Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Vision-Fence-Sensor: Der Igel hört Segways Rasenmähroboter nicht kommen

Der Traum vom fast lautlosen Rasenmähen per App wird wahr. Empfindliche Nachbarn bereiten keine Probleme, und ein Igel kann sich sicher fühlen. Ein Problem gibt es aber.
/ Achim Sawall
75 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Klassisches Gardendesign beim Segway Navimow (Bild: Segway)
Klassisches Gardendesign beim Segway Navimow Bild: Segway

Der Betrieb des Segway Navimow H800E ist so leise, dass man den Rasenmähroboter selbst an Sonn- und Feiertagen und werktags nach 20 Uhr einsetzen kann. Niemand hört den Segway, auch nicht nachts. Wie bei allen Rasenmährobotern braucht man sich um Grasabschnitt keine Sorgen mehr zu machen, weil dieser gehäckselt auf dem Rasen verschwindet.

Der Segway Navimow mit dem neuen Vision-Fence-Sensor ist ein Rasenmähroboter, den Golem.de im Mai und Juni 2023 ausgiebig getestet hat. Auffällig ist, dass sich der Roboter relativ einfach in rund anderthalb Stunden installieren lässt.

In früheren Tests installierten wir mehrfach Rasenmähroboter mit Begrenzungsdraht. Das erwies sich in der Praxis als arbeitsintensiv und beim realen Gärtnern als störanfällig. Spaten und andere Geräte sind die natürlichen Feinde des Drahtes, und die Installation übersteht meist nicht den Winter. Dann gilt es im Frühjahr durch den Garten zu krabbeln und herauszufinden, wo der Stromkreis nicht mehr geschlossen ist.

Die Installation beginnt

Nach der Eingabe des werksseitigen PIN-Codes 0000 wird die Installation mit der App weitergeführt, die es für iOS und Android gibt. Es gibt Erklärvideos und die Verbindung zum heimischen WLAN und mit dem Bluetooth des Smartphones wird eingerichtet.

Dann wird der "digitale Begrenzungsdraht" verlegt. Im Querformatmodus fahren wir mit dem Segway die Ränder der Rasenfläche ab. Die App berechnet die Fläche und zeigt die Signalstärke des RTK (Real Time Kinematic) an. RTK oder Echtzeitkinematik ist eine Technologie, bei der GPS oder andere Signalwellen zur Positionsbestimmung erfasst werden.

Mähroboter, die RTK verwenden, erfordern die Installation mindestens einer Referenzantenne pro Rasen, die mit Strom versorgt und im Freien platziert werden muss. RTK funktioniert besonders gut bei freien Flächen, weniger oder gar nicht unter Hecken und dichtem Gestrüpp. Auf der App kann man dann zusehen, wie die Fläche Linie für Linie diagonal abgemäht wird.

Lohnt sich ein Rasenmähroboter überhaupt?

Rasenmähroboter sind grundsätzlich reparaturanfällig und hielten bisher in unseren Langzeittests selten länger als anderthalb Jahre durch, ohne irreparabel kaputtzugehen. Das gilt für Geräte mit oder ohne Begrenzungsdraht.

Der Segway Navimow H800E kostet 1.749 Euro und bearbeitet eine empfohlene Rasenfläche bis zu 500 Quadratmetern. Hinzu kommt der Vision Fence mit 299 Euro, um den virtuellen Begrenzungsdraht festzulegen. Jeder muss selbst abschätzen, ob man hier viel Geld ausgeben will oder etwa mit dem Black+Decker 3-in-1 Elektro-Rasenmäher selbst durch den Garten geht, der für 247 Euro seit drei Jahren bei uns störungsfrei läuft – aber eben nicht ohne Verlängerungskabel, nicht leise und auch nicht von alleine.

Der Segway H800E setzt auf einen virtuellen Draht, mit dem der Vision-Fence-Sensor verlegt wird. Der Sensor wird einmalig auf den Mäher aufgesetzt, mit der App am Smartphone werden die Grenzen des zu mähenden Bereiches abgefahren. Dabei sollte man darauf achten, die Rasenkanten großzügig einzubeziehen, damit lästige Nacharbeiten mit der Nagelschere entfallen. Die Ladestation ist etwas einfach gestaltet. Wir testeten das Modell H800E, das über ein WLAN-Modul verfügt. Die größeren Modelle arbeiten mit einer eSIM.

