Abo
  • Services:

Eine eigene Software für Babylon Berlin

Bei der Ausgestaltung der Szenerie kamen dann auch selbstentwickelte Softwaremodule zum Einsatz. "Man kann den Schnee mit einem Pinsel überall von Hand auf die Gebäude auftragen", sagt Gellinger. "Oder man überlegt sich, aus welcher Richtung der Wind normalerweise weht - und simuliert dann über eine gewisse Zeit alle Flächen, auf denen der Schnee tatsächlich liegenbleiben würde." Auch die Gebirgsflora simulierte Rise per Software: Diese legt unter anderem fest, bis zu welchem Neigungsgrad des Geländes Bäume wachsen, wie diese sich dabei nach oben biegen und ab welcher Höhe sich der Pflanzenbewuchs ändert. Diese Module verwendet Rise auch bei späteren Filmprojekten - was den ursprünglichen Entwicklungsaufwand mehr als rechtfertigt.

Stellenmarkt
  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart
  2. Hella Gutmann Solutions GmbH, Ihringen bei Freiburg im Breisgau

Mit jedem Projekt macht die Firma neue Erfahrungen und gewinnt an Expertise hinzu. "Bei Civil War hat uns Marvel zum ersten Mal richtig viel Verantwortung übertragen, vor allem für die erste Viertelstunde", erzählt Gellinger. Für den Avenger Falcon baute Rise ein neues Modell, designte den Anzug neu, entwarf die Mechanik der Flügel und auch die Begleitdrohne. Gellinger gerät ins Schwärmen: "Das Kinderspielzeug zum Film sah genauso aus, wie wir Falcon entwickelt hatten. Das war schon ziemlich cool." Der Film spielt zu großen Teilen im nigerianischen Lagos, wurde aber in Atlanta/Georgia gedreht. "Wir haben begonnen, Atlanta in Lagos umzubauen - und haben dafür Fotos benutzt, die wir in Puerto Rico gemacht haben", sagt Gellinger. Der Grund: Bei Architektur und Farben ähneln sich Lagos und Puerto Rico stark, an beiden Orten gibt es viele flache Gebäude, Verkaufsstände und gelbe Taxis.

Babylon Berlin war aufwendig

Ein Großteil der Filmhintergründe entstand so am Computer. Aber auch bei den eigentlichen Special Effects kam Rise zum Zug: Das Studio visualisierte die magischen Fähigkeiten der Superheldin Scarlet Witch. Dafür baute es ihre Hände nach, animierte die Finger und ließ Galaxiennebel um die Hände fließen. Das war keine leichte Aufgabe - auch weil sich das magische Gewaber mit jeder Handbewegung verändern und so etwas wie Wurmlöcher über den Handtellern bilden sollte. Das Ergebnis überzeugt jedenfalls.

In den vergangenen Jahren sind die Ansprüche an VFX enorm gewachsen, nicht nur im Kino, sondern auch bei Fernseh- und Streaming-Produktionen. "Ein Problem für Fernsehmacher weltweit ist ja momentan: Sie müssen sich immer an Game of Thrones messen lassen", sagt Florian Gellinger. "Entsprechend aufwendig war Babylon Berlin. Bei uns haben 120 Leute mehr als sechs Monate daran gearbeitet, an allen vier Standorten. Insgesamt haben wir mehr als 800 Einstellungen bearbeitet." Die Krimiserie spielt im Berlin zwischen den beiden Weltkriegen. Entsprechend intensiv musste Rise in Archiven recherchieren, um das damalige Aussehen der Stadtteile zu rekonstruieren.

Eine eigene Software für Menschenmassen

Viele Szenen wurden in der Studiostraße in Babelsberg gedreht - allerdings gab es dort keine Straßenbahn, nur drei Oldtimer und nicht genügend Statisten. "Um die Menschenmengen auf den Straßen zu simulieren, haben wir eine eigene Software geschrieben", sagt Gellinger. Die digitalen Menschen sollten zum Beispiel nach links und rechts schauen, bevor sie über die Straße gingen - und für ein Schwätzchen stehenbleiben, wenn sie unterwegs Bekannte trafen. "Auf den Straßen soll ein natürliches Durcheinander entstehen." Weil am Babelsberger Set nicht genügend Platz für Berliner Boulevards wie den Ku'damm war, verbreiterte Rise die Studiostraßen digital. Für Luftaufnahmen modellierte das Studio die Landschaften komplett in 3D, hauseigene Software simulierte natürliche Wolkenbildung. "Man kann in Sachen production value nicht mehr hinter dem zurückstehen, was vom Ausland vorgelegt wird", so Gellinger. Eine Serie wie Babylon Berlin müsse global vermarktbar sein - ähnlich wie Game of Thrones oder Stranger Things.

