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Von Microsoft zu Linux und zurück: "Es gab bei Limux keine unlösbaren Probleme"

Aus Ärger über Microsoft stieß er den Wechsel der Stadt München auf Linux an. Kaum schied er aus dem Amt des Oberbürgermeisters, wurde Limux rückgängig gemacht. Christian Ude über Seelenmassage von Ballmer und Gates, die industriefreundliche CSU, eine abtrünnige Grüne und umfallende SPD-Genossen.

Ein Interview von Jan Kleinert/Linux Magazin veröffentlicht am
Christian Ude 2018
Christian Ude 2018 (Bild: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Christian Ude, Jahrgang 1947, empfängt das Linux-Magazin zum Interview in seinem Schwabinger Büro. Ab 1993 war er direkt gewählter SPD-Oberbürgermeister von München, dreimal wählten ihn die Münchner mit steigender Zustimmung wieder. Unter Ude und seinen grünen und rosa Koalitionspartnern rüstete die Stadtverwaltung ihre PCs auf Linux um, was weltweit große Aufmerksamkeit in der IT-Branche erregte. Wenige Monate nach seiner letzten Amtszeit kassierte die neue SPD-CSU-Koalition den damaligen Beschluss und kündigte die Rückkehr zum "Industriestandard" an.

Inhalt:
  1. Von Microsoft zu Linux und zurück: "Es gab bei Limux keine unlösbaren Probleme"
  2. Seelenmassage von Steve Ballmer und Bill Gates
  3. Politische Querelen
  4. Datensicherheit und Unabhängigkeit wertlos

Linux-Magazin: Herr Ude, unter Ihrer Führung fiel die spektakuläre Entscheidung der Landeshauptstadt München, für die damals etwa 14.000 PCs der Verwaltung, Linux statt weiterhin Windows zu verwenden. Anlass waren anstehende Upgrades für Microsoft-Produkte.

Christian Ude: Ich bin überhaupt nicht der IT-Spezialist, der eigene Ideen oder Wünsche zu dem Thema in Politik umsetzen wollte. Ich habe mich nur maßlos geärgert, dass Microsoft plötzlich den Support zurückzog und die Landeshauptstadt München damit zwang, einen Wechsel zu bezahlen, für den sie sich als Kundin gar nicht aus freien Stücken entschlossen hatte. Ich habe das mit deutschen und europäischen Microsoft-Repräsentanten immer wieder diskutieren müssen. Je größer der zeitliche und persönliche Abstand wurde, desto deutlicher haben die zugegeben, dass das ein skandalöser Umgang mit der Kundschaft ist.

Sie haben uns als Kunde mit einer fünfstelligen Zahl von Geräten einfach vor die Alternative gestellt "Friss oder stirb!" - friss unseren Wechsel und zahle oder stirb mit alten Geräten, für die es keinen Support mehr gibt. So haben wir den Machtmissbrauch eines marktbeherrschenden Konzerns kennengelernt und sind dadurch auf die strategische Frage gestoßen: Sollen wir und dürfen wir in solcher Abhängigkeit bleiben? Deswegen sage ich: Angestoßen hat die Diskussion Microsoft.

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Uns ging es um eine Vielzahl von Fragen, nicht nur um die finanzielle Abhängigkeit oder einen Preisvergleich oder um zu überwindende Widerstände. Wir haben die methodische Abhängigkeit von einem Anbieter kritisch gesehen und auch die Datensicherheit, die ja bei Microsoft sehr umstritten war und in der Fachwelt noch umstritten ist. Und es ging uns um die Akzeptanz bei den weitesten Kundenkreisen der Stadt.

Die setzen Macht auf Knopfdruck um in Preispolitik

Diese Fragen haben wir Gutachten und Gutachtern anvertraut, und das Resultat war eindeutig, dass Microsoft zwar bei manchem Preisvergleich billiger ist, aber eben bei der Datensicherheit ein Risikofaktor bleibt und beim Thema Unabhängigkeit ein monopolähnlicher Anbieter ist. Für uns war der strategische Wert auch wirtschaftlich bedeutsam, ein unabhängiger Kunde zu sein, der sich nicht ausliefert. Deswegen haben mich vor allem die CSU und Microsoft immer kritisiert. Aber ich bin der Ansicht und bleibe dieser Ansicht, dass, wenn man sich aus einer Abhängigkeit von einem Großanbieter, der seine Macht auf Knopfdruck in Preispolitik umsetzen kann, in eine Unabhängigkeit begibt, dies einen wirtschaftlichen Wert darstellt.

Linux-Magazin: Wie groß war der Druck anschließend?

Christian Ude: Wirklich gewaltig, und zwar zunächst einmal von beiden Seiten. Es gab eine begeisterte Open-Source-Szene mit Hunderten allein in München und Tausenden Anhängern in ganz Europa. Die haben in kaum noch zählbaren Mails an uns appelliert, wir müssten den Schritt in die Unabhängigkeit wagen. Wir sollten der Szene ein Beispiel geben, dass große behördliche Kunden Datensicherheit und Unabhängigkeit zu schätzen wissen. Zugleich hat die Microsoft-Seite auch Druck aufgebaut.

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Seelenmassage von Steve Ballmer und Bill Gates 
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dark_matter 01. Mär 2020

Europa braucht ein eigenes OSS basierte EU Office, Grafiksoftware, etc + Unix OS (EOS...

Auspuffanlage 03. Jan 2020

gerne :) ja das mit https stört mich auch aber sie haben gezeigt, dass "Linux" möglich...

Crass Spektakel 24. Nov 2019

https://www.youtube.com/watch?v=BSifoK1XDUo

heikom36 20. Nov 2019

Behörden machen es nicht ist so ne Sache. Ein Freund von mir ist bei der Arge. Der nutzt...

MickeyKay 19. Nov 2019

Windows 10 FOLGTE nicht NACH Windows 7? o_O Da bist du ja einem ganz heißen Ding auf der...


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