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Das Beste kommt zum Schluss ...

➤ Wir hatten keinen Informatikunterricht. Informatik hieß bei uns ITG – Informatisch-technische Grundbildung. Im Grunde genommen nichts anderes als Powerpoint-Gebastel und Excel-Spielereien.


➤ Informatikunterricht gab es bei uns nur, weil mein Mathe- und Physiklehrer sich das im Selbststudium beigebracht hatte und Bock hatte, das an meiner Schule anzubieten. Die Jahrgänge vor mir und nach mir hatten an meiner Schule keinen Informatikunterricht. In dieser Hinsicht hatten wir wirklich Glück, diesen Lehrer zu haben. Inhaltlich ging es viel um Grundlagen. Rekursion, Backtracking, objektorientierte Programmierung, Sortieralgorithmen, Boolsche Logik. Also kein Coding, sondern viele Konzepte. Vieles kam auch später im Studium noch mal dran, das war also sehr hilfreich, und manchmal denke ich auch heute noch an diese Zeit zurück.


➤ Nachdem ich innerhalb von 5 Minuten mit der Aufgabe, für die eigentlich eine Stunde vorgesehen war, fertig war, blieb mir reichlich Zeit zum Trödeln. Der Lehrer fand das nicht lustig und gab mir einen Schlag auf den Hinterkopf. Ich habe im Verlauf der Unterrichtsstunde vier Rechner auf Booten ausschließlich von Netzwerkquelle umgestellt. Niemand hat es geschafft, die Rechner wieder in Betrieb zu nehmen.


➤ Als der Lehrer zu einer Frage einmal keine Antwort wusste, machte er das, was jeder getan hätte: Er googelte. Als er jedoch nicht fündig wurde, kam er auf die Idee, den Suchbegriff groß zu schreiben, als ob es einen Unterschied machen würde. Wir Schüler haben uns nur verlegen angeschaut.


➤ "Wenn ihr euch ruhig verhaltet, bekommt ihr alle 14 Punkte!"So die Ansage des Informatiklehrers und Oberstufenleiters meiner Tochter zu Beginn des Schuljahres. Er hätte andere Dinge zu tun. Es ist kein Unterricht erfolgt und alle haben 14 Punkte bekommen ...


➤ Am schlimmsten finde ich im Nachgang betrachtet, dass unhinterfragt alles nur mit Microsoft-Produkten passierte. Windows, Office (Datenbanken mit Access!) usw. Alternative Betriebssysteme oder Office-Produkte wurden nie auch nur mit einem Wort erwähnt. Wie konnte es dazu kommen? Bei Stiften, Sportklamotten etc. darf die Schule bzw. der Lehrer doch auch nicht eine bestimmte Marke vorgeben?!


➤ Persönliches Highlight eines Mitschülers beim Java-Programmieren:

public static int void main class(String[] args) {}


➤ In der Berufsschule angekommen, merkte ich recht schnell, dass zum einen die IT-Landschaft total veraltet war (so etwas hatten meine Eltern schon damals 10 Jahre zuvor und wir waren keine reichen Bonzen), das waren altbackene Office-PCs, auf denen wir programmieren sollten, was fast unmöglich war – schnell hatten wir unsere eigenen Notebooks und haben darauf gearbeitet, die alten Office-Rechner zu Fileservern gemacht und dort Spiele für den stinklangweiligen Unterricht verteilt.

Das wussten wir so oder so schon alles ... Das Gezocke hat uns der Lehrer durchgehen lassen, ab und zu hat er sogar mitgezockt ... Mitten im Unterricht mal schnell beim Bäcker 'nen Kaffee holen – kein Problem, wir sind halt einfach hin und kamen glücklich mit 'nem Becher Kaffee zurück oder haben draußen mit Bekannten aus den Parallelklassen 'ne Runde getratscht – wenn mal 'ne Arbeit geschrieben wurde – das war Kindergarten ... Hatten wir schon längst alles entweder gewusst oder im Betrieb gelernt ...

Ich hätte mir den IT-Unterricht an der Berufsschule sparen können und stattdessen in der Firma produktiver arbeiten und lernen können. Aber o.k., man konnte es auch bezahlten Sonderurlaub nennen...


