Vielfalt und Chancengleichheit: Google-Entwickler wegen sexistischen Memos entlassen
Ein Google-Entwickler ist entlassen worden, weil er in einem internen Memo(öffnet im neuen Fenster) die Gleichstellung von Mann und Frau in dem Unternehmen kritisiert hat. Er bestätigte seine Entlassung der New York Times(öffnet im neuen Fenster) . Google-Chef Sundar Pichai unterbrach seinen Urlaub, als das zehnseitige Manifest kontroverse Debatten auslöste.
In dem Memo beklagt der Entwickler, dass konservative Meinungen bei Google unterdrückt würden. Das habe eine "ideologische Echokammer" geschaffen, in der es für solche Ansichten keine "psychologische Sicherheit" gebe. Er "schätze Vielfalt und Chancengleichheit" , leugne nicht, dass Sexismus existiere, und "unterstütze nicht die Verwendung von Stereotypen" , betonte er. Die Ideen von Vielfalt und Chancengleichheit seien bei Google zu heilig, um ehrlich diskutiert zu werden.
Frauen seien eher an Personen als an Dingen interessiert, und würden darum eher Berufe im sozialen und künstlerischen Sektor ergreifen, schrieb der Entwickler. Männer würden "programmieren vielleicht deswegen bevorzugen, weil es systemisches Denken erfordert" . "Unterschiede in der Verteilung von Merkmalen zwischen Männern und Frauen können zum Teil erklären, warum wir keine 50-prozentige Verteilung von Frauen in der Technik und Unternehmensführung haben" . Frauenförderung lehnte er indirekt ab, weil Diskriminierung, um eine gleiche Verteilung zu erreichen, "unfair, spaltend und schlecht für das Geschäft" sei. Er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, diese abweichende Meinung offen zu vertreten.
Pichai verfasst Rundmail
Pichai erklärte in einer E-Mail an die Belegschaft, die Google auch veröffentlichte, dass Teile des Textes gegen interne Verhaltensregeln (Code of Conduct) verstießen und schädliche Stereotypen über Geschlechter verbreiteten. Damit sei eine Linie überschritten worden. Zu erklären, ein Teil der Beschäftigten sei biologisch weniger fähig für die Tätigkeit bei Google, sei "beleidigend und nicht okay" . Zugleich schränkte Pichai ein, dass es ebenfalls "nicht okay" sei, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten, insbesondere wenn sie von der Meinung der Mehrheit abwichen.
Google hat seit langem eine Kultur der Offenheit gefördert, die es Beschäftigten erlaubt, Führungskräfte infrage zu stellen und sogar ihre Strategie in internen Foren zu verspotten. Seine Entlassung sehen in Diskussionsforen einige nun als Bestätigung dafür. Andere befürworten, dass sexistische ebenso wie rassistische Ansichten nicht diskutiert werden dürften, weil sie keine Berechtigung hätten.
Entwickler will klagen
Der Entwickler war seit dem Jahr 2013 für Google tätig und arbeitete im Bereich Infrastruktur für die Google Suche. Er kündigte an, eine Klage gegen seine Entlassung zu prüfen.
Google erklärte in seinem jährlicher Bericht zum "Stand der Vielfalt" im Konzern vom Juni 2017, dass 31 Prozent der Angestellten Frauen seien, unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der schwarzen Mitarbeiter war bei 2 Prozent unverändert und die Zahl der hispanischen Beschäftigten stieg von 3 Prozent auf 4 Prozent. Die meisten Google-Mitarbeiter sind weiße und asiatische Männer.
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