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Schulserver vom Regen außer Gefecht gesetzt

➤ Damals in der Schule, es muss zwischen 1998 und 2007 gewesen sein, war der Unterricht schon damals sehr eintönig. Es wurden Peripheriegeräte sowie das EFA-Prinzip erklärt, was die meisten damals schon überforderte. Früher schon technikbegeistert, konnte mir niemand das Wasser reichen. Ich habe mich extrem gelangweilt. In einer Klasse mit knapp 30 Personen war ich damals einer von zwei, die sich für Computer interessierten.

Heute, als Informatiklehrer (unter anderem), sehe ich gewisse Parallelen. Es gibt Schüler, die interessierten sich vorher schon nicht für Informatik, und es gibt Schüler, die auch technikbegeistert sind und das meiste schon wissen. Problem: Meistens sind es Kombinationsklassen aus den Bereichen Technik, Wirtschaft, Soziales und Gesundheit. Alle müssen gleichermaßen abgeholt werden. Peripheriegeräte sind aus dem Fokus verloren. Durch Smartphones und Tablets ist das schon lange nicht mehr nachvollziehbar. Fokus wird heute auf digitales Suchtverhalten, Lernbeeinträchtigungen in Verbindung mit Smartphones/Tablets, Office-Nutzung und HTML gelegt.

Weiteres Problem: Die Haptiksteuerung von Maus und Tastatur geht zunehmend verloren. Geschätzt sind es 20 bis 40 Prozent der 17- bis 19‑jährigen Mädchen und Jungen, die noch nie in ihrem Leben eine Maus und Tastatur in der Hand gehabt haben (und dementsprechend gar nicht klicken können). Das feedbacklose Wischen auf Smartphone und Tablet reicht ja aus ...


➤ Anfang der Nullerjahre gab es bei uns keinen formalen Informatikunterricht - aber eine Informatik-AG, die von einem engagierten Lehrer geleitet wurde. Wir haben dort z. B. gelernt, wie man mit einer Shell umgeht oder mit Java programmiert.

Wir haben bei der Administration der Windows-Rechnern geholfen, am Elternabend den Computerraum vorgestellt und die Anzeige des Vertretungsplans auf einem Monitor automatisiert. Highlight war außerdem die Administration des Linux-Servers – inklusive Root-Zugriff (heute so nicht mehr vorstellbar). Der Zustand der Schulgebäude war auch damals schon ein Problem: Unser Schulserver wurde eines Tages vom Regen durch das undichte Dach außer Gefecht gesetzt.

Insgesamt eine tolle Zeit, die auch bei der Wahl des Studiengangs eine wichtige Rolle gespielt hat.


➤ Ich bin seit 2013 als Systemadministrator in der Physikforschung und jetzt bei einem großen Hosting-Anbieter tätig. Ich habe 2012 Abitur an einer Südwestberliner Schule gemacht. Erster 12-Jahre-Jahrgang, wir haben also mit den ein Jahr älteren Schülern aus dem vorherigen Jahrgang Abi gemacht und neue Rahmenlehrpläne gehabt. Privat habe ich schon früh viel mit PCs gespielt und gebastelt.

Aber von vorne: In meiner Grundschule gab es eine Computer-AG, die ich kurze Zeit besucht habe. Dort haben wir HTML‑Webseiten gebastelt. Fand ich in meiner Erinnerung irre spannend. Danach lange – nichts: Am Gymnasium gab es in den Jahrgängen vor mir regulären Informatikunterricht ab der 9. Klasse.

Bei uns wurde das dann geändert, vermutlich wegen Lehrermangels: Statt Informatik gab es Nawi, Naturwissenschaften und Informatik. Dort sollten die klassischen naturwissenschaftlichen Fächer, Bio, Chemie, Physik mit Informatik zusammengebracht werden.

Tolle Idee, schlechte Umsetzung: Die Lehrerin, die das bei uns in Klasse 9 und 10 unterrichtete, war Bio-LK-Lehrerin, konnte aber mit Informatik nichts anfangen. Sie sagte auch selbst, dass die Weiterbildung dazu eher spärlich gewesen sei. Der Unterricht wurde also zur Spielwiese für interessierte Schüler, die selbst Themen mitbringen konnten.

Sowas klappt natürlich nur bedingt gut. Beschäftigt haben wir uns dann viel mit Technik in der Biologie (so eine Art Forschungsrundschau), den klassischen Office-Themen, aber auch mit z. B. Bildbearbeitung oder Robotik und Messtechnik. Leider fehlte hier eben adäquate Begleitung durch die Lehrkraft, so dass wir im Prinzip nie etwas zustande brachten. Es war eben mehr eine Bio- und Chemie-Extension. Erst in der Oberstufe wurde dann Informatik als solche angeboten. Und das war richtig schlecht: Man war der Meinung, es wäre eine gute Idee, 1. und 3. Semester zusammen zu unterrichten.

Thema: Taschenrechner in Pascal programmieren. Resultat: Der Chinese (alle Klischees erfüllt) aus dem dritten Semester, aufgrund der 12-plus-13-Jahre-Jahrgängen zusätzlicher Altersunterschied, sitzt 90 Prozent der Zeit vorne und zeigt seinen Quellcode, der natürlich schon weit fortgeschritten war, während wir Anfänger das erste Mal Delphi öffneten.

Dann wurden wir ca. 2 Stunden mit Begriffen aus der OOP bombardiert, verstanden nichts und sollten dann ebenfalls mit dem Taschenrechner beginnen. Man hätte ja in Klasse 9 und 10 schon ein bisschen Informatikvorerfahrung gesammelt ... Ich habe dort nie, nie auch nur in einer Stunde irgendwas verstanden. Es gab keinen roten Faden, keinen Einstieg, keine Begleitung. Nur sich selbst überlassenes Basteln.

Ich habe während dieser ganzen Schulzeit zu Hause aus Eigeninteresse Systemadministration gelernt, fleißig im computerforum.de (RIP) mitgeschrieben. Nichts davon ließ sich je in den Unterricht einbringen. Letztlich habe ich dann Informatik als schlechteste Note von meinem Abizeugnis gestrichen und im 3. und 4. Semester einen anderen Kurs belegt.

Rückblickend war meine Schulbildung mehr schlecht als recht, das oben beschriebene Chaos und v. a. unmotivierte Lehrer waren an der Tagesordnung. Ich ärgere mich mit zunehmendem Alter immer mehr darüber und hoffe, dass meine Kinder mal besser ausgebildet werden.


➤ Von Excel-Funktionen, über einfache Programme in Scratch zu Java-Programmierung und Verschlüsselungstechniken, inkl. Erarbeitung einer asymmetrischen Verschlüsselung, war alles dabei und auch für Nicht-Nerds weitestgehend nachvollziehbar. Auch wenn es (insbesondere im Programmieren) öfter mal dazu kam, dass einige Schüler dem Lehrer bei Fehlern/Problemen aushelfen mussten. ;-)


➤ Es gab keinen Informatikunterricht: Erst hieß es, dass es Informatik nur für höhere Klassenstufen als Wahlfach gibt, dann kam G8 und es hieß, dass es Informatik nur für niedrigere Klassenstufen gibt. In der Oberstufe kamen dann nicht genügend Stimmen für einen Grundkurs zusammen. Insgesamt war die meiste Schulzeit ziemlich vergeudet, da mir zum Beispiel Geschichte, Sport, Kunst, Musik, Französisch eher egal waren und man in Mathematik schnell nichts Neues mehr gelernt hat und wir uns monatelang auf Kurvendiskussion etc. vorbereitet haben, statt spannende neue Theoreme durchzunehmen.


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