Vespera II im Test: Mit einem transparenten Smart-Teleskop tief ins All blicken
Smarte Teleskope der französischen Firma Vaonis haben wir immer wieder im Test, zum Beispiel das Stellina oder das Vespera .
Auch das Vespera II ist nicht ganz neu auf dem Markt, allerdings hat Vaonis mit der X-Edition ein limitiertes Sondermodell vorgestellt, das wir uns genauer anschauen wollen. Und da das Smart-Teleskop technisch identisch zum "normalen" Vespera II ist, können wir auch dieses gleich einem genauen Test unterziehen.
Warum ein Sondermodell?
Ehe wir in die technischen Details einsteigen, widmen wir uns der Frage, welchen Sinn ein Sondermodell haben soll. Spezielle Versionen von Produkten finden sich immer wieder auf dem Markt. Ob bei Uhren, Fahrzeugen oder Spielekonsolen, üblicherweise zielen sie auf eine gewisse Exklusivität ab. Vor allem, wenn es sich um limitierte Auflagen handelt.
Firmen können so zum Beispiel testen, welche Prioritäten Kunden bei bestimmten Materialien, Funktionen oder Farben haben. Auch bei Smart-Teleskopen gibt es immer wieder spezielle oder limitierte Geräte – bei Unistellar etwa das rote Odyssey-Pro-Modell, bei Vaonis die Art-Edition der Stellina- und Vespera-Geräte und das tatsächlich auch technisch abweichende Vespera Passenger.
Vaonis platziert das Vespera II X-Edition sehr klar als Sammlerstück mit einer gewissen Exklusivität, da die Serie auf 150 Geräte weltweit limitiert ist. Der Preis ist mit 2.290 Euro auch deutlich höher als beim normalen Vespera II mit 1.590 Euro.
Allerdings gibt es Unterschiede in der Ausstattung, etwa den Temperatursensor, ein besseres Stativ und eine Schutzhülle, die einen Teil des höheren Preises wieder kompensieren.
Aber die Exklusivität ist es nicht allein. Die X-Edition des Vespera II soll im wahrsten Sinne des Wortes einen Einblick geben, wie komplex ein Smart-Teleskop aufgebaut ist, wie die Mechanik und Steuerung funktionieren und wie die einzelnen Teile zusammenspielen. Das macht das transparente Gehäuse möglich.
Seine Transparenz macht das Vespera II X besonders
Einzelne Komponenten wie die Steuerplatine, die Motoren für die beiden Achsen und das Schneckengetriebe, das eine ruckelfreie und gleichmäßige Bewegung beim Nachführen des Teleskops garantiert, sind klar zu erkennen. Nutzt man das Teleskop am Tag für die Sonnenbeobachtung, kann man sehen, wie der Fokusmotor beim Autofokus arbeitet oder die Mechanik den Teleskoparm bewegt.
Es ist faszinierend, dem Gerät bei der Arbeit zuschauen zu können – und es sorgt für Aufmerksamkeit. Bei meinen Tests werde ich ohnehin sehr oft auf die "seltsamen" Geräte angesprochen, die ich da auf eine Wiese oder einen Parkplatz stelle, aber das transparente Vespera II X weckt noch einmal deutlich mehr Interesse.
Trotz einiger Jahre Erfahrung mit diesen Geräten ist es doch immer wieder eine kleine Herausforderung zu erklären, was ein Smart-Teleskop ist. Mit dem Vespera II X ist das ein wenig anders. Die Erklärung ist die gleiche, aber es scheint, als wäre es für jemanden ohne jegliche Erfahrung mit Teleskopen deutlich leichter zu verstehen, wovon ich spreche, wenn die Mechanik und die Technik sichtbar sind.
Das zeigt auch die Antwort von Vaonis-CEO und -Gründer Cyril Dupuy auf unsere Frage, warum es eine transparente Version des Teleskops gibt. "Zum einen wollten wir zeigen, wie ein High-End-Smart-Teleskop aussieht und funktioniert. Wie wollen kein Spielzeug herstellen, sondern Geräte, die über eine lange Zeit stabil und gut funktionieren. Zum anderen haben wir auf Ausstellungen und Messen immer wieder gesehen, welches Interesse ein Vespera weckt, und dass Menschen es schön finden, wenn wir zur Demonstration das Gehäuse weglassen und das Innenleben zeigen."
In einem Youtube-Video, das zum Start des Sondermodells veröffentlicht wurde(öffnet im neuen Fenster) , geht Vaonis auf verschiedene Design- und Technikaspekte ein, welche die Vespera Modelle ausmachen.
Was steckt drin im Vespera II?
