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Vom Messenger zur Plattform: Wie sich Wechat in den Alltag fast aller Chinesen schleicht

Facebook, Twitter und Whatsapp sind in China blockiert. Dafür haben die Chinesen eine viel bequemere Plattform. Wechat soll fast alle Internetangebote ersetzen, die der chinesische Bürger im Alltag benötigt. Wer nicht gläsern sein will, hat jedoch keine Chance, am öffentlichen Leben teilzuhaben.

Artikel von Felix Lee veröffentlicht am
Einscannbare Codes spielen für die chinesische App Wechat eine zentrale Rolle. Sie ersetzen unter anderem Visitenkarten und Bargeld.
Einscannbare Codes spielen für die chinesische App Wechat eine zentrale Rolle. Sie ersetzen unter anderem Visitenkarten und Bargeld. (Bild: VCG/Freier Fotograf/Getty Images)

Monmon heißt er und ist ein rosafarbener Plüschdrache. Er hat einen Stern auf seinem pummeligen Bauch. Wenn die fünfjährige Yu auf den Stern drückt, leuchtet er grün auf. "Wem willst du eine Sprachnachricht schicken?", fragt er in einer quäkigen Stimme. "An Mama", antwortet Yu und plappert los. Sie drückt ein weiteres Mal auf den Stern. Die Nachricht ist abgeschickt. Kurze Zeit später meldet sich Monmon wieder mit seiner plärrenden Stimme: "Du hast eine neue Sprachnachricht." Die Mutter hat geantwortet. Monmon spielt die Nachricht ab.

Inhalt:
  1. Vom Messenger zur Plattform: Wie sich Wechat in den Alltag fast aller Chinesen schleicht
  2. Hinter der Great Firewall
  3. Tencent weiß alles über seine Nutzer
  4. Wenig Bewusstsein für Datenschutz

Abgesehen von Lautsprecher, Mikrofon und einem Minichip ist in dem Plüschdrachen nicht viel Technik eingebaut. Wichtig ist vor allem der Barcode am Etikett des Stofftiers. Wer diesen Code auf seinem mobilen Endgerät gescannt hat, kann über Monmon mit Yu kommunizieren. Wechat Toy heißt die Serie, unter der Monmon beim chinesischen Mutterkonzern Tencent angeboten wird. Das Ziel des Tech-Giganten: Mit Plüschtieren wie Monmon will Tencent die Wechat-Plattform auch Kleinkindern nahebringen.

Der Nutzer kann kommunizieren, Tickets buchen und bezahlen

Es ist noch nicht lange her, da wurde Wechat noch als "Abklatsch von Whatsapp" belächelt. Optisch ist die Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Auf beiden Logos sind weiße Sprechblasen zu sehen. Und so wie Whatsapp hat auch Wechat als Kurznachrichtendienst begonnen. Doch tatsächlich ist Wechat, das auf Chinesisch Weixin heißt, längst mehr.

Außer Nachrichten verschicken und Online-Telefonie lassen sich über Wechat auch Tickets im chinesischen Hochgeschwindigkeitszug buchen, ebenso Flüge, Fahrdienste und Kinokarten. Der besondere Vorteil von Wechat: Der Nutzer erhält in dem Miniprogramm einen eigenen Barcode. Mit der Scannerfunktion kann jeder andere Wechat-Nutzer diesen Barcode innerhalb weniger Sekunden lesen.

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Daraus ergeben sich jede Menge weitere Funktionen: Der Barcode ersetzt die Visitenkarte, findet sich auf jeder Firmenwebseite. Vor allem aber lässt sich in ganz China an jeder Ecke damit bezahlen. Denn die App ist mit dem Bankkonto verbunden. Es genügt, den Barcode des Gegenübers zu scannen und die Summe wird abgebucht.

Auch die kleine Obsthändlerin an der Ecke muss dem Kunden bloß ihren Barcode zeigen, und schon hat der Kunde seine Äpfel bezahlt. Extra-Lesegeräte wie bei Kreditkarten sind nicht nötig. Ein Smartphone reicht. Und davon hat in China so gut wie jeder eines. Sogar Bettler stellen Zettel mit ihrem Barcode vor sich auf. Sie müssen das, denn die meisten Chinesen bewegen sich bargeldlos durchs Leben. Wegen der vielen Funktionen nutzt inzwischen mehr als eine Milliarde Chinesen Wechat.

Hinter der Great Firewall 
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