Passives Kapital

Bei Vanguard und Blackrock handelt es sich um einen vergleichsweise jungen Typus von Finanzakteuren. Beim klassischen, aktiven Modell von Investmentfonds wählen Fondsmanager gezielt Firmen für ein Portfolio auf Basis von aufwendigen Marktrecherchen aus.

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Das Geschäftsmodell von Vanguard und Blackrock hingegen basiert überwiegend auf passiven Mechanismen: Die Fonds hängen sich schlicht an einen bestehenden Index an und bilden ihn nach. Sie kaufen beispielsweise Anteile an allen 500 Unternehmen im US-Börsenindex S&P 500 oder an allen 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex Dax - von jedem Unternehmen genau so viele, dass sie die Verteilung im S&P 500 oder im Dax replizieren.

Oft greifen sie auf externe Indizes zurück, erstellt von spezialisierten Index-Providern wie der britischen FTSE Group oder dem US-Unternehmen MSCI Inc. Solche Indizes sind Listen großer, mittelgroßer oder kleinerer Firmen aus verschiedenen Ländern und Weltregionen. Die Auswahl kann sich am Marktwert der Unternehmen orientieren oder bestimmte Wirtschaftsbereiche wie die Gesundheits-, Immobilien- oder IT-Branche abbilden.

Index-Fonds-Giganten wie Vanguard und Blackrock sind historisch gesehen eher neue Gebilde. Allein in den zwölf Monaten zwischen dem vierten Quartal 2018 und 2019 ist das von Blackrock verwaltete Vermögen um 24 Prozent gestiegen. Der Aufstieg geht auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen machen es niedrige Zinsen und Negativzinsen unattraktiv, Geld klassisch auf der Bank anzulegen.

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Zum anderen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass der Mensch nicht den Markt schlagen kann. Die Wertentwicklung aktiv gemanagter Fonds, die aufwendig ein eigenes Portfolio zusammenstellen, ist langfristig nicht besser als die Performance des Marktes. Zumindest nicht so viel besser, dass es die oft hohen Gebühren rechtfertigt. Index-Fonds kommen mit weniger Personal aus und können deutlich niedrigere Gebühren verlangen.

Aufgrund der riesigen Summen, über die Vanguard und Blackrock verfügen, sind die beiden Schattenbanken an unzähligen großen Unternehmen weltweit beteiligt. Blackrock besitzt Aktien von allen 30 Dax-Unternehmen und ist bei etwa einem Viertel von ihnen größter Anteilseigener. Die Anteile, die Blackrock und Vanguard an den Unternehmen halten, setzen sich aus den Anteilen der jeweiligen Einzelfonds zusammen. Die insgesamt 7,5 Prozent, die Vanguard an Apple hält, sind die Summe aus den Apple-Aktien Dutzender Vanguard-Fonds.

Vanguard verwaltet absolut gesehen weniger Geld als Blackrock. Dass Vanguard mit seinen Anteilen bei allen digitalen Big Five vor Blackrock liegt, liegt daran, dass Vanguard lange Zeit fast ausschließlich in den USA aktiv war und sich erst vor Kurzem für andere Weltregionen geöffnet hat. Das Vermögen von Blackrock verteilt sich stärker über Unternehmen in der ganzen Welt.

Blackrock im Fokus der Kritik

Für viele ist Blackrock noch ein Buch mit sieben Siegeln. Larry Fink, dem umtriebigen Gründer und Chef von Blackrock, wird eigentlich nur ein Ziel nachgesagt: die Bedeutung privater Rentenvorsorge zu pushen - mit dem Kalkül, dass Sparer sowie private Rentenfonds in Zukunft Rentengelder bei Blackrock anlegen. Fink gilt als geschickter Lobbyist und Netzwerker. Blackrock gelingt es immer wieder, wichtige Figuren aus der Politik für das Unternehmen zu gewinnen und Blackrock-Personal in die Politik zu vermitteln.

Eine solche Personalie verhalf Blackrock auch hierzulande zu größerer Medienöffentlichkeit. Der Politiker und Anwalt Friedrich Merz, im Kampf um den CDU-Parteivorsitz erst gescheitert und jetzt erneut im Rennen, war lange Zeit Aufsichtsratschef und Chef-Lobbyist bei der deutschen Tochter von Blackrock. Er hat den Job Ende März aufgegeben, um sich wieder mehr der Politik zu widmen.

Blackrock wird nicht nur wegen seiner Anteile an Tausenden Unternehmen kritisch gesehen, sondern auch wegen eines zweiten Geschäftszweigs, einem Beratungs- und Datenanalyse-Geschäft. Kern ist die Aladdin-Datenbank. In die speist Blackrock riesige Mengen an Finanz- und Unternehmensdaten ein. Die Nutzung dieses Datenschatzes bietet Blackrock als Dienstleistung an.

Kunden sind andere Investmentverwalter, Industrieunternehmen und die Politik. Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank und Ministerien lassen sich von Blackrock beraten, in Europa wurde Blackrock beispielsweise mit der Durchführung des Stresstests von Banken betraut.

Somit hat das Blackrock-Management privilegierten Zugang zu Informationen und zu politischen Entscheidungsgremien. Zwar verspricht Blackrock, dass eine "chinesische Mauer" innerhalb des Unternehmens den Fluss sensibler Informationen vom politischen Beratungszweig hin zum Investmentzweig verhindere, doch das überzeugt nicht alle Kritikerinnen und Kritiker.

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 Die Digitalmacht der SchattenbankenDie Schattenbanken als Anteilseigner 
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magnolia 03. Mai 2020

+1 Der Artikel war für mich ein Augenöffner.

7of9 25. Apr 2020

Natürlich kann man das. Es gibt genug kostenlose Depots mit gutem Service, z.B. comdirect.

eftokay83 23. Apr 2020

Fand den Artikel super, vielen Dank dafür! Entweder ich habe einen Fehler gefunden oder...

ClausWARE 22. Apr 2020

So ein Artikel ist aber nur dann ein guter Artikel wenn er genau das unterlässt, sondern...

Qbit42 22. Apr 2020

Hat doch niemand behauptet. Hier ging es nun mal um die digitalen Big Five. Die Welt ist...



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