, müsste man Hunderte von Experten einstellen." Index-Fonds seien gerade deswegen so erfolgreich, weil sie wegen ihres kleinen Personalapparats so geringe Gebühren haben.

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magnolia 03. Mai 2020

+1 Der Artikel war für mich ein Augenöffner.

7of9 25. Apr 2020

Natürlich kann man das. Es gibt genug kostenlose Depots mit gutem Service, z.B. comdirect.

eftokay83 23. Apr 2020

Fand den Artikel super, vielen Dank dafür! Entweder ich habe einen Fehler gefunden oder...

ClausWARE 22. Apr 2020

So ein Artikel ist aber nur dann ein guter Artikel wenn er genau das unterlässt, sondern...

Qbit42 22. Apr 2020

Hat doch niemand behauptet. Hier ging es nun mal um die digitalen Big Five. Die Welt ist...


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