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Von Jodorowsky bis Ridley Scott: Drei Dune-Verfilmungen, die nicht kamen

Mehr als ein Jahrzehnt wurde an verschiedenen Dune -Filmen gearbeitet. Viele namhafte Regisseure wollten es umsetzen, bevor David Lynch es schließlich tat.
/ Peter Osteried
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David Lynch war der Erste, der Dune verfilmte. (Bild: Universal)
David Lynch war der Erste, der Dune verfilmte. Bild: Universal

Es war ein weiter Weg zu David Lynchs Dune. Nach dem Erwerb der Filmrechte wurden drei Projekte angefangen, alle scheiterten – trotz prominenter Beteiligter wie Franklin Schaffner, Alejandro Jodorowsky und Ridley Scott. Es dauerte 13 Jahre, bis mit Lynchs Dune endlich ein Film herauskam.

Die Filmrechte für Dune hatte Roger Corman im November 1971 erworben, knapp ein Jahrzehnt, nachdem Frank Herbert den Roman in mehreren Teilen in dem Sci-Fi-Magazin Analog veröffentlicht hatte. Der Regisseur und Produzent war und ist vor allem für seine B-Filme bekannt, so günstig hätte eine Dune-Verfilmung aber nicht umgesetzt werden können.

Die Rechte gingen also zurück, und Arthur P. Jacobs kam ins Spiel, der mit seiner Firma APJAC Productions 1968 bereits Der Planet der Affen produziert hatte.

Jacobs interessierte sich schon 1971 für die Filmrechte, erhielt sie aber erst, als er ein 38-seitiges Treatment von Joe Ford und Robert Greenhut verfassen ließ, das zeigen sollte, wie der Roman umgesetzt wird. Damit war er im März 1972 erfolgreich. Wenige Monate später bekam er die Filmrechte. Zuvor schwebte ihm noch vor, David Lean (Lawrence von Arabien) auf Basis eines Skripts von Robert Bolt den Film angehen zu lassen. Beide lehnten ab.

Stattdessen schlug die Stunde des Autors Rospo Pallenberg. Der war damals noch unbekannt, hatte aber für John Boorman ein Skript zu dessen unverfilmtem Projekt Der Herr der Ringe geschrieben, und – als das Projekt scheiterte – das Drehbuch zu Excalibur, der Film zur Legende von König Artus.

Pallenberg lieferte im Januar 1973 ein erstes Treatment, woraufhin Jacobs sich nach einem anderen Autor umsah. Der damalige Autorenstreik machte das aber schwierig. Im Rennen waren Dalton Trumbo (Spartacus) und Lorenzo Semple Jr. (Batman-Serie der 1960er Jahre). Als Regisseur wollte Jacobs Franklin Schaffner, der Der Planet der Affen inszeniert hat.

Ein Budget von sechs Millionen US-Dollar wurde anvisiert, Drehorte in der Türkei wurden gesucht. Alles schien sich langsam zu fügen, dann stieg Schaffner aus. Jacobs fand Ersatz in Haskell Wexler. Das Projekt starb schließlich mit Jacobs, am 27. Juni 1973 erlag er einem Herzinfarkt.

Jodorowsky wollte Herbert raushalten

APJAC Productions hatte bis Ende 1974 Zeit, das Projekt in Produktion gehen zu lassen. Die Filmrechte wurden jedoch an ein französisches Konsortium verkauft. Federführend war Michel Seydoux, der den Chilenen Alejandro Jodorowsky für den Film wollte.

Jodorowsky hat mit Werken wie El Topo surreale und mythische Filme abgeliefert. An Dune war er interessiert, aber nur, weil er eine eigene Geschichte daraus machen wollte. Daher versuchte er, Frank Herbert so weit wie möglich aus dem Prozess herauszuhalten.

Dune mit Carradine, Welles und Dalí?

Dune sollte ein 15 Millionen US-Dollar teurer Film werden. Das Konsortium hatte 9,5 Millionen Dollar gesichert, der Rest sollte von einem amerikanischen Verleih kommen. Jodorowsky begann mit der Vorproduktion, die Besetzung war weitgehend erfolgt.

Als Paul Atreides wollte Jodorowsky seinen Sohn Brontis. David Carradine, der gerade mit der Serie Kung Fu erfolgreich war, sollte Herzog Leto spielen. Für den Part des Kaisers Shaddam IV. konnte Jodorowsky den surrealistischen Maler Salvador Dalí begeistern(öffnet im neuen Fenster) – er sollte 100.000 Dollar pro Drehstunde bekommen. Jodorowskys Plan war, nur eine Stunde mit Dali zu drehen und ansonsten eine mechanische Puppe als Double zu nutzen.

Jodorowsky sprach auch Orson Welles an, den er als Vladimir Harkonnen wollte. Er traf ihn in einem feinen Pariser Restaurant und lockte den Filmemacher und Schauspieler damit, dass er den Koch dieses Restaurants verpflichten würde, damit Welles jeden Drehtag so speisen könne.

