Volksverschlüsselung: Das seltsame Open-Source-Verständnis des Fraunhofer SIT

Die vom Fraunhofer SIT initiierte sogenannte Volksverschlüsselung soll Open Source werden, sagt das Institut. Wir haben nach Details zur Offenlegung des Codes gefragt und verblüffende Antworten erhalten.

Artikel von veröffentlicht am
Das Open-Source-Verständnis zur Volksverschlüsselung entspricht nicht den Erwartungen.
Das Open-Source-Verständnis zur Volksverschlüsselung entspricht nicht den Erwartungen. (Bild: Fraunhofer SIT)

Mit dem Projekt Volksverschlüsselung plant das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) gemeinsam mit der Deutschen Telekom einen Dienst, der die Verschlüsselung von E-Mails sowie den Schlüsselaustausch möglichst einfach nutzbar machen soll. Laut den FAQ soll der Code des Dienstes explizit "Open Source" werden, doch die wenig aussagekräftige Erklärung lässt viel Raum für Bedenken. Deshalb haben wir beim SIT nachgefragt - und sind über die Antworten sehr überrascht.

Lizenz noch vollständig unbekannt

Inhalt:
  1. Volksverschlüsselung: Das seltsame Open-Source-Verständnis des Fraunhofer SIT
  2. Ein Repo ohne Beiträge von außen

Auf der Seite zur Volksverschlüsselung heißt es: "Wir wollen allen Interessierten freie Einsicht in den Source Code ermöglichen. So können sich auch Experten selbst davon überzeugen, dass keine Hintertüren (Backdoors) in der Software existieren." Diese Beschreibung erinnert mehr an den von Microsoft geprägten Begriff Shared Source als an die tatsächliche Open-Source-Definition durch die Open Source Initiative (OSI), die auf eine weitreichende Verfügbarkeit des Quellcodes abzielt.

In einer E-Mail erklärt das SIT darüber hinaus: "Es gibt noch keine Entscheidung zur genauen Lizenzart." Da die Volksverschlüsselung bereits seit mehr als einem Jahr in Entwicklung ist und damit beworben wird, künftig als Open Source zur Verfügung zu stehen, wirkt dies eher irritierend.

Zwar sind derartige, langfristige Ankündigungen vor allem von Unternehmen durchaus üblich. Doch wird recht schnell klar, warum sich das SIT noch nicht für eine konkrete Lizenz entschieden hat. Offenbar will das Institut eine sehr weitgehende Kontrolle über den Code behalten, was dem Open-Source-Verständnis des OSI, wenn überhaupt, nur sehr bedingt entsprechen dürfte.

Stellenmarkt
  1. IT Architect (m/w/d) Managed Services
    Controlware GmbH, Frankfurt am Main
  2. SAP WM Junior Berater (m/w/x)
    über duerenhoff GmbH, Albstadt
Detailsuche

Denn das SIT schreibt: "Als Institut, das den Mechanismen des Marktes unterliegt, können wir nicht Ergebnisse, deren Finanzierung eine beträchtliche Zahl von Personenmonaten erforderte, in Form einer sehr freizügigen Lizenz zur Verfügung stellen. Es ist uns wichtig, dass die Rechte an der Volksverschlüsselungs-Software allein bei uns liegen." Ob damit überhaupt eine Weiterverbreitung des Codes - eines der Grundprinzipien von Open Source - erlaubt sein wird, bleibt also noch völlig offen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Ein Repo ohne Beiträge von außen 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Tuxianer 05. Apr 2016

Nein, braucht er nicht. Er braucht nur eine Antenne (ist eingebaut) und wird induktiv...

hrothgaar 03. Apr 2016

Immer wenn ich was mit "Volks..." höre muss ich zwingend an Bild (Volkszeitung) und...

crazypsycho 31. Mär 2016

Nachweis ist die Übersetzung und dadurch die Bedeutung der Begriffe. Nur weil...

Tuxianer 31. Mär 2016

"Sauber"? Selbst in Open-Source-Bibliotheken wurden schon böse Sicherheitslücken...

Moe479 30. Mär 2016

weil man damit aktuell keinen heller verdient, deswegen scheidet für komerzielle lösungen...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bundesservice Telekommunikation
Ist eine scheinexistente Behörde für Wikipedia relevant?

Die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann hat eine dubiose Bundesbehörde ohne Budget entdeckt. Reicht das für einen Wikipedia-Artikel?

Bundesservice Telekommunikation: Ist eine scheinexistente Behörde für Wikipedia relevant?
Artikel
  1. Neues Geschäftsmodell: Luca-App plant flexible Abos und will Preise senken
    Neues Geschäftsmodell
    Luca-App plant flexible Abos und will Preise senken

    Angesichts drohender Kündigungen will die Luca-App den Bundesländern entgegenkommen.

  2. Einstieg in Python und Data Science
     
    Einstieg in Python und Data Science

    Mit zwei Workshops der Golem Akademie gelingen kompakter Einstieg oder fortgeschrittenes Eintauchen in Python - das auch im Data-Science-Kurs zentral ist.
    Sponsored Post von Golem Akademie

  3. Elektroauto: VW e-Up ab Mitte Februar wieder bestellbar
    Elektroauto
    VW e-Up ab Mitte Februar wieder bestellbar

    Der e-Up gehörte 2021 zu den meistgekauften Elektroautos. Nun will VW den Kleinwagen wieder verfügbar machen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bosch Professional zu Bestpreisen • WSV bei MediaMarkt • Asus Vivobook Flip 14" 8GB 512GB SSD 567€ • Philips OLED 65" Ambilight 1.699€ • RX 6900 16GB 1.489€ • Samsung QLED-TVs günstiger • Asus Gaming-Notebook 17“ R9 RTX3060 1.599€ • Seagate 20TB SATA HDD [Werbung]
    •  /