Videoüberwachung: Erster Feldversuch mit Gesichtserkennung geplant

Automatisches Tracking von Personen mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware soll erstmals an einem öffentlichen Bahnhof in Deutschland getestet werden. Zunächst sollen nur Freiwillige teilnehmen. Kritiker befürchten jedoch, dass dabei auch Unbeteiligte erfasst werden.

Artikel veröffentlicht am ,
Am Bahnhof-Südkreuz in Berlin soll Tracking per Gesichtserkennung untersucht werden.
Am Bahnhof-Südkreuz in Berlin soll Tracking per Gesichtserkennung untersucht werden. (Bild: Dan Kitwood/Getty Images)

Im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren wollen Bundespolizei, Bundeskriminalamt und die Deutsche Bahn am Berliner Bahnhof-Südkreuz das Tracking einzelner Personen testen. Dazu soll probeweise eine Gesichtserkennungssoftware zum Einsatz kommen, die die Verfolgung von Einzelpersonen über mehrere Kameras hinweg ermöglichen kann. Zusätzlich soll auch möglicherweise auffälliges Verhalten von Personen untersucht werden. Das bestätigte der Parlamentarische Staatssekretär Ole Schröder auf eine entsprechende Nachfrage des Bundestagsabgeordneten André Hunko (Die Linke).

Stellenmarkt
  1. Informatiker*in, Informationstechniker*in, Elektrotechniker*in mit Masterabschluss o. ä. (w/m/d)
    DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Oberpfaffenhofen
  2. Bereichs-Informationssicherh- eitsbeauftragte*r (m/w/d) in der Stabstelle Sicherheit der Feuerwehr ... (m/w/d)
    Stadt Köln Berufsfeuerwehr, Amt für Feuerschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz, Köln
Detailsuche

Für den Feldversuch soll zunächst nur auf eine Datenbank mit Fotos freiwilliger Bundespolizisten zugegriffen werden. Die Auswahl des Bahnhofs in Berlin soll aus mehreren Gründen erfolgt sein. Einer davon: Dort gibt es bereits mit 80 Kameras eine umfangreiche Videoüberwachung. Am Bahnhof-Südkreuz wird sowohl Nah- als auch Fernverkehr abgewickelt. Entsprechend unterschiedlich sind die Bewegungen der Besucher. Ein so hohes Passagieraufkommen wie am Berliner Hauptbahnhof gibt es aber nicht: Die neue Technik der intelligenten Videoanalyse soll nicht überfordert werden.

Freiwillige und Liegengebliebene werden überwacht

Laut Ole Schröder soll in der Testphase das Tracking nur auf ausgewählte Freiwillige und auf auffälliges Verhalten nur liegender Personen als Teilaspekt bei der Erkennung des potenziell interventionsbedürftigen Verhaltens begrenzt werden. "Eine Erprobung der Bewegungsprädiktion sowie der Erkennung von Bewegungsmustern ist nicht geplant." Sie könnten etwa bei dem Aufspüren von Taschendieben zum Einsatz kommen, die oftmals auf Rolltreppen aktiv sind.

Der Einsatz von Gesichtserkennungssoftware an Bahnhöfen und Flughäfen wurde bereits im August 2016 von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in seinem Maßnahmenkatalog zur Terrorismusbekämpfung gefordert. "Es gibt für Privatpersonen die Möglichkeit, jemanden zu fotografieren und mit einer Gesichtserkennungssoftware im Internet herauszufinden, ob es sich um einen Prominenten oder einen Politiker handelt, den man gerade gesehen hat. Ich möchte eine solche Gesichtserkennungssoftware an den Videokameras an Flughäfen und Bahnhöfen einsetzen", sagte de Maizière damals der Bild am Sonntag.

Rechtslage ist unklar

Golem Akademie
  1. CEH Certified Ethical Hacker v11
    8.-12. November 2021, online
  2. Netzwerktechnik Kompaktkurs
    8.-12. November 2021, online
  3. Penetration Testing Fundamentals
    17.-18. Januar 2022, online
Weitere IT-Trainings

Im September 2016 kam ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste im Bundestag zu dem Schluss, dass die aktuelle Rechtslage aber bereits diesen Testbetrieb nicht abdeckt. Im § 27 des Bundespolizeigesetzes zur Videoüberwachung wird lediglich die Möglichkeit beschrieben, Kameras aus der Ferne zu steuern und auf einzelne Personen zu richten.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk kritisierte im Februar 2017 hingegen den Einsatz von Videokameras mit Gesichtserkennung. Passanten würden dabei nicht nur beobachtet, sondern könnten während der Überwachung auch identifiziert werden, etwa wenn "die gewonnenen Daten mit digitalen Fotografien abgeglichen werden, die mittlerweile von fast jedem im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, zu finden sind". So könne der Einsatz von "Videokameras mit Gesichtserkennung [...] die Freiheit, sich in der Öffentlichkeit anonym zu bewegen, gänzlich zerstören", schreibt Smoltczyk in der Stellungnahme unter der Überschrift "Biometrische Gesichtserkennung - eine Technik ohne Zukunft."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


rondam 29. Mär 2017

Keiner kann mich davon abhalten, in der Öffentlichkeit mit einer Maske auf dem Gesicht...

p32r 28. Mär 2017

Interessehalber: Was ist denn genau verboten? Oder meinst du der Rechtsraum ist hier...

Myxier 28. Mär 2017

Danke das du kwt in den Post, statt in die Überschrift geschrieben hast *facepalm*

MFGSparka 28. Mär 2017

Damals wurden zwar nur Einzelbilder gemacht und ausgewertet ist aber im Prinzip genau...

ComanderKai77 27. Mär 2017

Ich sehs schon kommen. Ich hoffe nur, dass John uns rettet.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Macbook Pro
Apple bestätigt High Power Mode für M1 Max

Käufer des Macbook Pro mit M1 Max können wohl in MacOS Monterey per Klick noch mehr Leistung aus dem Gerät herausholen.

Macbook Pro: Apple bestätigt High Power Mode für M1 Max
Artikel
  1. Bundesregierung: Autobahn App 2.0 im ersten Quartal 2022 geplant
    Bundesregierung
    Autobahn App 2.0 im ersten Quartal 2022 geplant

    Die Opposition kritisiert die massiven Kosten, Nutzer bewerten die App schlecht. Dennoch soll die Autobahn App nun erweitert werden.

  2. Klage: Google soll E-Privacy und Werbemarkt manipuliert haben
    Klage
    Google soll E-Privacy und Werbemarkt manipuliert haben

    Mehrere US-Bundesstaaten haben Klage gegen Google eingereicht. Das Unternehmen rühmt sich derweil, Regulierungen verlangsamt zu haben.

  3. Silence S04: Günstiges Elektroauto mit herausnehmbaren Akku vorgestellt
    Silence S04
    Günstiges Elektroauto mit herausnehmbaren Akku vorgestellt

    Beim Elektroauto Silence S04 kann der Nutzer den Akku selbst wechseln, wenn dieser leergefahren ist.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Saturn-Gutscheinheft mit Direktabzügen und Zugaben • Nur noch heute: Mehrwertsteuer-Aktion bei MediaMarkt • Roccat Suora 43,99€ • Razer Goliathus Extended Chroma Mercury ab 26,99€ • Seagate SSDs & HDDs günstiger • Alternate (u. a. ASUS ROG Strix Z590-A Gaming WIFI 258€) [Werbung]
    •  /