Politische Querelen

Linux-Magazin: Und tatsächlich - Ende 2013 hat die Zweite Bürgermeisterin, Christine Strobl, verkündet, dass der so genannte Linux-Basis­client überall erfolgreich eingeführt sei.

Christian Ude: Ich habe dazu etwas in diesem Jahr gefunden, das mich tief bewegt hat. Es geht dabei um Wilhelm Hoegner, den Enkel des gleichnamigen früheren bayerischen Ministerpräsidenten. Wilhelm Hoegner war mein IT-Spezialist - Chef des, wie es damals hieß, Amts für Informations- und Datenverarbeitung. Er hat ganz maßgeblich die Gutachten angefordert und die Entscheidung für Linux mitgetragen. Als Repräsentant der IT der Stadt München hat er die Migration nahezu bis zum Ende vollzogen.

Im Bayernspiegel, das ist die Zeitschrift der sehr konservativen Bayerischen Einigung/Bayerischen Volksstiftung, habe ich einen Nachruf auf Hoegner gefunden. "Kern der Kritik des Enkels war damals und ist bis heute unter kritischen Geistern das Calling Home der Software der US-Konzerne. Leider sind rebellische Geister wie er heute weitgehend aus Politik und Verwaltungen verschwunden, und nachgewachsen ist eine Jugend, die sich gedankenlos im Internet prostituiert, sich ihre Daten rauben lässt und zulässt, dass weltweit operierende Konzerne und ihre Eigentümer Milliardengewinne gerne ohne Besteuerung einstreichen, während für den Großteil der Jugendlichen selbst immer öfter nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse zum Mindestlohn übrig bleiben. Und die Landeshauptstadt München ist inzwischen in der Informationstechnologie wieder auf alten Wegen bis 2020 zurück zum Betriebssystem Windows."

Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass die sehr konservativ geprägte Bayerische Einigung den Chef der Stadt aus solchen gesellschaftspolitischen Gründen heraus derartig in Schutz nimmt und auf den Denkmalssockel stellt.

Linux-Magazin: Genauso kann man sich die Augen reiben, was kurz nach Ihrer letzten Amtszeit passierte. Im August 2014 tauchten Berichte auf, die Stadt erwäge eine Rückkehr zu Microsoft-Software. Und tatsächlich sorgten Ihr Amtsnachfolger Dieter Reiter von der SPD und sein CSU-Vize Josef Schmid dafür, dass Linux wieder von den PCs der Verwaltung verschwinden wird. Beschwerden von Nutzern seien der Grund gewesen sowie Format-Probleme beim Datenaustausch mit Externen.

Christian Ude: Es ist richtig, dass es bei der Umstellung Schwierigkeiten und Ärgernisse gab. Das hat ja auch das Amt [die Hauptabteilung Informationstechnologie des Direktoriums, Anm. der Redaktion] immer eingeräumt. Das ist selbst bei großen technischen Umstellungen in IT-Konzernen nicht anders. Aber es gab bei Limux keine unlösbaren Probleme. Dazu hatten wir detaillierte Texte, Ausarbeitungen der Behördenleitung und bestätigende Stellungnahmen der Gutachter.

Linux-Magazin: Ist es in der Kommunalpolitik ein gewöhnlicher oder ein eher ungewöhnlicher Vorgang, ein Prestigeprojekt seines Amtsvorgängers und Parteikollegen sturmreif zu schießen und dann zu schleifen?

Christian Ude: Die erste Bewegung kam unbegreiflicherweise von der OB-Kandidatin der Grünen. Frau Nallinger hat von einem Tag auf den anderen zum Entsetzen ihrer eigenen Stadtratsfraktion verkündet, dass Limux weg muss und dass es das Gebot der Stunde sei, zu Microsoft zurückzukehren. Sie wurde dann von ihrer Fraktion wieder gebremst. Aber natürlich entstand die Stimmung, dass, wenn schon die Kandidatin der Grünen umfällt, die Position wohl nicht mehr zu halten ist. Abgesehen von der Entgleisung ihrer OB-Kandidatin sind sich die Grünen aber treu geblieben in ihrer Befürwortung von Open Source und Linux.

Zur CSU kann ich nur sagen: Die haben mit offenem Visier gekämpft. Schon bei der Einführung meinten die, das tut man nicht, sich von einem Monopolisten abzuwenden und alles auf eigene Faust stricken zu wollen. Da war die CSU relativ offen, ehrlich und konsequent.

Verblüffend finde ich das Umfallen der SPD, das sich innerhalb eines Jahres vollzogen hat. 2013 haben sie noch "Hurra!" und "eine Pioniertat!" gerufen, aber schon im Jahr 2014: "Der Pinguin muss sterben! Wir wollen nicht der letzte Mohikaner sein." Das ist doch wirklich Wahnsinn, dass die Bürgermeisterin in einem Jahr den bisherigen Erfolg lobt und 2014 plötzlich die Flucht vor Open Source antritt und in den Schoß des US-Konzerns zurück will. Ein großer Teil der Szene, es gibt ja hier Hunderte freiberufliche und angestellte Software-Experten und -Praktiker, konnte sich keinen Reim darauf machen.

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nirgendwer 18. Feb 2021

... mithin, als die IT noch weitgehend unter Windows lief. Sind oder waren? Und was...

dark_matter 01. Mär 2020

Europa braucht ein eigenes OSS basierte EU Office, Grafiksoftware, etc + Unix OS (EOS...

Auspuffanlage 03. Jan 2020

gerne :) ja das mit https stört mich auch aber sie haben gezeigt, dass "Linux" möglich...

Crass Spektakel 24. Nov 2019

https://www.youtube.com/watch?v=BSifoK1XDUo



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