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Tolle Idee, schlechte Umsetzung

➤ Mein Informatikunterricht an einer bayerischen Realschule Mitte/Ende der 2000er war im Nachhinein betrachtet fundamental: Die Lehrerin hat uns keine Klickfolgen beigebracht, sondern Konzepte: wie der (Windows-)Desktop aufgebaut ist, was man in einem Fenster vorfindet (Menü- und Symbolleiste usw.), was uns die Form des Mauszeigers sagt, dass die drei Punkte hinter einem Menüeintrag andeuten, dass nach dem Anklicken ein weiteres Fenster aufgeht.

Ich glaube, davon zehre ich immer noch, wenn ich bei einer unbekannten Software erst mal das Bekannte suche und mich von da aus weitertaste. Das klare Bedienkonzept von Windows NT4 hat dem Verständnis sicher auch nicht geschadet.


➤ Bei uns war der Informatikunterricht zweigeteilt. Die eine Gruppe hatte vorwiegend MS Office und ähnliche Spielereien während die andere Gruppe mit Turbo Pascal und Delphi programmieren durfte. Man konnte sich (Verfügbarkeit vorausgesetzt) freiwillig für die passende Gruppe entscheiden. Ich war – wie vermutlich wenig überraschend – in der Entwicklergruppe.

Der Lehrer hat uns relativ viele Freiheiten gelassen. Die, die nur im Unterricht lernten, haben halt einfach mitgemacht, was der Lehrer vormachte, andere hatten Zusatzaufgaben und konnten sich entsprechend etwas mehr austoben. Hat mich jedenfalls meiner späteren Laufbahn näher gebracht, auch wenn ich schon ziemlich genau wusste, wohin ich wollte.


➤ Die PCs in meiner Schule um die 2000er waren hauptsächlich fürs Zocken da. Ich erinnere mich gut an Prince of Persia und Moorhuhn in zig Pausen. Es gab eine Homepage-AG, aber der Lehrer hatte weniger Ahnung von HTML als wir. Sehr beliebt waren auch jegliche Flashgames und das Trollen mit net send ᐸPCᐳ-Nachrichten im Unterricht :D.


➤ Ich bin in Bayern zur Schule gegangen und habe im naturwissenschaftlich-technischen Zweig meines Gymnasiums ab der 8. Klasse Informatikunterricht besucht.

Anfangs war das eher eine Anwenderschulung für gängige Office-Anwendungen aus dem Staroffice-Paket. Es wurden bunte, schwer lesbare Präsentationen erstellt und der Webfilter der Schule ließ sich mit einer Google-Suche nach Webproxy ab dem dritten Eintrag einfach umgehen.

Auf die Office-Schulung folgten ziemlich abrupt Klassen und Objekte (ohne weitere Verwendung) und dann die erste prozedurale Programmiererfahrung mit Robot Karol. Dann folgt in meinem Hirn eine große Lücke. Keine Ahnung, was wir in der neunten Klasse da getrieben haben.

"Mitschüler wurde rausgekantet, weil er den Lehrer ständig korrigiert hat"

In der zehnten Klasse ging es viel um Datenbanken und ich hatte meine ersten Berührungspunkte mit SQL. Außerdem hatten wir zum ersten Mal einen Lehrer, der das Fach Informatik studiert und nicht im Rahmen eines Fortbildungsprogramms abgestaubt hat. Die Unterlagen von damals habe ich noch heute. Dieser Referendar hat mich schwer beeindruckt und mich dazu bewegt, meine weitere schulische Laufbahn auf die Informatik auszurichten.

In der Oberstufe habe ich dann Informatik anstatt einer zweiten Naturwissenschaft oder Fremdsprache gewählt und letztlich in den Fach auch meine beste Abi-Note eingefahren.

Allerdings hatten wir hier wieder einen nichtstudierten Lehrer (eigentlich Mathe/Physik), aber Referendare dürfen wohl leider keine Oberstufe unterrichten. Wir hatten hier häufig das Gefühl, unser Lehrer sei uns im Lehrbuch höchstens 3 Seiten voraus.

Zusammenfassung: Ich habe wahnsinnig viel gelernt, am besten ging das aber bei einem Lehrer, der tatsächlich Informatik auf Lehramt studiert hatte. Bei den eigentlich fachfremden Lehrern war das Wissen neben dem direkten aktuellen Thema eher mau und bei der Ersatzlehrkraft, die eigentlich als Softwareentwicklerin in einem mittelständischen Unternehmen gearbeitet hat, war der Unterricht einfach furchtbar langweilig.


➤ Bei uns gab es auf dem Gymnasium in Hannover Ende der 00er Jahre lediglich eine Informatik-AG. Der Lehrer war in etwa so ahnungslos, wie man es sich ausmalen könnte. Ein Stufenkamerad hat sich angemeldet und wurde nach einer halben Stunde rausgekantet, weil er den Lehrer ständig korrigiert hat (richtigerweise). Nun ja, ist heutzutage vermutlich nur marginal besser, immerhin gibt es seit knapp drei Jahren in der Oberstufe Informatik als Fach, Wahnsinn!


➤ Nachdem der Wissenstransfer im für alle verpflichtenden informationstechnische Grundkurs eher in Richtung der Lehrerin ging, übernahm im Informatikunterricht tatsächlich ein Lehrer mit Wissen und Erfahrung. Diese stammte unter anderem auch daraus, dass dieser Lehrer die Administration der Schul-IT übernommen hatte. So war der Unterricht tatsächlich sehr lehrreich. Natürlich gehörte das Programmieren auf Papier auch zum Inhalt, es wurde aber zum Beispiel auch ein Taschenrechner in Delphi programmiert, der danach per USB-Stick mit nach Hause genommen werden konnte.


➤ Meine Erinnerung an den Computerunterricht in einer bayrischen Hauptschule gegen 2008 besteht aus: wsd, wsda, wsdf, ... Anders gesagt, uns wurde versucht, das 10-Finger-System beizubringen, und wenn es nicht das war, dann war es ein digitaler Deutschunterricht. Gelernt haben wir am Ende des Jahres, wie wir im Computerraum die Websperren umgehen und im Unterricht zocken.


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