Die Gedanken bleiben frei
Bisher hat sich die Warnung des The Economist(öffnet im neuen Fenster) also nicht bewahrheitet, dass Menschen Angst davor haben sollten, dass Forscher bald ihre Gedanken auslesen könnten. Auch Horikawa beteuert mehrfach, dass das nicht der Fall sei. Sein Ansatz interpretiere Gedanken unter Laborbedingungen auf eine "stark eingeschränkte" Art.
Sollten sich eines Tages die Kosten und der Aufwand reduzieren, um die nötigen Daten zu erheben und zu verarbeiten, könnten die Anwendungen "durchführbar" werden, sagt Horikawa. Das bleibe jedoch eine "sehr langfristige" Aussicht.
Er begrüße deswegen "vorsichtige Formulierungen, um Übertreibungen zu vermeiden" und betonte, dass sein Ansatz nur mit der vollen Zustimmung und Kooperation seiner Probanden gelingen könne. Die Gedanken seien frei, resümiert auch Bendel, "und bleiben es noch eine Weile".
Tim Reinboth(öffnet im neuen Fenster) ist freiberuflicher Wissenschaftsjournalist und Kognitionswissenschaftler. Er schreibt über Herausforderungen, Möglichkeiten und kuriose Momente an den Schnittstellen von Technologie und Gesellschaft.
Dieser Artikel erscheint bei Golem Plus, weil ...
... er eine aktuelle, wissenschaftlich anspruchsvolle Studie zum vermeintlichen Gedankenlesen einordnet und detailliert erklärt, wie der neue Ansatz tatsächlich funktioniert – einschließlich der technischen Methode, ihrer Grenzen und ihrer Bedeutung für die Neurowissenschaft. Zudem liefert er eine Einordnung eines an der Studie nicht beteiligten Forschers und verbindet die Forschung mit größeren Fragen zu Neurorechten, Privatsphäre und künftigen Anwendungen.