Vintage Computing Festival Berlin: Technik von gestern, Wissen von heute

Workshops, Basteleien, Fachgespräche und Wiederbegegnungen mit den Begleitern vergangener Tage: Retro-Fans haben sich am Wochenende in Berlin zum ersten Vintage Computing Festival in der Hauptstadt getroffen.

Artikel veröffentlicht am , Stephan Humer
Vintage Computing Festival Berlin: Technik von gestern, Wissen von heute
(Bild: Stephan Humer)

Manche wollen ihren alten Commodore reparieren, andere in Erinnerungen an den Mac IIfx schwelgen oder auf Segas Master System spielen: Knapp 1.200 Retro-Fans haben am vergangenen Wochenende das erste Vintage Computing Festival in Berlin besucht. Fünf Räume des Festivals im Pergamon-Palais der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte haben dabei besondere Aufmerksamkeit erfahren: ein liebevoll arrangierter Apple Room, der Game Room mit alten Originalsystemen zum Zocken, das Atrium mit mehreren Dutzend dicht gepackten Ständen unterschiedlicher Ausrichtung, das Medientheater mit Vorträgen über Vintage Computing sowie eine Sofa- und Bastelecke. Letztere war schon früh so überlaufen, dass dem dortigen Lötworkshop-Team bereits am Samstag die Materialien ausgingen.

Inhalt:
  1. Vintage Computing Festival Berlin: Technik von gestern, Wissen von heute
  2. Liebhaber-Stücke im Apple-Raum

Vor lauter Begeisterung über die alten Systeme haben die Veranstalter offenbar einen Experten für moderne Technik vergessen: So fiel des Öfteren aufgrund akuter Überlastung für längere Zeit der Strom aus. Gänzlich unglücklich verliefen mehrere Ausflüge ins etwas abgelegene Signallabor im zweiten Stock des HU-Gebäudes: Dort standen Besucher immer wieder vor verschlossenen Türen oder schlicht in einem menschenleeren Raum - trotz anderslautender Einladung zu einem Coding Contest, der zumindest zum vorgesehenen Zeitpunkt dort nicht stattfand.

  • Das Vicmodem (Bild: Stephan Humer)
  • Die Silicon Image Espresso-Maschine (Bild: Stephan Humer)
  • Mac 20th Anniversary von 1987 (Bild: Stephan Humer)
  • Apples PowerCD aus dem Jahr 1993 (Bild: Stephan Humer)
  • Lochkartenschreiber (Bild: Stephan Humer)
  • Der Apple-Room (Bild: Stephan Humer)
  • Die Reparierecke, dahinter der Lötworkshop (Bild: Stephan Humer)
  • Matelight, ein selbst gebasteltes Display bestehend aus leeren Club-Mate-Flaschen, einem alten Notebook und etlichen günstigen Leuchtmitteln (Bild: Stephan Humer)
Matelight, ein selbst gebasteltes Display bestehend aus leeren Club-Mate-Flaschen, einem alten Notebook und etlichen günstigen Leuchtmitteln (Bild: Stephan Humer)

Drei Generationen von HP-Tischrechnern

In Relation zur Gesamtveranstaltung fielen diese Widrigkeiten jedoch kaum ins Gewicht. Allein das Atrium beeindruckte mit vielfältiger Computergeschichte, die von in Japan entwickelten und in Europa oftmals völlig unbekannten Rechnern und ihrer Software über lauffähige Bildschirmtext-Systeme bis zu einer Silicon-Graphics-Espresso-Maschine reichte. Thomas Falk, Bastler und Liebhaber alter Hewlett-Packard-Systeme, präsentierte an seinem Stand drei Generationen von HP-Tischrechnern, beginnend mit einem HP9100A aus dem Jahre 1968. Er war Hewlett Packards erster Tischrechner überhaupt, ist in Transistortechnik aufgebaut und beinhaltet nur einen einzigen integrierten Schaltkreis (einen Operationsverstärker im Kartenleser). Darüber hinaus konnte er bereits vielfach erweitert werden, was am Beispiel eines Plotters gezeigt wurde. Dieser visualisierte unermüdlich die Lösungskurve einer Differentialgleichung, das sogenannte Lorenz-System.

Zusammen mit den Rechnern HP9810A und HP9815A wurde so die kurze, aber intensive Karriere der Tischrechner und ihr Weg vom Transistor zum Mikroprozessor nachgezeichnet.

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Liebhaber-Stücke im Apple-Raum 
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