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Beängstigend, wie man so etwas in der Schule anbieten konnte

➤ Wir durften unseren Java- oder C-Code jeweils auf Papier schreiben. Kompilieren direkt auf einem System war dann Sache für unsere Freizeit. Abtippen und Debuggen von Code waren hierbei auch häufig Teil des Schulalltags. Wir sollten damit alles verinnerlichen, während wir abtippten.

Bei anderen Lehrern, die bereits geistig in ihrer Rente waren, bekamen wir jeweils 20 bis 30 Seiten mit Aufgaben ausgedruckt auf unseren Tisch gelegt, welche wir bis Ende des Unterrichts durchlesen und durcharbeiten durften. Soweit alles kein Problem. Falls wir jedoch etwas nicht verstanden hatten oder es unerwartete Fehler gab, durften wir keine Hilfe dieses Lehrers erwarten. Es hieß dann jeweils: "Ihr habt Internet & Google."

Auf der einen Seite haben wir somit zwar gelernt, was es heißt, später selbst klarzukommen im Berufsalltag, jedoch hätten viele bei uns sicherlich eine etwas bessere Erklärung für einige Details sehr begrüßt.

Wenn mal etwas nicht so funktioniert hat wie geplant, wurde natürlich die schulinterne IT gerufen, welche auch regelmäßig mit Ausfällen und Problemen zu tun hatte.

Im Nachhinein fand ich das Ganze doch recht beängstigend, wie man so etwas als Ausbildung anbieten konnte. Dadurch, dass ich mich weniger auf die schulischen Themen konzentriert hatte und mehr Wissen durch eigenes Interesse in meiner Freizeit aneignen konnte, bin ich heute wesentlich fitter und besser in meinem Beruf unterwegs.


➤ Ich war von 2004 bis 2010 an einem niedersächsischen Gymnasium. Dort war der Informatikunterricht einfach gar nicht vorhanden. In der 10. Klasse wurde angeboten, Physik für Informatik abzuwählen. Dies kam aber nicht zustande. Die Gründe wurden mir damals nicht genannt. Danach war ich an einer Berufsschule für 3 Jahre und habe nach einer 2-jährigen schulischen Berufsausbildung noch die Fachoberschule im Schwerpunkt Informatik hinter mich gebracht.

"Wir hatten einen mittelkompetenten Lehrer"

Java wurde uns damals ohne Hamster beigebracht, dafür durften wir mit Stift und Papier programmieren. In einer Projektgruppe haben wir in etwa 4 Wochen einen Terminalserver und zwei Clients eingerichtet, welche wir dann gekennzeichnet in eine Ecke des Labors gestellt haben. Am Tag der Projektpräsentation standen die Rechner nicht mehr in der Ecke, der Lehrer hat sie platt gemacht. "Ihr habt doch ein Backup gemacht?" – Kein Backup, kein Mitleid."


➤ War von 1990 bis 2004 in der Schule, Grundschule, Hauptschule, Realschule und noch das technische Gymnasium. Und der Informatikunterricht entwickelte sich gleich weiter von "nicht vorhanden" über "Wir starten MS Works und spielen darin rum" hin zu "Wir starten MS Excel und spielen damit rum" und zu guter letzt "Wir programmieren was in Delphi und Java". Wirklich gut war der Unterricht gar nie, auch später in der Berufsschule als Fachinformatiker nicht.

Allerdings hatten wir einen Lehrer für Theorie im letzten Lehrjahr, der für das Thema brannte. Bei dem man auch nach Schulschluss freiwillig länger für eine Diskussionsrunde geblieben ist. Dem hat man angemerkt, dass er Bock drauf hat und das war für ein paar Leute auch ansteckend. Schade, dass ich diesen Schlag Lehrer nur sehr selten hatte. Ansonsten keine Überraschung, die Schüler waren den Lehrern eigentlich immer haushoch überlegen bei so ziemlich jedem Thema im Bereich Informatik.


➤ Wir hatten einen Diplominformatiker als Lehrer, reines Wahlfach in der Oberstufe. Es gab einfache Programmieraufgaben mit dem Marienkäfer Kara und später Pascal und Aussagenlogik. War eine sehr gute Vorbereitung für das Informatikstudium.


