Die Schattenbanken als Anteilseigner

Was für ein Typ Anteilseigner sind Vanguard und Blackrock, diese schwer zu fassenden Finanzgebilde? Der absolute Börsenwert der Vanguard- und Blackrock-Anteile an den Big Five ist atemberaubend groß, prozentual bewegt sich der jeweilige Stimmrechts-Anteil aber zwischen überschaubaren 2,3 und 8,2 Prozent.

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Haben sie mit ihren Anteilen überhaupt einen tatsächlichen Einfluss? Drängen sie die Unternehmen auf maximale Profitabilität, auch unter Missachtung ethischer Standards? Oder nehmen sie, gemäß dem Motto "Eigentum verpflichtet" gesellschaftliche Verantwortung wahr, etwa wenn es Konflikte zwischen Profitabilität und Themen wie Datenschutz, Arbeitnehmerrechte oder Steuergerechtigkeit geht?

Die Vermutung liegt nahe, dass sich die überwiegend mit passiven Index-Fonds arbeitenden Geldverwalter auch als Anteilseigner passiv verhalten. Ihr Job ist auf den ersten Blick entspannt. Auch wenn Google oder Apple rapide an Wert verlieren sollten, müssten sie sich nicht dafür rechtfertigen. Sie haben die Unternehmen nicht selbst ausgewählt, sondern sich an einen bestehenden Index gehängt, etwa an den Index S&P 500, der nun einmal Google- und Apple-Aktien enthält.

Zudem fehlt ihnen ein wichtiges Mittel, um Druck auszuüben: Sie können nicht drohen, aus einem Unternehmen auszusteigen, wenn das Management nicht spurt. Bei Index-Fonds haben sie schlicht nicht die Möglichkeit, die Google- oder Apple-Aktien zu verkaufen, da sie sich verpflichtet haben, den betreffenden Index so abzubilden, wie er aussieht.

Dennoch stehen die großen Schattenbanken aber gerade in der Kritik, einen illegitim großen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen zu haben. Vom damaligen Vanguard-Chef William McNabb stammt ein Zitat, das in eine solche Richtung weist: "In der Vergangenheit haben manche fälschlicherweise angenommen, dass unser überwiegend passiver Management-Stil auch eine passive Herangehensweise an Unternehmensführung bedeuten muss. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein."

Politik und Wissenschaft beginnen gerade erst zu verstehen, wie diese Einflussnahme aussieht.

"Hidden Power"

Der Politikwissenschaftler Jan Fichtner hat in seiner Studie Hidden power of the Big Three? für das Corpnet-Projekt der Universität Amsterdam das Abstimmungsverhalten der drei großen passiven Index-Fonds-Verwalter analysiert. Neben Blackrock und Vanguard zählte er noch den Geldverwalter State Street Corp hinzu, dessen Anteile an den digitalen Big Five allerdings deutlich hinter denen von Vanguard und Blackrock liegen. Golem.de hat sich mit Jan Fichtner über die Studie unterhalten.

Eine Erkenntnis von Fichtner und seinen Kollegen: Die Geldverwalter scheinen klar eine zentralisierte Abstimmstrategie zu haben. Obwohl sich das Stimmgewicht von Vanguard und Blackrock aus den Anteilen Dutzender Fonds zusammensetzt, agieren sie bei Abstimmungen als Block.

Das Abstimmverhalten könnte man als managementfreundlich bezeichnen, in mehr als 90 Prozent der Fälle folgen Vanguard und Blackrock den Empfehlungen des Managements der jeweiligen Firma. Das heißt, dass sie für beziehungsweise gegen einen Antrag stimmen, wenn das Management das empfiehlt.

Wenn die großen Geldverwalter (in Übereinstimmung mit dem Management) gegen einen Antrag stimmen, geht es oft um Vorstöße aus dem Themenbereich Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung (Environmental, Social and Governance). Bei Blackrock richteten sich 77 Prozent, bei Vanguard 44 Prozent der Gegenstimmen gegen solche Anträge.

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magnolia 03. Mai 2020

+1 Der Artikel war für mich ein Augenöffner.

7of9 25. Apr 2020

Natürlich kann man das. Es gibt genug kostenlose Depots mit gutem Service, z.B. comdirect.

eftokay83 23. Apr 2020

Fand den Artikel super, vielen Dank dafür! Entweder ich habe einen Fehler gefunden oder...

ClausWARE 22. Apr 2020

So ein Artikel ist aber nur dann ein guter Artikel wenn er genau das unterlässt, sondern...

Qbit42 22. Apr 2020

Hat doch niemand behauptet. Hier ging es nun mal um die digitalen Big Five. Die Welt ist...


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