Seelenmassage von Steve Ballmer und Bill Gates

Das Intensivste, was ich persönlich erlebt habe, war ein Besuch von Steve Ballmer, immerhin Vizepräsident von Microsoft. Der hat seinen Ski-Urlaub in der Schweiz unterbrochen, um mich zu besuchen. Mit seiner bekannten Begeisterungsfähigkeit, mit der er auf Konferenzen dynamisch auf der Bühne herumspringt, sprang er bei mir im Amtszimmer herum und pries erst einmal die Schönheit Münchens. Aber dann sagte er, ich stünde vor einer katastrophalen Fehlentscheidung, die ich niemals vor irgendwem verantworten könne, vor allem vor keinem Steuerzahler.

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Er machte witzigerweise während des Gesprächs ständig neue finanzielle Angebote, was Microsoft noch alles zusätzlich dazugäbe, für das Schulreferat zum Beispiel. Laufend wurden die um eine Million und noch eine Million und noch eine Million und später ein Dutzend Millionen günstiger als zuvor. So wichtig war Microsoft die international als IT-Hochburg wahrgenommene abtrünnige Landeshauptstadt München als Symbol.

Würde sie einen Weg aufzeigen oder reumütig in den Schoß von Microsoft zurückkehren? Wir haben zwar ausgerechnet, dass Ballmer das finanzielle Angebot um rund 35 Prozent nachgebessert hat. Aber da wir ja eine strategische Entscheidung vornehmen wollten und nicht nur einen Preisvergleich anstellen, war dies nicht erheblich.

Linux-Magazin: Bill Gates kam auch zu Besuch?

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Christian Ude: Der war in München wegen einer Präsentation des Hauses der Zukunft, die ihn wahnsinnig begeistert hat. Bei dem konnte man schon vom Auto aus bestimmen, wie hoch die Zimmertemperatur in jedem Zimmer sein und ob der Kühlschrank schon mal etwas auftauen soll. Auf seiner Rückfahrt zum Flughafen hatte ich die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Ich saß also zusammen mit einem der reichsten Männer der Welt in einem getarnten Lieferwagen, der innen luxuriös ausgestattet war, von außen aber ausschaute, als gehöre er einem kleinen Handwerksbetrieb. Gates hat mich fassungslos gefragt: Warum machen Sie das? Das ist doch widersinnig! Das ist doch gar nicht zu verstehen!

Nachdem ich jetzt nicht der hartgesottene IT-Spezialist bin, der einem Bill Gates gewachsen wäre bei jedem Detail, habe ich nur gesagt: "Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, es geht uns um die Unabhängigkeit. Wir wollen nicht abhängig sein." Dann sagte er: "So ein Unsinn, von wem denn abhängig?" "Weil Sie schon mal da sind: Von Ihnen natürlich!" Das hat ihn richtig in sich zusammenfallen lassen, und er hat gesagt: "Es ist für mich unbegreiflich, das ist Ideologie."

So hat Microsoft wirklich jede Form der Seelenmassage angewandt vom galoppierenden Preisnachlass während einer einzigen Unterredung bis zum Einsatz des Megastars Bill Gates. Ich bin aber hart geblieben. Ich habe Linux für München nicht entdeckt oder entwickelt. Aber den Kopf hingehalten habe ich schon. Aber es ging nicht um mich, sondern um ein Stück kommunale Unabhängigkeit.

Ein Politiker muss damit leben und umgehen lernen, dass es Menschen gibt, die wahnsinnig viel mehr von einem speziellen Thema verstehen als man selbst, aber für Firmen oder Gruppen arbeiten und deswegen nackte Interessenvertreter sind. Sollten solche interessierten Seiten die ausschlaggebenden Ratgeber sein? Ich meine, es war ja auch kein Zufall, dass Suse und IBM bei Limux sehr positiv gestimmt waren, weil die auch mit Open Source arbeiten. Microsoft war extrem negativ, wie ich am eigenen Leib verspüren durfte. Beide Seiten verstehen sicher wahnsinnig viel von IT, aber das sind interessengeleitete Erkenntnisse, die sie verkündet haben.

In einer Fernsehdokumentation letztes Jahr habe ich gehört, dass die Einflussnahmen in der Stadt Wien und im Verteidigungsministerium Italiens nicht weniger massiv waren und dass es halt für Microsoft um jeden Preis darum ging zu verhindern, dass irgendwo in Europa sich ein eigener Weg bewährt und als Alternative bereitsteht. Wir in München jedenfalls wollten bis 2014 unabhängig werden.

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 Von Microsoft zu Linux und zurück: "Es gab bei Limux keine unlösbaren Probleme"Politische Querelen 
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nirgendwer 18. Feb 2021

... mithin, als die IT noch weitgehend unter Windows lief. Sind oder waren? Und was...

dark_matter 01. Mär 2020

Europa braucht ein eigenes OSS basierte EU Office, Grafiksoftware, etc + Unix OS (EOS...

Auspuffanlage 03. Jan 2020

gerne :) ja das mit https stört mich auch aber sie haben gezeigt, dass "Linux" möglich...

Crass Spektakel 24. Nov 2019

https://www.youtube.com/watch?v=BSifoK1XDUo

heikom36 20. Nov 2019

Behörden machen es nicht ist so ne Sache. Ein Freund von mir ist bei der Arge. Der nutzt...



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