Neue Abwehrmittel für das Militär
Anfangs war die Drohnenabwehr improvisiert. Heute wird sie zu einer eigenen, spezialisierten Waffengattung. Diese verfügt über Abfangdrohnen, spezielle, leichte Lenkwaffen sowie mobile Ortungs-, Störungs- und Kommunikationssysteme. Länder wie China, die USA und verschiedene europäische Staaten arbeiten an Lasern und elektromagnetischen Waffen. Hinzu kommen klassische Waffen wie Schnellfeuerwaffen und Flakpanzer.
Der Kanonenflakpanzer erlebt seine Neuauflage. Deutschland bestellte jüngst das System Skyranger(öffnet im neuen Fenster) , das auch an die Ukraine geliefert werden soll. Skyranger ist ein Waffenturm mit einer 30-mm-Revolverkanone und einem Werfer für leichte Lenkraketen zur Drohnenabwehr, der auf den Radpanzer Boxer gesetzt wurde.
Die Lenkwaffe ist die Small Anti Drone Missile von MDBA. Das Radar erreicht eine 360-Grad-Abdeckung; außerdem verfügt das Fahrzeug über nachtsichtfähige optische Sensoren und Laser-Taster. Die Bundeswehr will bis zu 600 dieser Flugabwehrpanzer beschaffen.
Ähnlich ausgestattet ist das Kinetic Defence Vehicle(öffnet im neuen Fenster) (KDV), das die Bundeswehr zurzeit testet. Auf einem Enok-Panzerwagen sind eine Waffenstation sowie Radar und optische Sensoren installiert. Die Bewaffnung besteht entweder aus einer mehrläufigen Minigun oder einem schweren Maschinengewehr sowie Lenkraketen zur Drohnenabwehr. Das Fahrzeug soll den unmittelbaren Nahbereich von wenigen Kilometern abdecken. Die Maschinenwaffen reichen bis zu 2 km weit, die Lenkwaffen bis zu 20 km.
Spezialisierte Lenkwaffen in Arbeit
Bislang waren FPV-Drohnen eine der gängigsten Abwehrwaffen. Inzwischen arbeiten Firmen wie Saab oder MDBA an spezialisierten Lenkwaffen zur Drohnenabwehr. Nimbrix(öffnet im neuen Fenster) von Saab und Defendair(öffnet im neuen Fenster) von MDBA sollen auch kleine Drohnen präziser bekämpfen als Schnellfeuerwaffen. Defendair ist Teil des Skyranger-Waffensystems. Diese Lenkwaffen sollen kleiner und kostengünstiger sein als herkömmliche Flugabwehrraketen.
Sie eignen sich allerdings weniger zur Abwehr von Drohnenschwärmen. Dabei könnten elektromagnetische Waffen und Laser wirksamer sein. Elektromagnetische Waffen sind bereits im Einsatz. Sie zerstören die Elektronik von Drohnen mit einem gerichteten Impuls, während Laserwaffen nicht nur optische Sensoren blenden, sondern Drohnen auch zerstören können.
Europa hinkt hinterher
Europa liegt hier hinter anderen Ländern zurück. Die U.S. Navy testet seit 2022 Lasersysteme zur Drohnenabwehr. China stellte im Herbst ein mobiles Lasersystem vor, das vermutlich auch von Russland ausprobiert wird. In Europa arbeitet wiederum MDBA an einem Lasersystem zur Drohnenabwehr(öffnet im neuen Fenster) .
Syderal ist eine Laserwaffe zur Bekämpfung von Drohnen und anderen Luftzielen auf kurze Distanz. Dazu gehören nicht so sehr Flugzeuge, sondern neben Drohnen auch Gleitbomben, Raketen sowie Artillerie- und Mörsergranaten. Ende 2030 soll ein erster Demonstrator bereitstehen. Die deutsche Marine erprobte jüngst erfolgreich(öffnet im neuen Fenster) einen Abwehrlaser auf der Fregatte Sachsen.
Mit der Allgegenwart von Drohnen fallen auch Unmengen von Aufklärungsdaten an, die nur noch mit künstlicher Intelligenz verarbeitet werden können. Die Bundeswehr testete bereits KI-gesteuerte Drohnenschwärme zur Aufklärung und für Kampfmissionen. Zusammen mit dem Münchner Unternehmen Tylan arbeitet sie an einem Abwehrsystem für den Objektschutz(öffnet im neuen Fenster) .
Dieses System verbindet KI-gesteuerte Abfangdrohnen, verschiedene Sensortypen und echtzeitfähige Führungs- und Kontrollanwendungen. Es kann in die aktuell genutzten IT- und Führungssysteme integriert werden. Das System selbst ist mobil und kann von wenigen Soldaten bedient werden. Es soll zunächst militärische Einrichtungen gegen Drohnen mittlerer Größe verteidigen; allerdings sind weitere Einsatzszenarien denkbar.