Datensicherheit und Unabhängigkeit wertlos

Ich kann nicht die ganzen Gutachten beurteilen, die man als Zeitungsleser gar nicht zu sehen bekommt. Aber ich stelle mit einiger Verwunderung fest, dass Dinge wie Datensicherheit und Unabhängigkeit plötzlich keinen Wert mehr haben. Dazu kommen die Kosten, die die Stadt zu tragen hat.

Die SPD war über ein Jahrzehnt lang stolz darauf, eine Entscheidung getroffen zu haben, die nicht nur ein paar Münchner Stadtteile interessant finden, sondern die in ganz Europa beachtet wurde und vor allem in den USA eine bemerkenswerte Medienresonanz erzeugte. Das Wahlergebnis der SPD 2014 [30,8 Prozent, 2008: 39,8 Prozent, Anm. der Redaktion] war sicherlich nicht allein wegen Limux, aber halt auch wegen Limux. Es waren die besten Zahlen für die Grünen und die schlechtesten für die SPD, die es je gab. Wie kann die SPD eine große gesellschaftliche Gruppierung - man denke an die früheren 15 Prozent Zustimmung für die Piratenpartei -, die sie europaweit beachtet und vertreten hat, dermaßen vor den Kopf stoßen?!

Die Münchner Grünen haben mal ein Fachgespräch mit Diskussionen über das schwierige Thema angesetzt, da kamen Hunderte Gäste. Mein Freund Hep Monatzeder, der früher mein Dritter Bürgermeister war und danach bei unseren Entscheidungen bleiben wollte, hat mir auch eine Einladung geschickt. Ich bin hingegangen, was danach skandalisiert wurde, ich wolle die Fronten wechseln. Dabei bin ich bei meiner Überzeugung geblieben - der Entscheidung, welche die SPD in meiner Amtszeit nicht nur selbstbewusst, sondern geradezu begeistert getroffen hat.

Linux-Magazin: Mit dem heutigen Wissen - was hätte die Stadt, was hätten Sie anders machen können, damit Limux auf Dauer hätte gelingen können?

Christian Ude: Obwohl wir das immer getan haben, hätte wir vielleicht noch mehr Blut, Schweiß und Tränen im Stile einer Churchill-Rede ankündigen müssen, statt zu früh zu jubeln "Wir haben es geschafft, wir sind über dem Berg!", was sich nicht mit der Meinung aller Nutzer deckte, sondern nur einer Nutzer-Mehrheit. Aber selbst das halte ich schon für einen historischen Erfolg. Wo bitte ist schon die Mehrheit mit einer Idee einverstanden?! In kaum einem Unternehmen, wenn man statt der Presseabteilung die Belegschaft fragt.

Die CSU hatte im Wahlkampf ja kaum Themen

Mit den Unzufriedenen in der Verwaltung hätte man vielleicht mehr kommunizieren müssen. Vor allem hätten wir bei den Geräten mehr für die Modernisierung ausgeben müssen, damit nicht plötzlich Geräte-Defizite Linux angelastet werden. Der ganze Kurswechsel lässt sich aber nicht an veralteten PCs festmachen, sondern war eine politische Frage. Die CSU hatte im Wahlkampf ja kaum Themen, was sie anders machen will in München. Also brauchte sie ein Symbolthema, bei dem sie sagt: Rot-Grün war ein Weg ins Verderben, wir müssen das Ruder herumwerfen. Deshalb hat ein IT-Thema plötzlich eine solche Durchschlagskraft gewonnen, obwohl es nur die Stadtangestellten betrifft.

Aber ich denke, dass das politische Kalkül des Kurswechsels nicht aufgehen wird und irgendwann die Frage auftaucht: Warum hat man die schon eroberte Unabhängigkeit aufs Spiel gesetzt? Punkt 1: Warum hat man die Verbesserungsmöglichkeiten bei der Datensicherheit so geringgeschätzt? Punkt 2: Wie viele Kosten sind schlussendlich durch die Rückmigration entstanden? Das wissen wir ja bis heute nicht. Wir wissen nur, dass die Realität den Kostenvoranschlag praktisch immer überholt, also wahrscheinlich auch hier.

Der Artikel erschien zuerst im Linux-Magazin 10/2019.

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 Politische Querelen
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nirgendwer 18. Feb 2021

... mithin, als die IT noch weitgehend unter Windows lief. Sind oder waren? Und was...

dark_matter 01. Mär 2020

Europa braucht ein eigenes OSS basierte EU Office, Grafiksoftware, etc + Unix OS (EOS...

Auspuffanlage 03. Jan 2020

gerne :) ja das mit https stört mich auch aber sie haben gezeigt, dass "Linux" möglich...

Crass Spektakel 24. Nov 2019

https://www.youtube.com/watch?v=BSifoK1XDUo



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