Die Installation des Segway-Rasenmähers
Die Installation des Segway-Rasenmähers (01:54)

Seit Mitte Mai 2023 leben wir im Golem.de-Garten mit einem übergroßen Igel zusammen, der in der Abenddämmerung Burger Patties oder Katzenfutter frisst. Die Objekterkennung innerhalb des abgesteckten Bereiches ist so gut, dass der Segway Navimow vorsichtig und weit vor dem Igel anhält.

Auf dem Mäher leuchtet das kreisförmige Segway-Logo bei Tag und Nacht: Es war bei uns, bei gutem GPS-Empfang der Station, immer blau. Weitere Stufen sind gelb und rot bei schlechterem oder keinem Empfang.

Die Kartenverwaltung wurde von Segway weiterentwickelt und ermöglicht Änderungen des eingestellten Mähbereiches sowie das Hinzufügen weiterer Rasenflächen. Wir hatten die zu mähende Fläche erst zu eng bemessen und konnten das leicht korrigieren. Auch eine weitere Mähfläche, die durch einen gepflasterten Bereich abgetrennt ist, soll sich hinzufügen lassen.

Wie der Segway seine Bahnen mäht, ist festgelegt. Über die App lässt sich nicht ändern, wie die Strecken geschnitten werden. Mähspuren fanden sich dennoch nicht im Gras, was wegen der anhaltenden Trockenheit auch schwer möglich wäre.

Höheneinstellung führt zu Fehlercode 1018

Die Navimow-App kann auch zur Höhenverstellung des Grasabschnitts verwendet werden, wobei sieben Messerteller-Positionen für Graslängen zwischen 30 mm und 60 mm verfügbar sind. Das Einstellen funktionierte bei uns perfekt, alle Höhenstufen wurden einfach erreicht.

Leider bekamen wir danach einen Fehlercode 1018, der trotz stundenlanger Lösungsversuche mit der Anleitung des Herstellers(öffnet im neuen Fenster) nicht wegzukriegen war. Der Segway Navimow funktionierte einfach nicht mehr.

Erst als wir den Rasenmähroboter eine ganze Nacht vom Strom nahmen, arbeitete das Gerät nach dem Wiederaufladen wieder fehlerfrei.

George Ren, Chief Executive von Segway Navimow, sagte: "Segway hat sein umfassendes Robotik-Wissen auf Produkte angewendet, die von selbstbalancierenden Scootern bis hin zu Lieferrobotern reichen. Im Jahr 2021 sind wir erstmals in den Markt für Rasenmähroboter eingestiegen und haben den Navimow in 12 europäischen Ländern auf den Markt gebracht. Rückmeldungen von Tausenden von Nutzern haben uns geholfen, unser Produkt kontinuierlich zu optimieren." Viele neue Funktionen seien auf Nutzeranfragen hinzugefügt worden, etwa die Möglichkeit, die virtuelle Rasengrenze teilweise anzupassen, oder der Nachtmodus.

Segway war einst in den USA beheimatet. Doch der bekannte zweirädrige Human Transporter Segway wurde schon im Juni 2020 eingestellt, weil er für den Massenmarkt zu teuer war.

Fazit

Golem.de wartete über ein Jahr auf das Rasenmäher-Testgerät von Segway. Offenbar wollte der Hersteller zuvor keinen Test bei einem reichweitenstarken Medium wagen.

Wir sind besonders von dem virtuellen Begrenzungsdraht und der extrem niedrigen Lautstärke im Betrieb angetan. Wenige Meter vom Roboter entfernt hört man nichts mehr. Wir geben für den Segway Navimow die Note sehr gut, wenn das Problem mit der Höhenverstellung gelöst wird. Wegen der häufigen Ausfälle anderer Geräte werden wir den Mäher noch einige Monate weiter laufen lassen, um sicherzustellen, dass er auch im Herbst noch arbeitet.

Den Rasenmähroboter Segway gibt es je nach Grundstücksgröße in vier Versionen, deren Namen H500E, H800E, H1500E und H3000E die Quadratmeterzahlen enthalten. Das Testgerät bekamen wir vom Hersteller zur Verfügung gestellt.


Relevante Themen