Als Lady Jessica wünschte er sich Geraldine Chaplin oder Charlotte Rampling (die dann in Villeneuves Film dabei war). Letztere lehnte ab, wie man in der Dokumentation Jodorowsky's Dune erfährt, nachdem sie eine Szene im Skript gelesen hatte, die ihr missfiel.

In jener Szene will das Biest Rabban Herzog Leto demütigen und befiehlt seiner Armee, vor dem Palast die Hosen herunterzulassen und auf den Boden zu defäkieren. Das hätte mit 2.000 Statisten gedreht werden sollen, die von der algerischen Armee zur Verfügung gestellt worden wären.

Weiterhin wollte Jodorowsky Gloria Swanson als Gaius Helen Mohiam, Alain Delon als Duncan Idaho, Herve Villechaize (Der Mann mit dem goldenen Colt) als Gurney Halleck, Udo Kier als Piter De Vries und Mick Jagger als Feyd-Rautha.

Die Effekte sollte Dan O'Bannon verantworten, der dafür bei John Carpenters Studentenfilm Dark Star(öffnet im neuen Fenster) verantwortlich war. Ende 1975 kollabierte das Projekt allerdings, auch, weil das Budget nicht zu stemmen war. Die US-Studios wollten einen Regisseur neben Jodorowsky haben, da sie ihm misstrauten. Aber Seydoux wollte das seinem Freund nicht antun.

Das Ende von Jodorowskys Dune

Frank Pavich, der Regisseur der Dokumentation Jodorowsky's Dune(öffnet im neuen Fenster) , erzählte von den Unterschieden zum Roman, aber auch zu Lynchs späterem Film: "Wenn man sich die Storyboards ansieht, ist Lynchs Version schon anders. Er hat sehr viel von dem geändert, was im Buch vorkommt, aber Alejandro hat noch mehr verändert: Er hat den Vater von Paul kastriert, Paul wurde aus Blut geboren, alles irre Sachen. Dazu tötet er Paul am Ende des Films."

Im Buch und in der Lynch-Version lebt Paul. Jodorowsky habe das aber nicht gewollt. Er habe gesagt: "Nein, mein Film endet exakt so." Er wollte keine weiteren Teile, das interessierte ihn nicht.

Was von dem Film bleibt: Ein sehr dickes Buch mit Konzeptzeichnungen und Storyboards von Moebius(öffnet im neuen Fenster) sowie das Drehbuch. Jodorowsky erzählte bei einem Besuch des Münchner Filmfests: "Wenn ich sterbe, oder wann auch immer, kann es irgendjemand noch machen. Als Animation zum Beispiel."

Der französische Regisseur Jan Kounen habe ihn angerufen und gesagt, er würde das gern machen. "Ich habe den Kontakt zwischen Kounen und Seydoux hergestellt, vielleicht klappt es. Er will mein Skript, wie es ist, als Animationsfilm umsetzen. Für mich ist das super, weil ich die Arbeit schon gemacht habe. Ich werde einfach nur dasitzen und es genießen, während alle anderen arbeiten," so Jodorowsky.

Frank Herbert gelang kein gutes Drehbuch

1976 erwarb der italienische Produzent Dino De Laurentiis ( Flash Gordon ) von dem Konsortium für zwei Millionen Dollar die Filmrechte – das war etwa die Summe, die in die Vorproduktion von Jodorowskys Film geflossen war.

De Laurentiis heuerte Frank Herbert an, damit dieser das Drehbuch schrieb. Der Roman sollte auf zwei Filme aufgeteilt werden, so, wie es später Denis Villeneuve tat.

Herbert verfasste ein Skript mit 176 Seiten, De Laurentiis mochte es aber nicht. Auch Herbert gab später zu, dass es nicht gut war. Es gelang ihm offenbar nicht, sich von seinem Buch zu lösen.

Für die Regie holte De Laurentiis Ridley Scott, der mit Alien erfolgreich war. Mit ihm kam auch H.R. Giger, der schon an Konzepten für die Jodorowsky-Version(öffnet im neuen Fenster) gearbeitet hat. Die Kamera sollte Vittorio Storaro führen, dessen größtes Werk Apocalypse Now ist.

Scott brachte den Autor Rudy Wurlitzer mit, der sich aber weit von der Vorlage entfernte. Er dichtete Paul und seiner Mutter Jessica nicht nur ein inzestuöses Verhältnis an, sondern machte Pauls Schwester Alia so auch zu seiner Tochter. Herbert missfiel das, De Laurentiis auch.

Letztlich kam das Projekt zum Erliegen, weil es zu teuer wurde. Universal Pictures sollte koproduzieren, ein Budget von 50 Millionen US-Dollar war dem Studio aber viel zu viel. De Laurentiis wollte deshalb aus Kostengründen in Mexiko drehen lassen. Das war der Moment, zu dem Ridley Scott ausstieg, weil er bei einem Besuch in Mexiko Stadt sah, dass die Infrastruktur nicht ausreichte.

De Laurentiis übergab das Projekt schließlich seiner Tochter Raffaella. Mit David Lynch fand sie einen Regisseur, der Dune umsetzte. Der Film debütierte 1984.


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