Digitale Souveränität wird wichtiger, aber unbezahlbar
In den vergangenen Monaten erlebte der Diskurs um die digitale Souveränität insbesondere durch die Aktivitäten der US-Administration eine große Dynamik: Wo es bisher einfach Standard war, sich Compute- und IT-Dienstleistungen bei US-Konzernen zu mieten, denken Unternehmen, Behörden und andere Organisationen, ja sogar Privatleute, zunehmend darüber nach, wie sich die eigenen IT-Bedürfnisse möglichst ohne Abhängigkeiten von US-Konzernen abbilden lassen.
Dabei lag der Fokus bisher aber vor allem auf Software: Wie kann ich die Microsoft-Office-Pakete durch Open-Source-Alternativen oder Google Drive und Dropbox durch Nextcloud ersetzen? Brauche ich eine externe Cloudlösung oder kann ich mir bestimmte Infrastrukturen sogar wieder on premise aufbauen – meist sogar verbunden mit Kosteneinsparungen?
Wir haben uns an eine Welt gewöhnt, in der Hardware einfach zur Verfügung stand: Festplatten wurden jedes Jahr größer, so dass die Kosten pro Gigabyte immer weiter heruntergingen. Es gab selbstverständlich Preisschwankungen, aber diese normalisierten sich schnell wieder. Hardware war ein gut kalkulierbarer und planbarer Kostenfaktor. Das hat sich verändert.
Der Weg aus der Cloud wird versperrt
Selbst wenn alle Cloudanbieter ihre Preise anziehen müssen, schränkt das die Wahl für viele Menschen ein: Denn eine IT-Infrastruktur aufzubauen, explodiert dann nicht nur auf der Kostenseite, sondern die Hardware steht schlicht nicht zur Verfügung. Der Weg aus der Umarmung eines Cloudanbieters ist versperrt.
Anders als bei Software ist der Aufwand, alternative Quellen zu erschließen, um Größenordnungen komplexer. Der Aufbau von Produktionskapazitäten für die Arten von Hardware, die moderne Systeme benötigen, ist teuer, zeitaufwendig und komplex. Es gibt weltweit kaum Organisationen, die das nötige Wissen dafür haben.
Niemand weiß, wie lange die KI-Blase noch die Aktivitäten im IT-Sektor dominieren wird, aber eigentlich wurde damit nur ein strukturelles Problem deutlich, das wir zu lange ignoriert haben. Denn auch ohne KI steht es den großen Betreibern von Data Centern offen, große Mengen zentraler Komponenten für Compute an den Märkten aufzukaufen und so Alternativen zur Auslagerung digitaler Infrastrukturen auf Big-Tech-Plattformen massiv zu erschweren.
Das ist keine reine Theorie.
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