Die Digitalmacht der Schattenbanken

Nun zum zweiten Eigentümertypus, den Finanzakteuren. Deren Anteile an den digitalen Big Five bewegen sich zwischen wenigen Promille und mehr als acht Prozent. In den Börsenberichten fallen die immer gleichen Namen: The Vanguard Group, Blackrock, State Street Corp oder Fidelity Investments.

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Noch absurder ist es, dass die ersten beiden Plätze bei allen fünf IT-Konzernen identisch besetzt sind. Die Nummer eins ist stets The Vanguard Group Inc. Sie hält bei Amazon 6,4 Prozent der an der Nasdaq-Börse gehandelten Anteile, bei Apple 7,5 Prozent und bei Microsoft 8,2 Prozent. Die Nummer zwei ist Blackrock. Das Unternehmen hält bei Amazon 5,4 Prozent der Anteile, bei Apple 6,4 Prozent, bei Microsoft 6,8 Prozent. Bei Amazon, Apple und Microsoft ist der Anteil der Aktien identisch mit dem Stimmgewicht bei den Hauptversammlungen der Unternehmen.

Bei Alphabet und Facebook ist es wegen der unterschiedlichen Aktienklassen komplizierter. Vanguard hält 7,6 Prozent der Alphabet-Anteile (was 3 Prozent Stimmgewicht entspricht) und 7,6 Prozent der Facebook-Anteile (2,7 Prozent Stimmgewicht). Blackrock verfügt über 6,6 Prozent der Alphabet-Anteile (2,6 Prozent Stimmgewicht) und 6,6 Prozent der Facebook-Anteile (2,3 Prozent Stimmgewicht).

Vanguard, Blackrock und die anderen großen Geldverwalter werden oft auch Schattenbanken genannt. Sie stellen die Spitze der Kapitalwirtschaft dar und bündeln riesige Vermögen. Sie sammeln Gelder von Pensionsfonds ein, von wohlhabenden Stiftungen und Privatuniversitäten, von reichen Familien und teilweise auch von Kleinanlegern.

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Die Vermögen bewegen sich in schwindelerregenden Sphären: Blackrock verwaltet laut letztem Quartalsbericht (1. Quartal 2020) 6,5 Billionen US-Dollar (6 Billionen Euro), Vanguard kommt laut Website - Stand Januar 2020 - auf 6,2 Billionen Dollar (5,7 Billionen Euro). Das ist jeweils deutlich mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland. Allein der Microsoft-Börsenanteil von Vanguard ist 111 Milliarden US-Dollar wert, die Vanguard-Anteile an den fünf großen Internet-Konzernen summieren sich auf 342 Milliarden Dollar (Stand: Mitte April 2020).

Die Vanguard Group sitzt im US-amerikanischen Pennsylvania und ist der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt. Vanguard setzt sich aus etwa 400 einzelnen Fonds zusammen und hat Anteile an etwa 13.000 Unternehmen weltweit. Die Vanguard Group ist nicht an der Börse gehandelt, sondern basiert auf einer Art Genossenschaftsmodell. Die Eigentümer von Vanguard sind die einzelnen Fonds, allerdings nur die US-amerikanischen.

  • Vermögen laut Bloomberg-Milliardärsindex und Position im Index (https://www.bloomberg.com/billionaires, Stand: 21.04.2020) (Tabelle: Golem.de)
  • Prozent am Börsenwert, Ranking der sechs größten Schattenbanken, geordnet nach dem durchschnittlichen Anteil an den Unternehmen Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (Quelle: Nasdaq.com, abgerufen am 7.3.2020) (Tabelle: Golem.de)
  • Verteilung der Stimmrechte bei den Big Five (Tabelle: Golem.de)
Prozent am Börsenwert, Ranking der sechs größten Schattenbanken, geordnet nach dem durchschnittlichen Anteil an den Unternehmen Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft (Quelle: Nasdaq.com, abgerufen am 7.3.2020) (Tabelle: Golem.de)

Außerhalb von Finanzkreisen ist Vanguard kaum bekannt, das ist bei Blackrock anders, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Blackrock besteht aus mehreren Tausend Fonds und ist an etwa 16.000 Unternehmen beteiligt. Der Geldverwalter gilt als Prototyp einer Schattenbank.

Da Blackrock börsengelistet ist, sind Zahlen zu den Eigentumsverhältnissen verfügbar. Sie zeigen, dass es auch zwischen den beiden Schattenbanken erhebliche Verflechtungen gibt. Der zweitgrößte Anteilseigner von Blackrock ist mit 5,8 Prozent die Vanguard Group. Größter Blackrock-Eigner (mit 22 Prozent) ist die US-amerikanische Bank- und Vermögensverwaltungsgruppe PNC Financial Services Group. Der größte Anteilseigener von PNC ist mit 7,7 Prozent wiederum - die Vanguard Group. So schließt sich der Kreis.

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magnolia 03. Mai 2020

+1 Der Artikel war für mich ein Augenöffner.

7of9 25. Apr 2020

Natürlich kann man das. Es gibt genug kostenlose Depots mit gutem Service, z.B. comdirect.

eftokay83 23. Apr 2020

Fand den Artikel super, vielen Dank dafür! Entweder ich habe einen Fehler gefunden oder...

ClausWARE 22. Apr 2020

So ein Artikel ist aber nur dann ein guter Artikel wenn er genau das unterlässt, sondern...

Qbit42 22. Apr 2020

Hat doch niemand behauptet. Hier ging es nun mal um die digitalen Big Five. Die Welt ist...



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