Wieder andere Herausforderungen warteten bei der Stephen-King-Verfilmung Der Dunkle Turm. In dem Hollywood-Streifen gibt es eine brachiale Baller-Sequenz mit Roland Deschain (Idris Elba) und einer Vielzahl von Schurken. "Wir haben den kompletten Shoot-out gepimpt", erzählt Gellinger. Rise simulierte sämtliche Schüsse, Einschusslöcher, Schäden an der Umgebung und auch die Bewegung der Finger am Revolverabzug. Die Schüsse dauern dadurch deutlicher länger als bei einer realen Waffe - und wirken daher auch sehr viel heftiger. Außerdem legte Rise das Timing der Schüsse fest, um es rhythmischer wirken zu lassen. "Das sind die Dinge, bei denen man als Zuschauer nicht denken würde, dass sie simuliert sind", sagt Gellinger.

 Black Panther: Spezialeffekte für Hollywood aus BerlinGeld spielt keine Rolle mehr 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Logan, John Wick, Alien Covenant, Planet der Affen Survival)
  2. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)

cyzz 14. Jul 2018

für Hollywood arbeiten eben nur ganz spezielle Menschen.

dantist 13. Jul 2018

Weiß jemand, wie der fast durchsichtige Bürostuhl im ersten Bild heißt? Sieht interessant...

ArcherV 11. Jul 2018

Ist ja vollkommen in Ordnung. Jeder hat einen anderen Geschmack. :-)

unbuntu 09. Jul 2018

Wobei die CGI in Black Panther teils echt schlecht war...

logged_in 16. Feb 2018

Also da kann man echt nicht meckern. Erst Klasse was die da abliefern. Interessant das...


Folgen Sie uns
       


Fallout 76 - Fazit

Fallout 76 ist in vielerlei Hinsicht nicht wie seine Vorgänger. Warum, erklären wir im Test-Video.

Fallout 76 - Fazit Video aufrufen
Apple Mac Mini (Late 2018) im Test: Tolles teures Teil - aber für wen?
Apple Mac Mini (Late 2018) im Test
Tolles teures Teil - aber für wen?

Der Mac Mini ist ein gutes Gerät, wenngleich der Preis für die Einstiegsvariante von Apple arg hoch angesetzt wurde und mehr Speicher(platz) viel Geld kostet. Für 4K-Videoschnitt eignet sich der Mac Mini nur selten und generell fragen wir uns, wer ihn kaufen soll.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Apple Mac Mini wird grau und schnell
  2. Neue Produkte Apple will Mac Mini und Macbook Air neu auflegen

Mars Insight: Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars
Mars Insight
Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars

Bei der Frage, wie es im Inneren des Mars aussieht, kann eine Raumsonde keine spektakuläre Landschaft gebrauchen. Eine möglichst langweilige Sandwüste wäre den beteiligten Wissenschaftlern am liebsten. Der Nasa-Livestream zeigte ab 20 Uhr MEZ, dass die Suche nach der perfekten Langeweile tatsächlich gelang.

  1. Astronomie Flüssiges Wasser auf dem Mars war Messfehler
  2. Mars Die Nasa gibt den Rover nicht auf
  3. Raumfahrt Terraforming des Mars ist mit heutiger Technik nicht möglich

Drahtlos-Headsets im Test: Ohne Kabel spielt sich's angenehmer
Drahtlos-Headsets im Test
Ohne Kabel spielt sich's angenehmer

Sie nerven und verdrehen sich in den Rollen unseres Stuhls: Kabel sind gerade bei Headsets eine Plage. Doch gibt es so viele Produkte, die darauf verzichten können. Wir testen das Alienware AW988, das Audeze Mobius, das Hyperx Cloud Flight und das Razer Nari Ultimate - und haben einen Favoriten.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Sieben Bluetooth-Ohrstöpsel im Test Jabra zeigt Apple, was den Airpods fehlt
  2. Ticpods Free Airpods-Konkurrenten mit Touchbedienung kosten 80 Euro
  3. Bluetooth-Ohrstöpsel im Vergleichstest Apples Airpods lassen hören und staunen

    •  /