Virtuelle Realität: Wann VR sinnvoll ist und trotzdem nie in der Breite ankommt

Ein Artikel in Nature Human Behaviour(öffnet im neuen Fenster) geht auf Spurensuche, weshalb der große Durchbruch bei Virtual Reality weiter ausbleibt. Dafür wurden aktuelle Forschungsergebnisse zusammengetragen und ausgewertet.
Insbesondere die Wahrnehmung der tatsächlichen Umgebung wird empfindlich gestört. Das löst fast immer Unbehagen aus, führt in einigen Fällen aber auch zur Simulatorkrankheit(öffnet im neuen Fenster) , meist Übelkeit, verursacht durch die Störung des Gleichgewichtssinns.
Deshalb gibt es die allgemeine Empfehlung, nur Minuten und keinesfalls mehrere Stunden am Stück ein VR-Headset zu nutzen.
Was VR kann und was nicht
Um gefährliche oder unerreichbare Landschaften wie die Marsoberfläche oder das alte Pompeji kurz vor Ausbruch des Vesuvs zu besuchen, eignet sich virtuelle Realität bestens. Für Aktivitäten, die keine eigene Bewegung erfordern, wäre es hingegen mit Blick auf die Nachteile eines VR-Headsets ratsam, einen normalen Bildschirm zu betrachten. Das gilt auch für Besprechungen.
Zudem eignet sich virtuelle Realität nur für bestimmte Tätigkeiten. So lassen sich in einer virtuellen Umgebung Handlungsabläufe erlernen, die ein strukturiertes, aufeinander aufbauendes Verhalten erfordern.
Das Forschungsteam nennt das Einüben der einzelnen Schritte bei einer Operation oder den Flugsimulator, der in etwas simplerer Form schon seit knapp 100 Jahren genutzt wird. Aufgaben, die keine Bewegung oder einen flüssigen Bewegungsablauf mit hoher Präzision erfordern, sollten dagegen in der echten Welt einstudiert werden. Weder das Führen eines Skalpells noch das Werfen eines Balls lassen sich in der virtuellen Realität verbessern.
Auch schädlich
Durch das immersive Erlebnis übernimmt man darüber hinaus Eigenschaften des gewählten Avatars. Mit einem größeren Avatar verhält man sich selbstbewusster, offensiver, mit einem sportlichen bewegt man sich unbewusst mehr. Auch der umgekehrte Effekt lässt sich beobachten und er klingt erst nach Verlassen der virtuellen Realität langsam ab. Deshalb sollte die gewählte Figur entweder mit dem echten Ich übereinstimmen oder dem eigenen Idealbild entsprechen.
Und wirklich privat bleibt der Aufenthalt in der virtuellen Realität ebenfalls nicht. Untersuchungen zeigen, dass sich anhand der unzähligen Daten von Kopfbewegung bis Körperhaltung, die für jeden Menschen unterschiedlich sind, Personen trotz des Avatars problemlos identifizieren lassen.