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Die 2010er Jahre

➤ Mein Informatikunterricht muss so 2017 – 2018 gewesen sein. Ist also noch nicht sooo lange her. Da könnte man davon ausgehen, es war möglicherweise spannend oder gar hilfreich. Am Ende war es – wie erwartet – nichts von beidem. Im ersten Jahr haben wir in unseren überschaubaren Stunden gelernt, wie man den Rechner (noch knackiges Windows 7) hochfährt, was eine Datei ist und wie man sie von einem Ordner unterscheidet ... Sowas eben. Im zweiten Jahr durften wir dann sogar mit Word arbeiten. Wir haben ein paar Grundlagen gelernt, aber mehr auch nicht. Da ich selbst und mein Sitznachbar damals schon einen PC zu Hause hatten, war das für uns nichts Interessantes. Wir waren also gezwungen, uns den Unterricht selbst spannend zu machen.

Die Schule fiel unter die Trägerschaft des Landkreises. Und der Landkreis hatte irgendeine Überwachungssoftware auf den Schulrechnern. Besonders gut kann sie nicht gewesen sein, da der Landkreis nicht wusste, was genau wir darauf machen :). Uns war also langweilig, so dass wir uns kurzerhand dazu entschlossen haben, die Lehrersoftware im Task-Manager zu beenden, und Minecraft zu spielen. Wir brauchten damals natürlich noch unsere lokale IP, um gemeinsam spielen zu können. Zum Öffnen der Kommandozeile benötigten wir allerdings Benutzername und Passwort.

Naja, was soll ich sagen ... Administrator-Account war aktiv, Passwort war der Name der Schule. Sie haben es uns jetzt nicht sonderlich schwer gemacht. Als wir das wussten, waren die Rechner (und insbesondere die ITler des Landkreises) unseren Machenschaften ausgesetzt. Die ITler haben mit einem Anruf im Sekretariat noch einmal einen letzten Versuch gewagt, uns von den beiden Rechnern wegzubekommen. Da kam allerdings jede Hilfe zu spät. Ein paar Tage später waren sie dort und durften Windows neu installieren. Für uns war es damals natürlich extrem witzig. Heute verstehe ich, wie genervt die ITler gewesen sein müssen.


➤ Mein Informatikunterricht ab der 7. Klasse (im Jahr 2015) bestand aus Bildermalen in Paint, Serienbrieferstellung in Word, Berechnungen in Excel und einfacher Programmierung mit Robot Karol. Unserem Ü60-Lehrer war dabei egal, wer mitmachte oder einfach nur anwesend war. Das ging so weit, dass wir im letzten halben Jahr der 10. Klasse nur Moorhühner abgeschossen und keine Noten mehr bekommen haben.


➤ Ich hatte erst ab Klasse 10 Informatikunterricht. Da ich mir bereits einige Jahre vorher schon einiges aus dem Bereich angeeignet hatte, war das erste Schuljahr doch sehr langweilig für mich, wenngleich es für Leute ohne Vorerfahrungen sicherlich nicht verkehrt war: Es wurde mit Snap! programmiert. Anschließend gab es auch noch Möglichkeiten, den Lego-Mindstorm-Robotern etwas beizubringen. In den Folgejahren wurde es spannender, es wurden Grundlagen der objektorientierten Programmierung gelegt, ebenso wie Algorithmik, Datenbanken, Kryptologie,v...

Das Ganze bei einer motivierten Lehrkraft, die offensichtlich Spaß daran hatte, Schülerinnen und Schüler für den Bereich zu begeistern. Die Inhalte des Leistungskurses halfen später auch noch im Studium (welches allerdings nicht im Informatikbereich angesiedelt war) weiter, was sehr erfreulich war, da die entsprechenden Programmiermodule leider mehr schlecht als recht waren.

Insgesamt kam viel dabei rum und es hat doch auch Spaß gemacht :)

➤ An einer Realschule im Süden Bayerns wird das Jahr 2010 geschrieben. Schüler starten in der sechsten Klassen voller Euphorie in ihr neues Fach IT. Was es genau ausgeschrieben bedeutet? Das wissen nicht mal die Lehrer. Ist aber auch nicht weiter relevant, weil die Schüler schnell merken werden, dass es mit Informationstechnologie nicht viel am Hut hat.

Trotz gut ausgestatteter Computerräume mit modernen Windows- und Linux-Systemen und stets bemühter Lehrkräfte wurde hier nämlich vor allem eines praktiziert: ein bis zwei Schulstunden die Woche skurrile Texte abtippen, auch bekannt als 10-Finger-Tastschreiben. Und das Ganze gleich in verschiedenen Formaten und Herausforderungen, ja sogar gekrönt mit bayerischer Ehrenurkunde: "Für Markus Jr. Söder zum Erreichen von 553 Anschlägen pro Minute!"

Das Ergebnis war wunderbar: 28 bestens ausgebildete Schüler im Technikzweig mit teilweise Exzellenznote sehr gut in IT, die nicht einmal wussten, was eine .png-Datei ist, wie man eine Excel-Spalte summiert oder was ein Shell-Script macht, geschweige denn, wie man eins schreibt. Manche von uns hatten immerhin den Ehrgeiz, etwas spielen zu wollen, und lernten so zumindest, wie man über Umwege heimlich einen Teeworlds-Server aufsetzt.

Die bittere Pointe der Geschichte? Na ja, es gab eben auch die rechtschreibtechnisch schwächeren Schüler, welche ausgerechnet eine Ausbildung zum Fachinformatiker machen wollten. In Bewerbungsgesprächen gerieten diese dann merkwürdigerweise in Erklärungsnot (wenn sie überhaupt eingeladen wurden), sobald sie begründen mussten, warum sie mit einem Befriedigend im Fach IT für diesen Beruf geeignet sein sollten.


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