➤ Mein Informatikunterricht war damals rein Excel/Word-Beschäftigungstherapie. Absolut nichts über Computersysteme, Betriebssysteme, Programmieren, etc. ... Ich hab oft nachgefragt, aber es hieß jedes Mal, dass der Lehrplan das nicht vorsieht.


➤ Unsere Lehrerin hatte nicht viel Ahnung von PCs. Wenn ich den Unterricht mal nicht spannend fand, habe ich Scandisk angeworfen und mich gewundert, was der Rechner macht und warum er plötzlich so langsam ist.


➤ Wir haben gefühlt die zehnte Klasse damit verbracht, "Hallo Welt" in Basic zu schreiben. Nichts, was man für das Leben hätte gebrauchen können. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass selbst das Schulpraktikum bei einem IT-Anbieter nicht viel lehrreicher war.


➤ Nachdem ich ein Terminal geöffnet hatte (rein aus Interesse, ohne böse Absicht), dachte die Deutschlehrerin, ich würde die Schule hacken, und hat mich des Unterrichts verwiesen.


➤ Eine Handvoll Schüler durfte die Computer selbst warten. Unser Highlight war eine sehr komische Fehlermeldung auf dem Desktop: "Windows kann nicht ausgeführt werden. Zu wenig Arbeitsspeicher vorhanden."

Nach ewigem Hin und Her, Computer aufschrauben, vergewissern, dass der RAM noch eingebaut war, waren wir ziemlich ratlos. Dazu kam, dass diese Fehlermeldung trotz OK‑Button nicht weggeklickt werden und man Windows normal bedienen konnte. Irgendwann kam einer von uns auf eine Idee und hat festgestellt, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hatte, und die Fehlermeldung in einem Bild war, das man als Desktop-Hintergrund ausgewählt hatte ...


➤ Als ich mit meiner Realschule fertig war, kam am letzten Schultag mein Physiklehrer auf mich zu und sagte: "Oliver, ich muss ab nächstem Jahr Computer-Unterricht geben. Du kennst dich doch mit Computern aus. Was soll ich denn da für Computer nehmen und was kann ich den Schülern zeigen?" Ich habe ihm natürlich gerne geholfen. Ob er es dann so gemacht hat, weiß ich nicht. Ich persönlich hatte meinen ersten Computer komplett selbst gebaut (damals gab es Bücher und Bausätze, den Rest habe ich selbst gemacht). Ich war damals wohl der Computer-Nerd, der bis spät in der Nacht die Zeit am Computer verbrachte.


➤ Durch Nerd-Vorkenntnisse durfte ich als 15‑Jähriger das Programm für die Tastatur-Fertigkeitsbewertung schreiben. Der Code mit der Bewertung selbst war nicht kompliziert, aber ich habe in Sachen Eyecandy alles gegeben. Unter anderem der sehr bunte Splashscreen vor der Bewertung hatte zudem eine versteckte Tastenkombination, mit der man als Erfolgsergebnis im Test immer etwas zwischen 93 und 97 Prozent bekam. Ab 92 Prozent gab es die Note 1 und immer 100 Prozent wäre unrealistisch gewesen. Die Tastenkombination kannten eine Handvoll meiner Schulfreunde. Das Programm war noch Jahre nach dieser Zeit im Einsatz, aber niemand kannte mehr die versteckte Tastenkombination.


➤ Ich hatte einen Informatiklehrer, der nur seine Lieblinge hatte, und alle anderen Loser waren. Er hatte seine Musterlösung, und alles, was davon abwich, war falsch. Ich habe ihm durch die Schleifeninvariante gezeigt, dass dies doch richtig war. Daraufhin habe ich immerhin eine 4 erhalten. Auf meine Frage, warum ich die Note bekommen hätte, obwohl ich immer in den Tests eine 1 bekommen hatte, war die lapidare Antwort, dass ich zu wenig mitarbeiten würde. Allein dafür hatte ich schon die Motivation, Informatik zu studieren, um es diesem Typen zu zeigen.


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