Verteuerte Hardware: KI-Konzerne verhindern den Ausstieg aus der Cloud
Inhalt
Wie viele bekam ich kürzlich eine E-Mail des Hosters Hetzner, die mich über eine Erhöhung der Preise sowohl für Dedicated Server als auch für Cloudprodukte um bis zu 30 Prozent informierte. Niemanden, der die Nachrichtenlage im IT-Sektor beobachtet, konnte dieser Schritt überraschen: Die Preise für Arbeitsspeicher und Festplatten stiegen in den vergangenen Wochen explosiv an, und es gibt wenig Anzeichen, dass sich diese Situation zeitnah verändern wird.
Das ist nicht nur unschön für Privatkunden und Unternehmen. Für viele steht damit der gerade aufgekommene Trend zu mehr digitaler Autonomie vor dem Aus. Wenn die Hardware unbezahlbar oder gar nicht verfügbar ist, bleibt der Weg aus der Cloud versperrt.
Der Grund für die Kostenexplosionen ist KI. Die KI-Anbieter bauen gerade immense Mengen von Data Centern auf und müssen diese mit Servern bestücken. Servern, die neben Nvidia-Karten RAM und Festplattenplatz benötigen.
Ob, wann und in welchem Umfang all die geplanten Rechenzentren wirklich gebaut werden, steht in den Sternen. Trotzdem reservierten sich die großen Infrastrukturanbieter die Produktionskapazitäten der großen Fertiger für die nächsten Monate komplett. Die Anzahl der möglichen Anbieter ist überschaubar und so stehen am Markt nur noch Reste zur Verfügung.
Privatkunden werden vernachlässigt
Nehmen wir das Beispiel RAM: Circa 93 Prozent der globalen Kapazitäten der DRAM-Produktion(öffnet im neuen Fenster) werden von drei Unternehmen bereitgestellt: Micron, SK Hynix und Samsung.
Im Dezember 2025 kündigte Micron an , sich aus dem Endkundengeschäft, das es unter dem Markennamen Crucial betrieb, zurückzuziehen. Die Gewinnmargen im B2B-Geschäft sind einfach zu gut, um Produktionskapazität an den Endkundenmarkt zu verschwenden.
Diese Entwicklung setzt aber nicht nur Privatleute unter Druck, die überlegen, sich einen neuen PC anzuschaffen oder ihren alten upzugraden. Spielekonsolen werden wahrscheinlich teurer, ebenso Smartphones, oder die Anbieter konzentrieren sich auf den Premiummarkt. Laptops werden teurer oder mit weniger RAM zur Verfügung gestellt. Nvidia wird 2026 möglicherweise keine neuen Grafikkarten veröffentlichen – das erste Mal in 30 Jahren.
Und bei allen Cloud-Angeboten ist mit Preisanpassungen, wie wir sie bei Hetzner sehen, zu rechnen. Alle Bereiche des Computing sind von der Krise, welche die aggressive Einkaufspolitik des KI-Sektors auslöste, erfasst.
Es wäre allerdings ein Fehler, diese Entwicklung nur durch die Inflations- oder Preisbrille zu betrachten: Wir sehen einen Angriff auf unser aller Zugriff auf Computation.
Hinweis in eigener Sache
Golem macht eine Konferenz zu IT-Souveränität! Die Rack & Stack(öffnet im neuen Fenster) findet am 21. und 22. April statt – hier geht es zu den Tickets(öffnet im neuen Fenster) .
- Anzeige Hier geht es zu Linux: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.