Aber was steckt nun genau drin im Vespera II? Das optische System ist ein apochromatischer Refraktor mit 250 mm Brennweite und 50 mm Öffnung. Also ein Linsenteleskop, bei dem spezielle Glassorten genutzt werden, um Farbfehler zu reduzieren. Zusätzlich ist eine spezielle Optik verbaut, die ein ebenes Bildfeld für den Kamerasensor gewährleistet.
Der Teleskoptubus selbst besteht aus einem Aluminiumrohr, das mattschwarz eloxiert ist, um interne Reflexionen zu vermeiden.
Wie bei den anderen Vaonis-Geräten wird das Teleskop auf einer azimutalen Montierung in zwei Achsen bewegt. Damit kann der Teleskoparm auf jeden beliebigen Punkt am Himmel ausgerichtet werden. Am Ende des Teleskoptubus sitzt ein IMX585-Kamerasensor der Firma Sony.
Bei einer Auflösung von 8,3 MP mit 3.840 x 2.160 Pixeln und einer Pixelgröße von 2,9 µm ergibt sich ein Bildfeld von 2,55° x 1,44°. Die optische Auflösung von 2,39 Bogensekunden pro Pixel in Kombination mit der Optik passt recht gut auf das maximale Auflösungsvermögen von 2,32 Bogensekunden(öffnet im neuen Fenster) .
Sensoren und Akku
Der IMX585-Sensor ist aufgrund seiner hohen Empfindlichkeit, seines geringen Rauschens und einer hohen Quanteneffizienz von über 90 Prozent sehr beliebt bei astronomischen Kameras. Störend ist allerdings ein wenig das Seitenverhältnis vom 16:9, weil sich die Feldrotation bei langen Belichtungen durch die azimutale Montierung im Bildfeld stärker auswirkt und das vom Teleskop erzeugte runde Abbild nicht so gut ausgenutzt wird wie von Sensoren mit einem kleineren Seitenverhältnis oder idealerweise einem quadratischen Sensor.
Die Schärfe wird über einen Autofokus eingestellt und gerade bei der X-Edition des Vespera II kann man den Fokusmotor gut beobachten.
Beim Vespera II optional und bei der X-Edition bereits verbaut ist ein Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor. Er liefert Daten zum Taupunkt und wird von der Steuerung genutzt, um die Tauheizung an der Frontlinse zu schalten, damit die Linse nicht beschlägt.
Vor der Frontlinse können über ein praktisches Klicksystem auch verschiedene Filter angebracht werden. Es gibt einen Sonnenfilter, einen CLS-Filter, der Lichtverschmutzung unterdrückt, und einen Dualband-Filter mit 12 nm Bandpass.
Die aufgenommenen Bilddaten werden auf einem internen Speicher von 25 GB abgelegt. Ein externer Speicher kann nicht angeschlossen werden.
Auch wenn 25 GB recht viel scheinen, sind sie doch der limitierende Faktor bei langen Aufnahmen. Wer das Speichern von Rohdaten eingeschaltet hat, kommt bei 16 MB pro einzelner Bilddatei und rund 360 Bildern pro Stunde bei 10 Sekunden Belichtung sehr schnell an die Grenzen des Speichers. Hier bieten selbst deutlich günstigere Systeme wie das ZWO Seestar oder das Dwarf III von Dwarflabs deutlich mehr internen Speicher.
Nicht genug für eine ganze Nacht
Auch der verbaute Akku hat nicht genug Kapazität für eine komplette Nacht. Rund 4 Stunden Laufzeit sind vom Hersteller angegeben. Allerdings kann das abhängig von der Temperatur auch deutlich kürzer sein.
Hier hilft eine externe Powerstation oder Powerbank, die an den USB-C-Ladeport angeschlossen werden kann, der bis 20 W PD nutzt. Das Vespera kann während des Betriebs geladen werden.
Das Teleskop bringt es auf ein Gesamtgewicht von 5 kg und ist damit noch gut portabel.
Wie funktioniert das Ganze?
Der Aufbau ist sehr einfach und auch für Anfänger kein Problem. Das Teleskop wird auf das mitgelieferte Stativ geschraubt und gerade ausgerichtet. Der Stativanschluss ist ein übliches 3/8-Zoll-Gewinde, was es erlaubt, auch andere Stative oder Schnellkupplungen zu verwenden.
Alle Geräte der Firma Vaonis werden über eine App namens Singularity gesteuert. Sie ist für Android und iOS verfügbar. Für die Nutzung muss ein Account angelegt werden. Er wird für geräteübergreifende Einstellungen und eine Bildergalerie genutzt.
Basis jeder Beobachtung ist ein sogenanntes Space Center, das in der App angelegt werden muss. Es speichert den Ort der Beobachtung auf der Erde und bietet eine Anzeige von aktuellen Wetterdaten sowie Sonnen- und Mondauf- beziehungsweise -untergang.
