Videocodec: AV1 ist eingefroren und 30 Prozent besser als VP9
Seit Herbst 2015 arbeitet das Industriekonsortium Alliance for Open Media (Aomedia) an einem frei lizenzierten Videocodec als Konkurrenz zu H.265 alias HEVC. Dafür werden Techniken der Codecs Daala von Mozilla, Thor von Cisco und VP10 von Google in AV1 zusammengeführt. Parallel dazu werden die Arbeiten auch bei der Internet Engineering Task Force (IETF) als Internet Video Codec (NetVC) standardisiert. Auf dem IETF Meeting 101, das zurzeit in London stattfindet, bestätigen die Beteiligten, dass die Spezifikation für AV1 inzwischen offiziell eingefroren ist.
Die Spezifikation(öffnet im neuen Fenster) definiert das Bitstream-Format sowie den Decoding-Prozess des neuen Video-Codecs. Laut dem Cisco-Angestellten Steinar Midtskogen(öffnet im neuen Fenster) bedeutet der sogenannte Freeze der Spezifikation, dass nur noch "nicht bindende Kompressionsverbesserungen" zugelassen seien. Weiter erlaubt sei es aber, kritische Fehler zu beheben. Darüber hinaus seien keine neuen Kodierungswerkzeuge mehr für AV1 zugelassen. Die grundlegenden Arbeiten an AV1 sollten damit als abgeschlossen gelten.

AV1 ist besser als VP9 und HEVC
Midtskogen erwähnt darüber hinaus eine Reduzierung der Bitrate von AV1 im Vergleich zu VP9 bei gleicher Qualität von rund 30 Prozent je nach ausgewählter Metrik. Der Mozilla-Angestellte Thomas Daede bestätigt diese Zahlen(öffnet im neuen Fenster) prinzipiell. In einer ausführlichen Auswertung verschiedener Test beschreibt Daede eine Reduzierung der Bitrate bei AV1 im Vergleich zu VP9 zwischen 25 und 35 Prozent, je nach Metrik und Auflösung der Videodaten.
Auch die Kodierungsspezialisten von Bitmovin, die sich in der Aomedia engagieren, verweisen in einer aktuellen Evaluierung(öffnet im neuen Fenster) der Videocodecs auf ähnliche Ergebnisse. Demzufolge liegt die Verbesserung von AV1 im Vergleich zu VP9 vor allem bei höheren Bitraten zwischen 22 und 27 Prozent und im Schnitt bei 13 Prozent. Im Vergleich zu HEVC liegt die Verbesserung von AV1 sogar zwischen 30 und 43 Prozent bei hohen Bitraten und im Schnitt bei 17 Prozent.
Aus diesen Tests folgt, dass sich die Verwendung von AV1 wohl besonders für hochaufgelöste Videos und Filme eignet. Bitmovin weist aber darauf hin, dass insbesondere die von ihnen selbst durchgeführten Tests nur ein sehr spezifisches Nutzungsszenario abbildeten und entsprechend interpretiert werden sollten.
Aktuellen Planungen zufolge(öffnet im neuen Fenster) soll die Codec-Spezifikation im Juli dieses Jahres als Internet-Standard verabschiedet werden.
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