Von KI entwickelt: KI-Slop, der aussieht wie ein Browser

Die Entwickler des KI-Code-Editors Cursor wollten einmal ausprobieren, wie leistungsfähig KI-Agenten beim Programmieren aktuell sind. Also haben sie sich eines der komplexesten Softwareprojekte vorgenommen: einen Webbrowser. Praktischerweise hat Cursor-Entwickler Wilson Lin nicht nur einen Blog-Beitrag geschrieben(öffnet im neuen Fenster) , sondern auch den generierten Code veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) . Wir haben ihn ausprobiert, waren aber vom Ergebnis nur bedingt begeistert.
Die gute Nachricht vorab: Mit Clang 21 kompiliert der Code problemlos, nachdem erst einmal 528 Rust-Bibliotheken (Crates) heruntergeladen wurden. Viele davon sind Codecs und Schnittstellen, auch für Kryptografie und Kompression wird auf externe Bibliotheken zurückgegriffen. Auch ein HTML-Parser findet sich, zumindest für das Rendering scheinen die Agenten aber eigenen Code generiert zu haben.
Der Browser startet auch, und dass ein Ensemble aus KI-Agenten eine so komplexe Software erstellt hat – das Tool cloc zählt über 2,6 Millionen Zeilen Rust-Code -, ist erst einmal beeindruckend. Hunderte Agenten sollen rund eine Woche daran gearbeitet haben. Das Ergebnis sieht allerdings nur aus wie ein Browser, aber brauchbar ist es nicht.
Unter X11 (XFCE, Debian Testing) ist die Software als Browser quasi komplett unbrauchbar. Über die Adresszeile können wir nur im Ausnahmefall eine Webseite aufrufen, beim Drücken der Enter-Taste passiert meist einfach nichts. Als Workaround kann die gewünschte Seite als Startseite gesetzt werden. Dann lädt sie zwar per Klick auf den entsprechenden Button, oft stürzt der Browser dann allerdings ab.
Auch ohne Abstürze kaum mehr als ein Mock-up
Unter Wayland (Gnome mit Wayfire, Debian Testing) läuft der Browser besser: Keine vollständigen Abstürze, die Adresseingabe funktioniert. Gelegentlich funktionieren hier auch Links, was allerdings dann nie direkt erkennbar ist.
Zunächst wird nämlich das alte Bild weiter angezeigt, lediglich die Anzeige von URLs beim Mouseover eines Links verrät, dass eine andere Seite geladen wurde. Mit etwas Glück sehen wir die neue Seite, nachdem wir die Arbeitsfläche gewechselt haben. Oft passiert bei einem Klick dort, wo ein Link sein sollte, aber schlicht: nichts. Das Laden (hierfür nutzt der Browser curl) und Rendern einer Seite dauert selbst bei einfachen HTML-Seiten extrem lang.
Lediglich die eingebauten about-Seiten sind schnell gerendert, anfangs halten wir sie für die einzigen, auf denen wir scrollen können. Selbst bei einfachen Seiten wie der Wikipedia-Startseite scheint nur das bereits gerenderte Bild verschoben zu werden – und weil das so schön ist, macht der Browser das gelegentlich auch noch ein paarmal, wenn wir schon längst nicht mehr scrollen.
Auch hier hilft aber oft wieder, die Arbeitsfläche zu wechseln. Dann wird meist der neue Inhalt angezeigt. Interessanterweise werden aber Seiten auf Substack ohne diesen Workaround beim Scrollen neu gerendert, auch wenn das mehrere Sekunden dauert und einen Prozessorkern voll auslastet.
Viele Seiten funktionieren auch einfach gar nicht: Github ist komplett schwarz, auf der Golem-Homepage kommen wir nicht am Cookie-Pop-up vorbei, da das zugehörige Javascript nicht geladen wird.
Teilweise überrascht uns der KI-Browser aber auch mit sehr ungewöhnlichem Verhalten.