Hinter der Great Firewall

Facebook? Ist vielen Chinesen zwar ein Begriff, ist in China aber gesperrt. Twitter? Ebenso. Auch Youtube, Snapchat, Instagram sowie die meisten bekannten Google-Dienste sind in China mit seiner strengen Internetregulierung nur schwer oder gar nicht abrufbar. Die Mehrheit der Chinesen stört das wenig. Schließlich haben sie ihre eigenen Dienste. Wechat etwa ist spielerischer, bedienerfreundlicher und oft auch schlicht einfacher in der Anwendung. China war eben noch ein Entwicklungsland, jetzt ist es an Deutschland vorbei ins digitale Zeitalter gesprungen. Was ist hier passiert?

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Rückblick auf das Jahr 2009. Uigurische Aktivisten im Nordwesten des Landes begehren gegen die Autoritäten auf, die aus ihrer Sicht chinesische Besatzer sind. Ihren Protest haben sie über Facebook organisiert. Weil Facebook und Twitter sich auf mehrfache Aufforderung der chinesischen Behörden weigerten, die Einträge zu löschen, ließ das chinesische Sicherheitsministerium kurzerhand die US-Dienste sperren. Die Great Firewall war geboren - Chinas staatliche Internetzensur.

Die chinesische Führung hatte sie in erster Linie aus politischen Gründen errichtet. Daraus ergab sich jedoch ein ökonomischer Nebeneffekt: Die chinesischen Gegenstücke zu den US-Größen - bis dahin auch in China nur von wenigen genutzt - konnten sich im Land rasch ausbreiten. Sie heißen Baidu, Alibaba, Tencent und gehören heute zu den mächtigsten IT-Playern der Welt. Doch ist Zensur wirklich der alleinige Grund für den Erfolg der chinesischen Pendants zu den international bekannten Diensten? Was macht etwa Tencent anders mit Wechat als Facebook mit Whatsapp?

Eine App mit mehr als 600.000 Miniprogrammen

Er ist 50 Jahre alt, trägt gerne Jeans und Kapuzenpullis und ist der Erfinder von Wechat. In China ist Zhang Xiaolong eine Legende: Zhang, der sich im internationalen Kontext mit Vornamen auch Allen nennt, macht sich in der Öffentlichkeit eher rar. Der gelernte Programmierer gilt als schüchtern, introvertiert und meidet große Veranstaltungen - ähnlich wie sein Vorgesetzter, Tencent-Chef Pony Ma. Wenn Zhang sich einmal blicken lässt, hat er meist Wegweisendes zu verkünden.

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So auch vor einem Jahr in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Guangzhou. Dort hat Wechat seine Zentrale, obwohl der Mutterkonzern Tencent seinen Hauptsitz im benachbarten Shenzhen hat, Chinas eigentlicher Tech-Hochburg. 4.000 Softwareentwickler aus dem ganzen Land hatte Zhang zu einer Entwicklerkonferenz in ein Kongresszentrum eingeladen.

Es handelte sich um Mitarbeiter unabhängiger Firmen, die sogenannte Miniprogramme für Wechat entwickeln. Wie Apple beim iPhone bietet auch Tencent bei Wechat eine Plattform, auf der externe Programmierer und Softwareentwickler neue Apps bauen können. Im Unterschied zu anderen Apps müssen diese Miniprogramme nicht extra heruntergeladen werden, sie sind innerhalb des Wechat-Ökosystems sofort einsatzbereit. Wechat hat sich auf diese Weise binnen weniger Jahre zu einer ganzen Plattform für Mobilgeräte entwickelt.

Eine Plattform - das wollen heute alle sein. Denn hier winkt das Geld. Ein Unternehmen bietet den Rahmen an, in dem andere Geschäfte machen. Die machen die eigentliche Arbeit und sind kreativ. Aber die Plattform verdient an all dem mit. Die Leistung von Tencent: eine App zur Verfügung zu stellen, die ohnehin jeder hat, und darauf Tausende weitere Anwendungen zuzulassen, so dass sie zu einer Alles-App wird.

Über 600.000 Miniprogramme lassen sich in das Ökosystem integrieren. Es ist nicht notwendig, immer wieder eine App herunterzuladen oder sich den exakten Namen der Marke zu merken. Es reicht völlig aus, dem Barcode zu folgen, der auf Firmenwebsites, Broschüren, Visitenkarten oder in Chatgruppen zu finden ist.

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 Vom Messenger zur Plattform: Wie sich Wechat in den Alltag fast aller Chinesen schleichtTencent weiß alles über seine Nutzer 
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mfeldt 03. Mai 2019

zu den liberalen Demokratien. Die als sogenannten antiliberalen Demokratien getarnten...

486dx4-160 01. Mai 2019

Dafür sind überall Google und Facebook. Und deren Kontrolle ist noch schlimmer als...

Mechwarrior 28. Apr 2019

Felix Lee ... ja, da war doch grad wer auf China-Reise ... :-D

Urbautz 26. Apr 2019

... oder vielleicht Bitcoins.

Urbautz 26. Apr 2019

Die haben doch damals schon von heutigen möglichkeiten geträumt. Der E-Blockwart.



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