Volkswagen: EU-Kommission sorgt sich wegen Automobilkrise

Die wirtschaftliche Lage der europäischen Automobilindustrie bereitet der EU-Kommission Sorgen. Der scheidende EU-Industriekommissar Thierry Breton bezeichnet die Situation in einem Bericht im Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) als "nicht rosig" und warnt vor einer Beschönigung der Fakten.
Die jüngsten Entwicklungen, insbesondere bei deutschen Herstellern und Audi in Brüssel, hätten die Nervosität in der Branche verstärkt, heißt es in dem Bericht.
Breton bezieht sich auf die umfangreichen Sparpläne des Volkswagen-Konzerns, mit möglichen Schließungen von Standorten in Deutschland. Dies wäre ein Novum in der Unternehmensgeschichte. Zudem plant VW bereits seit Monaten die Schließung einer belgischen Fabrik, in der bisher der Elektro-SUV Audi Q8 E-Tron produziert wird. Dort regt sich Widerstand in der Belegschaft.
Die Ankündigungen von Werksschließungen bereiten dem Kommissar große Sorgen. Er betont die Notwendigkeit, das vorhandene Know-how, die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu bewahren und zu stärken.
Als Hauptgrund für die Krise sieht Breton die Schwierigkeiten der europäischen Hersteller, ihre Kunden von der Elektromobilität zu überzeugen. Der Markt für Elektroautos stagniere, und obwohl die Verkäufe in diesem Jahr leicht gestiegen seien, falle der Anteil von E-Autos am Gesamtmarkt von 14,6 Prozent im Jahr 2023 auf 12,5 Prozent in diesem Jahr.
Herausforderungen für die europäische Automobilindustrie
Die Kommission äußert laut dem Bericht besondere Besorgnis über den Rückgang der Elektroautoproduktion in Europa. Diese Entwicklung verschärft das Handelsdefizit mit China im Bereich der Elektrofahrzeuge, das bereits 8,8 Milliarden Euro erreicht hat.
Breton wird am Montag zum letzten Mal einen runden Tisch mit Vertretern aus Industrie, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen leiten. Dieser wurde Ende 2022 ins Leben gerufen, um die Transformation der europäischen Autoindustrie zu begleiten. Ab 2035 plant die EU, nur noch emissionsfreie Neuwagen zuzulassen.
Ein zentrales Problem sieht Breton im mangelnden Angebot an erschwinglichen E-Autos in Europa. Zu Jahresbeginn seien nur sechs Modelle unter 30.000 Euro verfügbar gewesen, keines davon unter 20.000 Euro. Inzwischen gebe es zwar zwei Modelle unter 20.000 Euro, diese stammten jedoch aus chinesischen Werken.
Der Kommissar betont die Wichtigkeit, Klimaziele mit Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen. Der Erfolg der Elektromobilität in Europa hänge stark vom Ausbau der Ladeinfrastruktur ab. Hier sieht Breton noch erhebliche Defizite.
Die Politik müsse sich weiterhin um die Modernisierung der Stromnetze und die Sicherung stabiler Bezugsquellen für kritische Rohstoffe bemühen. Bislang sei Europa in diesem Bereich stark von China abhängig, was zu "ernsthaften Lieferkettenrisiken" führen könne, insbesondere bei Akkukomponenten, so der Kommissar.
Für E-Autoherstellung werden weniger Mitarbeiter benötigt
In der Autoindustrie vollzieht sich derzeit das, was Experten seit Jahren prognostizieren : Der Übergang von Verbrennungsmotoren zur E-Mobilität führt zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen . Zulieferer sind davon besonders stark betroffen. Bosch und ZF Friedrichshafen bauen Tausende von Arbeitsplätzen ab und schließen auch Werke.