Der Ort kann über eine Adresse, manuelle Längen- und Breitengradangaben oder das GPS von Telefon oder Tablet definiert werden.
Eingeschaltet wird das Vespera über einen Touchbutton am Gehäuse. Diesen muss man für eine bestimmte Zeit berühren, um das Teleskop zu aktivieren. Ist die Zeit zu kurz oder zu lang, geht das Gerät nicht an. Dieses spezielle Verhalten hat Vaonis vor einiger Zeit eingeführt, da viele Nutzer ihre Geräte immer wieder versehentlich eingeschaltet haben, wenn sie es in die Hand nahmen.
Sobald das Vespera eingeschaltet ist, erzeugt es ein eigenes WLAN (einstellbar auf 2,4 GHz oder 5 GHz), mit dem man sein Telefon oder Tablet verbinden muss. Danach wird das Vespera in der Singularity App angezeigt.
Als nächstes muss das Teleskop initialisiert werden.
Initialisierung und Aufnahmen
Dabei wird der Teleskoparm nach oben gefahren und das Teleskop macht ein Bild des Himmels. Über eine interne Datenbank wird das Sternenmuster im Bild abgeglichen; mit der aktuellen Uhrzeit und Position kann das Gerät genau bestimmen, wie es ausgerichtet ist.
Ein anschließender Autofokuslauf stellt die Optik auch gleich scharf. Danach kann man aus dem umfangreichen Katalog Objekte wie Galaxien, Nebel oder Sternenhaufen auswählen, die beobachtet werden sollen.
Auch Objekte aus dem Sonnensystem wie der Mond oder einzelne Planeten können ausgewählt werden. Allerdings ist die Brennweite von 250 mm für Planeten ungeeignet, da diese viel zu klein sind. Der Mond passt aber gut ins Bildfeld, auch die Sonne kann mit dem optionalen Sonnenfilter am Tag sehr gut beobachtet werden.
Hat man ein Objekt ausgewählt, fährt das Teleskop die entsprechende Stelle am Himmel automatisch an, bringt das Objekt in die Mitte des Bildfelds und beginnt, eine Reihe von 10-Sekunden-Belichtungen aufzunehmen. Diese einzelnen Bilder werden automatisch miteinander kombiniert, so entsteht über die Zeit ein immer besseres, kontrastreicheres und rauscharmes Bild des Objekts.
Das Bild kann als JPEG-Datei direkt auf das Telefon geladen und verwendet werden. Je nach Einstellung kann aber auch das fertige Bild als Rohdaten im TIFF-Format gespeichert werden oder die Rohdaten der Einzelaufnahmen können als FITS-Dateien direkt vom Teleskop per FTP geladen werden.
Hardware und App sind so ausgelegt, dass auch unerfahrene Nutzer einen leichten Einstieg haben und somit einfach zu ersten Ergebnissen kommen. Allerdings bietet Vaonis auch fortgeschrittenen Nutzern und Profis eine Menge an zusätzlichen Möglichkeiten, das Potenzial des Teleskops voll auszuschöpfen.
Professionelle Ergebnisse
Wer sich intensiver mit Astrofotografie und dem Vespera beschäftigen will, dem stehen verschiedene Funktionen zur Verfügung, die deutlich über die einfache Nutzung hinausgehen. Schon seit einigen Jahren gibt es einen speziellen Mosaik-Aufnahmemodus, mit dessen Hilfe das Bildfeld deutlich erweitert werden kann.
Damit sind Bilder mit bis zu 24 Megapixeln und einem Bildfeld von 4,33° x 2,43° beziehungsweise 3,25° x 3,25° möglich. So sind auch größere Objekte am Nachthimmel gut zu fotografieren.
Objekte, die noch nicht im Katalog der App enthalten sind, können mit den entsprechenden Koordinaten von Hand angelegt werden. Hier hat man dann auch die Möglichkeit, Änderungen an den Aufnahmeparametern vorzunehmen.
Eine weitere, recht neue Erweiterung sind sogenannte Multinight-Aufnahmen. Hier werden zusätzliche Metadaten zu einer Aufnahmesitzung gespeichert, so dass man sie in einer späteren Nacht weiterführen kann. Gerade bei sehr lichtschwachen Objekten ist das extrem praktisch, da man so sehr viel mehr Belichtungszeit sammeln kann. Aktuell können bis zu fünf unterschiedliche Objekte als Multinight-Beobachtungen im Vespera gespeichert werden.
Wer nicht die gesamte Nacht neben seinem Teleskop ausharren möchte, kann die Funktion Plan my Night nutzen. Hier kann man festlegen, wann das Teleskop welches Objekt wie lange belichten soll, ehe es zum nächsten eingestellten Objekt wechselt. So kann eine komplette Nacht im Voraus geplant werden. Sobald der Plan gestartet wurde, führt das Teleskop die Beobachtung automatisch aus.
