Verschlüsselung: Telekom schaltet De-Mail ab

Die Deutsche Telekom bringt den "toten Gaul" De-Mail nun endgültig unter die Erde. Andere Anbieter könnten die Konten der Nutzer übernehmen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Telekom-Chef René Obermann beim Start von De-Mail auf der Cebit 2012.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Telekom-Chef René Obermann beim Start von De-Mail auf der Cebit 2012. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Die Deutsche Telekom stellt den E-Mail-Verschlüsselungsdienst De-Mail für ihre eigenen Kunden endgültig ein. Das Unternehmen bestätigte auf Anfrage von Golem.de einen entsprechenden Bericht des Spiegel vom 31. August 2021. Man habe sich "strategisch entschieden, den De-Mail-Dienst aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit nur noch bis Ende August 2022 anzubieten", zitiert das Blatt aus dem Kündigungsschreiben an Geschäftskunden. Im September sollen demnach auch die Privatkunden darüber informiert werden.

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Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte das Angebot schon im März dieses Jahres als "toten Gaul" bezeichnet. De-Mail sei "überkompliziert" und trotz Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe habe es "nie jemanden gegeben, der dieses Produkt genutzt hat". Das De-Mail-Projekt sei daher "eingestellt" worden.

Die Telekom hatte das Angebot auf der Cebit 2012 im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestartet. Die Zahl der Privatnutzer soll zuletzt im sechsstelligen, die Zahl der Geschäftskunden im fünfstelligen Bereich gelegen haben.

Allerdings bedeutete das im Frühjahr zunächst nur, dass das Angebot nicht weiter vermarktet wurde. Ein Sprecher sagte damals, dass die Bestandskunden weiter versorgt würden. Laut Spiegel fiel die Entscheidung zum endgültigen Ausstieg erst in diesem Sommer. Hintergrund sei offenbar ein auslaufender Rahmenvertrag mit dem Bundesinnenministerium gewesen. Zudem habe es offenbar in den vergangenen Monaten Verhandlungen über eine finanzielle Unterstützung des Bundes für das hochdefizitäre Angebot gegeben. Diese hätten aus Sicht der Telekom aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt.

United Internet könnte Kunden übernehmen

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Neben der Telekom bieten noch die United Internet AG mit ihren Diensten 1&1, GMX und Web.de sowie die Mentana Claimsoft GmbH den Verschlüsselungsdienst an. Man sei im Gespräch und prüfe Optionen, den bisherigen Telekom-Kunden Angebote für eine "unterbrechungsfreie Fortführung ihrer De-Mail-Konten zu machen", sagte Jan Oetjen, Geschäftsführer von Web.de und GMX, dem Spiegel. Wichtig dafür seien allerdings "die weitere staatliche Unterstützung sowie die Ausweitung der Nutzung".

Als ein Beispiel nennt Oetjen die digitale Zustellung von Behördenbriefen sowie digitale Identifikation per De-Mail. Darin sehe er "großes Potenzial". So könne der Dienst die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes vereinfachen.

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Kritik an De-Mail

De-Mail war ohnehin von Anfang an umstritten. Kritisiert wurde vor allem die fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Linus Neumann vom Chaos Computer Club bezeichnete das System gar als "Bullshit Made in Germany", in Anlehnung an einen ähnlich lautenden Werbe-Slogan des Systems. So hätten beispielsweise Geheimdienste wie der BND weiterhin auf die angeblich sicheren E-Mails zugreifen können.

Eine Integration einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wurde lange Zeit vom Bundesinnenministerium und Anbietern wie der Telekom mit dem Verweis auf eine zu hohe Komplexität abgelehnt. 2015 wurde dann zwar mit PGP eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in De-Mail integriert, allerdings optional.

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z3r03nna 19. Sep 2021

" auf sie läuft alles hinaus." Also in unserer Regierungsform eher nicht so.

127life 19. Sep 2021

LOL "froh" ist man, wenn Recht tatsächlich auch bekommt, und das ist selten.

schoenix 06. Sep 2021

Naja, bei Messenger geht es ja auch, dort werden halt erstmal Schlüssel von den Systemen...

Blaubeerchen 02. Sep 2021

Was beweist, wie wenig Ahnung unsere Behörden und Institutionen von Verschlüsselung haben.



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