Verteilerkästen: Telekom widerspricht Telefónica-Chef bei Ladestationen

Nach Angaben von Telefónica-Chef Haas eignen sich Verteilerkästen nicht als Ladestationen für Elektroautos. Doch die Telekom gibt ihr Konzept nicht auf.

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Ein solcher Verteilerkasten könnte vom Standort her als Ladestation dienen.
Ein solcher Verteilerkasten könnte vom Standort her als Ladestation dienen. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Lässt sich die Infrastruktur von Telekommunikationsanbietern für das Laden von Elektroautos nutzen? Was die Deutsche Telekom vor fast vier Jahren vollmundig angekündigt hat, ist bislang kaum über das Versuchsstadium hinausgekommen. Dennoch will das Unternehmen das Konzept noch nicht vollständig aufgeben - und widerspricht damit Äußerungen von Telefónica-Chef Markus Haas.

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Haas sagte in einem Interview mit der Welt vom 23. August 2021: "Ladestationen in die Festnetz-Infrastruktur, also die Verteilerkästen in der Stadt, werden wir nicht einbauen. Das hat in Versuchen nicht funktioniert. Die Leistung reicht nicht, und die Standorte müssten näher an der Straße liegen."

Haas beruft sich auf "Branchenerkenntnisse"

Diese Aussage verwundert in zweierlei Hinsicht. Denn zum einen verfügt Telefónica als Mobilfunkbetreiber gar nicht über eine eigene Festnetzinfrastruktur. Zum anderen ist bislang nicht bekannt gewesen, dass die Versuche mit solchen Lademöglichkeiten generell gescheitert sind.

Auf Nachfrage von Golem.de, auf welche Infrastruktur sich Haas in dem Interview bezogen hat, teilte ein Telefónica-Sprecher mit: "Die Aussage bezieht sich auf bisherige Branchenerkenntnisse zum Thema. Grundsätzlich greifen wir für die Realisierung unseres Endkundenangebotes im Festnetzbereich auf bestehende Festnetzinfrastrukturen unserer Kooperationspartner zurück."

Telekom macht "langwierige Verfahren" verantwortlich

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Zu diesen Kooperationspartnern gehört bekanntlich auch die Deutsche Telekom. Das Unternehmen wollte ursprünglich schon im Sommer 2018 damit beginnen, bis zu 12.000 Multifunktionsgehäuse in Ladestationen für Elektroautos umzubauen.

Doch seitdem ist es eher still geworden um das Projekt. Auf Anfrage von Golem.de wollte die Telekom keine Angaben dazu machen, wie viele Kabelverzweiger inzwischen umgerüstet wurden. Firmensprecherin Nicole Schmidt räumte jedoch ein: "Beim Schritt von der Theorie in die Praxis haben wir vielerorts feststellen müssen, dass die kommunalen Genehmigungsverfahren für die entsprechenden Umrüstungen beziehungsweise Sondernutzungen sehr langwierig sind."

Zudem sei das Geschäftsmodell für den Aufbau von Wechselstrom-Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum noch nicht attraktiv genug, sofern die Investitionen und die Betriebskosten allein finanziert werden müssten. "Grundsätzlich aber funktioniert es technisch - die Telekom-Tochter Comfort Charge hat mittlerweile an mehreren Standorten umgerüstete Multifunktionsgehäuse in Betrieb genommen", sagte Schmidt.

Keine Destinationsladestelle zu finden

Auf den Seiten von Goingelectric.de findet sich jedoch keine einzige "Destinationsladestelle", wie es bei Comfort Charge heißt, die öffentlich zugänglich wäre. Stattdessen konzentriert sich der Telekom-Ableger offensichtlich auf Gleichstromschnelllader mit bis zu 160 kW Ladeleistung.

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Langfristig verfolgt die Telekom laut Schmidt beim Wechselstromladen einen "Partner-Ansatz, bei dem gemeinsam mit Städten/Kommunen oder privaten Anbietern in den Aufbau investiert wird, um im urbanen Raum kurzfristig mehr Lademöglichkeiten zu schaffen und die steigende Nachfrage zu bedienen".

Bis zu 12.000 Standorte "theoretisch" geeignet

Warum eine solche Kooperation bislang noch nicht existiert, ist nicht ganz nachvollziehbar. Schließlich dürfte es günstiger sein, einen existierenden Verteilerkasten umzurüsten, statt eine neue Ladesäule aufzustellen und ans Stromnetz anzuschließen. Wie viele Standorte aber in der Praxis für eine Umrüstung geeignet sind, ist aber unklar. Laut Telekom sind "bis zu 12.000 Standorte" zumindest "theoretisch" dafür geeignet.

Für die Städte ist jedoch wichtig, dass an diesen Standorten auch Parkmöglichkeiten für Elektroautos reserviert werden können. Das ist nicht an jedem Standort möglich, auch wenn dieser direkt an der Straße steht. Sollte die Telekom am Ende keinen Partner für ihr Konzept finden, würde Telefónica-Chef Haas mit seiner Aussage doch noch recht behalten.

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