Die verschiedenen Funktionen lassen sich auch kombinieren. So kann ein Objekt in einem Plan auch als Multinight, Mosaik oder beides definiert werden. Das gibt fortgeschrittenen Nutzern sehr viel Flexibilität.
Das folgende Bild vom Herznebel ist im Zuge einer solchen Plan-my-Night-Nacht entstanden. Dabei wurden 4 Stunden Belichtungszeit in einem 3,2° x 3,2° großen Mosaik aufgenommen.
Ein häufiger Kritikpunkt bei vielen Smart-Teleskopen ist eine mangelhafte Dokumentation beziehungsweise das Fehlen eines Handbuchs. Viele Apps leiten Anwender mit entsprechenden Hilfen durch den Prozess der Aufnahme, aber eine umfassende Anleitung gibt es nur selten. Auch hier zeigt sich Vaonis als Vorreiter.
Handbuch, Verfügbarkeit und Fazit
Vaonis bietet nämlich ein mit 235 Seiten sehr umfangreiches E-Book an, das nicht nur die Bedienung des Vespera sehr detailliert erklärt, sondern auch technische Hintergründe, erweiterte Aufnahmetechniken und die Nachbearbeitung der Aufnahmen. Das englischsprachige PDF ist online oder als Download kostenfrei auf der Webseite des Herstellers verfügbar(öffnet im neuen Fenster) .
Dass man mit dem Vespera II professionelle Ergebnisse erzielen kann, zeigt ein 440 Megapixel großes Gesamtbild(öffnet im neuen Fenster) , das aus 36 Einzelbildern mit insgesamt über 180 Stunden Gesamtbelichtungszeit zusammengesetzt wurde und einen Himmelsbereich von 17° x 17° abdeckt. Das entspricht der mehr als 30-fachen Breite und Höhe des Vollmonds.
Der Astrofotograf Nathanael Martin hat mit drei Vespera-II-Geräten parallel gearbeitet und sich viel auf die Automatisierung der Teleskope verlassen, um die Bilder des riesigen Nebelgebiets im Sternbild Schwan zu belichten.
Preise, Verfügbarkeit und Fazit
Das Vespera II X-Edition ist in einer Auflage von 150 Geräten verfügbar und kostet 2.290 Euro. Das sind 700 Euro mehr, als das Basismodell des Vespera II mit 1.590 Euro kostet. Allerdings wird der Preisunterschied deutlich relativiert, da bei der X-Edition einige sonst optionale Zusatzteile enthalten sind.
Rechnet man die Aufpreise für Hygrometer und Carbonstativ auf den Basispreis des Vespera auf, kommt man auf 1.958 Euro. Ob ein Aufpreis von immer noch über 300 Euro das transparente Gehäuse und limitierte Auflage wert sind, muss jeder für sich entscheiden.
Grundsätzlich ist das Vespera II, egal in welcher Ausführung, aber im Bereich von 2.000 Euro ein interessantes Gerät für ernsthafte Astrofotografie. Stellt man sich ein vergleichbares System aus einzelnen Komponenten wie einer Astrokamera, einem kleinen Refraktor, einer Alt-AZ-Montierung und einer einfachen Computersteuerung zusammen, wird es schwer, deutlich unter 2.000 Euro zu bleiben.
Exemplarisch könnte eine entsprechende Lösung so aussehen:
- Kamera: ASI585 MC (450 Euro)
- Montierung: Skywatcher Discovery Wi-Fi Goto inklusive Stativ (360 Euro)
- Teleskop: William Optics Redcat APO 51/250 (1.000 Euro)
- Steuercomputer: ASIAir mini (290 Euro)
- Autofokus: ZWO EAF (250 Euro)
Das sind in Summe schon 2.350 Euro ohne Kabel und Stromversorgung. Einige Komponenten können mit etwas Erfahrung durch günstigere Lösungen ersetzt werden, aber im Bereich um die 2.000 Euro wird man sicher bleiben.
Vorteile des Smart-Teleskops sind der Formfaktor, die einfache Nutzung und der schnelle Aufbau. Nachteil ist das geschlossene System. Man kann bis auf die verschiedenen Filter keine Komponenten tauschen oder das Set-up erweitern.
Wer auf das transparente Gehäuse verzichten kann, bekommt mit dem "normalen" Vespera II ein technisch identisches Gerät, das perfekt für die Astrofotografie ausgestattet ist. Es ist auch für Einsteiger und unerfahrene Nutzer geeignet und bietet durch die zusätzlichen Funktionen und Aufnahmemodi trotzdem die Möglichkeit, tiefer in dieses faszinierende Hobby einzusteigen.