Retro-Grafik schützt nicht vor Indizierung

Golem.de: Herr Salzmann, würde man heute Spiele mit einer Grafik wie River Raid überhaupt noch indizieren?

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Thomas Salzmann: Eine veraltete Grafik kann natürlich stark relativierend wirken. Wir haben letztens aber ein recht aktuelles Spiel geprüft. Dieses war grafisch auf einem ähnlichen Niveau wie das von Ihnen erwähnte alte Spiel River Raid, aber wirkte diskriminierend gegenüber queeren Menschen. Da Diskriminierung von Menschen eine Jugendgefährdung begründen kann, wurde es indiziert.  

Es hatte also mit der grafischen Darstellung gar nichts zu tun. Man kann somit nicht sagen, was technisch veraltet wirkt, wird heute nicht mehr indiziert, sondern man muss immer im Einzelfall bewerten, welche Aussagen transportiert werden. Im Übrigen muss man alte Indizierungsentscheidungen immer zeitlich einordnen. 

Ich habe mir das damalige Gutachten zur Wirkung noch mal angeschaut, das seinerzeit der Indizierung von River Raid zugrunde lag. Und da ist auch beschrieben, wie das Spiel beworben wurde. Wenn Sie das lesen, dann haben Sie das Gefühl, Sie steigen in die immersivste Welt ein, die Sie sich überhaupt nur vorstellen können - obwohl das Spiel auf dem Atari erschien. Es kann also sein, dass wir in wenigen Jahren, wenn Weiterentwicklungen in Richtung Metaversen merklich sind und in die Kinderzimmer Einzug gehalten haben, ebenso auf heutige technische Umsetzungen zurückschauen.  

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Golem.de: Wie gehen Sie denn an die aktuellen Herausforderungen der sozialen Netzwerke heran?  

Thomas Salzmann: Gegenüber den großen Plattformen geht es eher um strukturelle Fragen der Anbietervorsorge. Kinder und Jugendliche brauchen insbesondere in sozialen Medien eine Infrastruktur, die ihnen eine unbeschwerte Teilhabe ermöglicht. Gefahren, wie die Ansprache mit den Zielen sexueller Gewalt oder Ehrverletzungen gilt es zu minimieren und dort, wo dies geschieht, z. B. altersgerechte Melde- und Hilfestrukturen bereitzuhalten.

Ein Ziel lautet auch, die Eltern stärker zu befähigen, ihre Kinder bei der Mediennutzung zu begleiten. Wir haben beispielsweise eine Bewegung bei großen Anbietern in Richtung Tools, die die Eltern unterstützen sollen. Das sehen wir erst mal positiv, aber wir stellen auch die Frage: Reicht das, was kann man da verbessern? Wir bewegen uns hier im internationalen Kontext.

Das ist immer wieder eine Herausforderung, aber das deutsche Jugendschutzrecht gilt auch gegenüber internationalen Anbietern. Wir setzen hier auf verbindlichen Dialog mit den Anbietern, für die es natürlich auch wichtig ist, um am deutschen Markt gut platziert zu sein. Und falls alle Ansprache nichts nützt, hat uns der Gesetzgeber noch ein schärferes Schwert an die Hand gegeben: das ordnungsrechtliche Verfahren, bei dem Bußgelder in Höhe bis zu 50 Millionen Euro verhängt werden können.  

Golem.de: Warum sind Teile der Liste der jugendgefährdenden Inhalte nicht öffentlich einsehbar und wann ist die Information über indizierte Inhalte legal?  

Thomas Salzmann: Bei dem nichtöffentlichen Listenteil handelt es sich ausschließlich um Medien, die nur URL-basiert darstellbar sind. Wenn wir die veröffentlichen, dann würden wir ja nahezu unmittelbaren Zugang befördern. Ansonsten ist die Liste eine öffentliche. Zudem wurde unser gesetzlicher Auftrag ergänzt, sozusagen die roten Linien, die sich aus der Spruchpraxis entwickeln, sichtbar zu machen. Es gilt, diese in den gesellschaftlichen und vor allen Dingen medienpädagogischen Diskurs zu tragen und darüber auch die Tätigkeit der Prüfstelle als Orientierungspunkt nutzbar zu machen. Dies geht über den Zweck der Abschirmung weit hinaus.  

Zudem ist es so, dass die Verbreitung von indizierten Medien als Trägermedien an Kinder und Jugendliche unter Strafe steht. Die Ausnahme ist jedoch, wenn Eltern diese im Rahmen der Wahrnehmung ihrer Erziehungspflicht zugänglich machen.  

Golem.de: Vielen Dank für das Gespräch!  

Informationen zur Arbeit der Prüfstelle und des Gremiums finden sich auf diesen Seiten. Eine inoffizielle Liste indizierter Spiele gibt es hier.

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 Indizierte Spiele: Besonnenheit, Ausgleich, Rechtsfindung
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wgvdl 15. Sep 2022 / Themenstart

Sondergerichte sind in Deutschland nicht erlaubt. Jeder hat das Recht auf einen...

Muhaha 14. Sep 2022 / Themenstart

Ich glaube nicht, dass die Leute, welche Du hier meinst, plötzlich anfangen über ihre...

Prypjat 14. Sep 2022 / Themenstart

Ich glaube wir haben es heute aber auch leichter als unsere Eltern damals. Wir sind damit...

carebear 14. Sep 2022 / Themenstart

ist bist heute nicht zu verzeihen. Eine weitere überflüssige Institution, deren...

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