Einige wollen privates Computing sterben sehen
In einem Interview beim Dealbook Summit der New York Times erläuterte Amazon-Gründer Jeff Bezos kürzlich seine Vision, Computer zu Hause zu haben, sei antiquiert; die Zukunft liege darin, alle Funktionalitäten zu mieten, idealerweise von Amazon. Besitzen (oder wahrscheinlich mieten) müsse man dann nur noch ein Terminal.
Wir haben die Märkte für IT-Hardware lange weitgehend unkontrolliert laufen lassen und uns darauf verlassen, dass die Kosten von Hardware immer weiter sinken würden. Dabei hat die große Konzentration am Hardwaremarkt diesen extrem angreifbar gemacht. In der heutigen Welt ist der Zugang zu IT-Systemen, zur digitalen Welt nicht mehr optional für eine volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Auf der Softwareseite arbeitet insbesondere die Open-Source-Community seit vielen Jahren daran, Menschen und Organisationen selbstbestimmtere Systeme an die Hand zu geben, um die eigenen Bedürfnisse nach Computing-Leistungen autonom und nachhaltig zu gestalten. Doch all das ist ohne Hardware nur Schattenboxen.
Die Mittelschicht rutscht in die Computing-Prekarität
So müssen wir bei der Frage nach souveräneren, selbstbestimmteren Zugängen zu Computing die Frage nach Hardware wieder stärker in den Fokus nehmen: Wenn wir in einer Welt leben wollen, in der digitale Infrastrukturen eine so zentrale Rolle spielen, wie stellen wir sicher, dass Menschen und Organisationen den Zugriff auf die nötige Hardware haben? Diese Frage, die sie sich im Kontext der ökonomischen Exklusion schon länger stellte, dringt nun in den Mainstream vor.
Im Jahr 2024 definierte der Wissenschaftler Ali Alkhatib KI als "ein ideologisches Projekt, um Deutungshoheit und Autonomie von Individuen hin zu zentralisierten Machtstrukturen zu verschieben" . (Im Original: "AI is an ideological project to shift authority and autonomy away from individuals, towards centralized structures of power." ). Diese Bewegung weitete sich jetzt von Software auf die gesamte Idee des Zugriffs auf die Mittel der Computation aus.
Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir dieser Herausforderung begegnen können. Welche Hebel wir politisch in Bewegung setzen können, um eine Teilhabe an den Möglichkeiten, die digitale Infrastrukturen – und insbesondere persönliche Computer und Devices – bieten, fairer zu verteilen. Auf den Markt können wir uns dabei offensichtlich nicht verlassen.
Jürgen Geuter (im Internet bekannter als tante) hat Informatik und Philosophie studiert und arbeitet als Research Director an der Erforschung, Implementierung und Erprobung neuer Technologien. Als freier Berater, Autor, und Soziotechnologe beschäftigt er sich mit Themen an den Schnittstellen von Technologie, Gesellschaft und Politik.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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