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Vertraulich: Deutsche wollen für verschlüsselte E-Mail-Dienste zahlen

Nutzer würden für sicher verschlüsselte E-Mails und werbefreie soziale Netzwerke zahlen. 35 Prozent sind bereit, dafür Geld auszugeben. "Das ist ein klares Signal an die Unternehmen" , sagte der Chef der Verbraucherschützer.
/ Achim Sawall
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Proteste gegen NSA-Überwachung am 27. Juli 2013 in Berlin (Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images)
Proteste gegen NSA-Überwachung am 27. Juli 2013 in Berlin Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images

Der Schutz persönlicher Daten im Internet gewinnt nach dem NSA-Skandal für die Menschen in Deutschland an Bedeutung. Mehr als jeder Dritte ist bereit, für mehr Datenschutz Geld auszugeben: 35 Prozent der Befragten würden für Internetdienste wie E-Mail oder soziale Netzwerke zahlen, wenn sie höchsten Datenschutz bieten und werbefrei sind. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), die am 4. September 2013 veröffentlicht wurde(öffnet im neuen Fenster) .

Die kostenpflichtige De-Mail wird standardmäßig nicht End-to-End-verschlüsselt , weil eine solche Kommunikationsmöglichkeit offensichtlich vom Gesetzgeber nicht gewollt ist. Die eingestellte Verschlüsselung ist eine reine Transportverschlüsselung, die den Datentransfer von Server zu Server gegen Abhören absichert – allerdings werden alle E-Mails in den Servern unverschlüsselt zwischengespeichert. "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist erst die Voraussetzung für einen sicheren E-Mail-Verkehr" , so ein Experte von der Gesellschaft für Informatik.

"Das ist ein klares Signal an die Unternehmen. Geschäftsmodelle im Internet müssen nicht auf Werbung und dem damit verbundenen massenhaften Sammeln von Daten fußen" , sagte Gerd Billen, Vorstand des VZBV. Bisher zahlen Verbraucher im Internet mit ihren Daten. Diese sind die Basis für individuell zugeschnittene Werbung, mit der Internetunternehmen ihr Geld verdienen. Wie persönliche Daten verwendet und an wen sie weitergegeben werden, können Verbraucher aber nur selten nachvollziehen, kritisierte er. Wenn Nutzer bereit seien, für Internetdienste zu zahlen, müssten Unternehmen alternative datenschutzfreundliche und sichere Geschäftsmodelle entwickeln, forderte der VZBV-Chef.

Ob Verbraucher für einen Internetdienst Geld bezahlen oder nicht: "Daten dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer erhoben und verarbeitet werden" , forderte Billen. Die künftige Bundesregierung solle nicht länger auf die Selbstregulierung des Datenmarkts vertrauen, sondern sie müsse sich in der zurzeit verhandelten Europäischen Datenschutzgrundverordnung für verbraucherfreundliche Regelungen zur Datenerhebung und -verarbeitung einsetzen.


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