➤ Ich hatte eigentlich immer sehr guten IT-Unterricht in der Realschule, ab der 7. Klasse (ca. 2009) war ich dann auch stolzes Mitglied im IT-Powerkurs, einem freiwilligen Wahlfach am Nachmittag. Wir hatten dort einen tollen und kompetenten Lehrer, mit dem wir zusammen die Schul-IT verwaltet haben und uns um die Technik bei Veranstaltungen gekümmert haben. Ich hab hier wirklich viel lernen können und habe mich dann nach meinem Abschluss auch deshalb für eine Ausbildung als Fachinformatiker für Systemintegration entschieden. :)


➤ In meiner Grundschule (muss ca. 1998 gewesen sein) gab es in der dritten Klasse einen Computer mit einem Übungsprogramm, um zu lernen, wann man "dass" schreibt und wann man "das" schreibt. Es war ein Fließtext, in den man entsprechend ein oder zwei s eintragen musste. Der Witz war, dass der Cursor automatisch ins nächste Feld sprang, wenn man die korrekte Lösung eingegeben hat. "s" gedrückt halten hat die Übung in weniger als 10 s erfolgreich gelöst. Nachdem das bekannt wurde, war der PC dauerhaft aus.

Ansonsten gab es bis zur 10. Klasse an den weiterführenden Schulen keine Informatik (Gymnasium). Ab der 11. gab es Informatik mit eingebauten Wächterkarten, die den PC nach einem Neustart resetteten. Leider bzw. zum Glück wurde das Default-Passwort nicht vom Lehrer geändert und jeder PC hatte Counterstrike und Quake drauf. Das Passwort wurde erfolgreich durch einen Schüler geändert, so dass immer gezockt werden konnte. Das war auf meiner alten Schule, auf der viele Freunde das ausgenutzt haben. Gelernt haben sie dort etwas PowerPoint, Word, HTML und Java. Verstanden haben es die wenigsten, eher Quellcode auswendig gelernt.

Ich selbst war ab der 11. von 2005 bis 2008 auf einem technischen Gymnasium. Unser Informatiklehrer hatte einen ziemlichen Plan und vieles konnte ich auch im Studium gebrauchen (Netzwerktechnik, PHP, C++). Allerdings war ich im Linux-Kurs. Im Windows-Kurs war es anders, da haben die Mitschüler die PCs der anderen mit einer damals beliebten Windows-Lücke per RDP heruntergefahren, wenn man nicht schnell genug shutdown -a eingegeben hat.

In Informationsverarbeitung haben wir einen mittelkompetenten Lehrer gehabt, der oft Schüler/Nerds Themen erklären ließ, meistens, weil er selbst nicht so richtig viel Plan hatte, aber uns auch interessante Dinge machen lassen wollte. So habe ich in ein paar Stunden mit Adobe Flash die Erstellung eines Moorhuhnspiels gezeigt.

Mit dem Informatikunterricht am technischen Gymnasium war ich zufrieden. Am allgemeinbildenden Gymnasium war es katastrophal.


➤ Ich habe Abi 2003 gemacht und hatte einen Physiklehrer, der das nebenbei mitgemacht hat. Er hat uns regelmäßig eine Programmieraufgabe gegeben und dann den Raum verlassen. Man war mit dem tollen Delphi vollkommen auf sich selbst gestellt. Wer am Ende der Stunde die meisten Zeilen funktionierenden Codes geschrieben hat, hat gute Noten bekommen. Die Klausuren bestanden darin, ganze DIN-A4-Seiten mit Code vollzuschreiben.

Ich hab's in der 13.1 dann abgewählt. Bin dann aber trotzdem an die Uni, hab Informatik studiert und bin jetzt selbst Informatiklehrer. also – so richtig. Ich wusste damals schon, dass das einfach nicht richtig sein kann, was der Lehrer gemacht hat. Hoffentlich mache ich es jetzt viel besser. Allerdings bin ich unter 150 Kollegen an meiner Schule der EINZIGE Informatiklehrer. Das gibt mir schon zu denken. Bisschen abgeschweift ... sorry.


➤ Anfangs noch alte Rechner mit Windows 95 und BNC-Netzwerk, später dann (nachdem das Schulgebäude renoviert wurde) moderne Rechner mit Windows 2000 und normalen CAT-5-Kabeln mit RJ-45-Steckern. Ich habe den Informatikunterricht geliebt, damals dann auch kleinere Programme mit Delphi geschrieben und bin jetzt seit fast 20 Jahren Softwareentwickler.


➤ Als wir mal einen HTML-Exkurs gemacht haben: "*Mein Name* kannst du mir nochmal zeigen, wie das mit dem Link geht? Das ist ja so kompliziert." Damit ist, glaube ich, alles zu dem Informatikunterricht, der eigentlich mal ein Schreibmaschinen-Schreibkurs gewesen war (und leider dort stecken geblieben ist), gesagt.


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