Abo
  • IT-Karriere:

Verschlüsselung: Schwachstellen in zahlreichen VoIP-Anwendungen entdeckt

Das ZRT-Protokoll soll für sichere Verbindungen und verschlüsselte VoIP-Telefonate sorgen. Forscher haben Schwachstellen in zahlreichen ZRTP-Anwendungen entdeckt, die die Sicherheitsmechanismen aushebeln.

Artikel veröffentlicht am ,
Mangelnde Implementierungen von Sicherheitsfunktionen des ZRTP machen VoIP-Anwendungen unsicher.
Mangelnde Implementierungen von Sicherheitsfunktionen des ZRTP machen VoIP-Anwendungen unsicher. (Bild: Dominik Schürmann)

Eine Untersuchung zahlreicher VoIP-Anwendungen hat ergeben: Trotz der im ZRT-Protokoll implementierten Sicherheitsmechanismen lassen sich verschlüsselte Telefonate vergleichsweise einfach umleiten oder abhören. Das ist in erster Linie auf Design-Schwächen der jeweiligen Software zurückzuführen. Es gab aber auch eine inzwischen geschlossene Schwachstelle. Und eine Sicherheitsfunktion in ZRTP wird der Bequemlichkeit geopfert. Die Forscher um Dominik Schürmann an der TU Braunschweig haben die Schwachstellen untersucht.

Stellenmarkt
  1. Vodafone GmbH, Frankfurt am Main
  2. Wirtschaftsrat der CDU e.V., Berlin

Das vom renommierten Sicherheitsforscher Phil Zimmermann entwickelte ZRT-Protokoll (Z(immermann) Real-time Transport Protocol) sorgt mit dem Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch für verschlüsselte Verbindungen, die direkt zwischen zwei Teilnehmern aufgebaut werden. Zusätzliche Sicherheitsfunktionen stellen sicher, dass die Verbindung zwischen zwei Endstellen vertrauenswürdig ist. ZRTP wurde 2011 als RFC 6189 von der Internet Engineering Task Force (IETF) veröffentlicht und dient als Basis für zahlreiche Anwendungen, darunter das von Zimmermann mitentwickelte Silent Phone von Silent Circle.

Mangelnde Umsetzung von Sicherheitsfunktionen

Schürmann und seine Kollegen haben zahlreiche populäre Anwendungen untersucht, die ebenfalls ZRTP als Basis verwenden. Grundlage für ihre Auswahl war, dass die Anwendungen ihren Quellcode zugänglich machen, um die Software einer möglichst genauen Untersuchung zu unterziehen. Zu der getesteten Software gehören Signal, Linphone Android, Jitsi, CSipSimple und Acrobits Softphone.

In Linphone Android entdeckten die Forscher gleich eine Schwachstelle, die nach Absprache mit den Entwicklern bereits in Version 3.2.0 behoben wurde. Ansonsten entdeckten die Forscher in erster Linie Schwächen in der Umsetzung der Sicherheitsfunktionen in ZRTP selbst.

Striktere Regeln gefordert

Um Angriffe durch Dritte beim Verbindungsaufbau auszuschließen, werden sogenannte Short Authentication Strings (SAS) angezeigt und durch die Teilnehmer verglichen. Stimmen sie nicht überein, besteht die Gefahr, dass sich ein Unbefugter in die Unterhaltung eingeklinkt hat. In Signal fehlt beispielsweise ein Dialogfeld, das gemeinsame SAS bestätigen kann. Inzwischen verwendet Signal ZRTP nicht mehr, sondern setzt auf WebRTC mit eigenen zusätzlichen Sicherheitsfunktionen.

In Acrobits Softphone, CSipSimple, Jitsi und Linphone werden Telefonate über unsichere Protokolle aufrechterhalten, wenn der Verbindungsaufbau über ZRTP versagt. Zwar würden die Nutzer meist gewarnt, Untersuchungen hätten aber ergeben, dass hauptsächlich versierte Nutzer diese Gefahren als solche erkennen, bzw. dass die Warnungen während des Telefonats schlichtweg übersehen werden. Die Forscher schlagen deshalb vor, in einem solchen Fall die Verbindung zu kappen. Nur die Software Signal sei so vorgegangen.

Sowohl CSipSimple als auch Jitsi und Linphone Android machen es Dritten vergleichsweise einfach, sich in eine Verbindung einzuklinken, ohne dass der Vergleich per SAS versagt. Die Anwendungen verzichten nämlich darauf, die ZID des jeweiligen Nutzers an seine SIP-Adresse zu binden. Das RFC von ZRTP schlägt zwar eine Etikettierung der ZIDs vor, um Nutzer zumindest vor solchen Angriffen zu warnen; die Forscher vermuten jedoch, dass die Entwickler wegen der zusätzlichen Komplexität für Nutzer darauf verzichten.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Ryzen 5-2600X für 184,90€ oder Sapphire Radeon RX 570 Pulse für 149,00€)
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  3. 72,99€ (Release am 19. September)

triplekiller 28. Mär 2017

interessiert mich sehr. ich habe jahre verbracht, sprachverschlüsselung zu lernen. dieser...


Folgen Sie uns
       


Pixel 3a und 3a XL - Test

Das Pixel 3a und das PIxel 3a XL sind Googles neue Mittelklasse-Smartphones. Beide haben die gleiche Kamera wie das Pixel 3.

Pixel 3a und 3a XL - Test Video aufrufen
Sicherheitslücken: Zombieload in Intel-Prozessoren
Sicherheitslücken
Zombieload in Intel-Prozessoren

Forscher haben weitere Seitenkanalangriffe auf Intel-Prozessoren entdeckt, die sie Microarchitectural Data Sampling alias Zombieload nennen. Der Hersteller wusste davon und reagiert mit CPU-Revisionen. Apple rät dazu, Hyperthreading abzuschalten - was 40 Prozent Performance kosten kann.
Ein Bericht von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Open-Source Technology Summit Intel will moderne Firmware und Rust-VMM für Server
  2. Ice Lake plus Xe-GPGPU Intel erläutert 10-nm- und 7-nm-Zukunft
  3. GPU-Architektur Intels Xe beschleunigt Raytracing in Hardware

Bundestagsanhörung: Beim NetzDG drohen erste Bußgelder
Bundestagsanhörung
Beim NetzDG drohen erste Bußgelder

Aufgrund des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes laufen mittlerweile über 70 Verfahren gegen Betreiber sozialer Netzwerke. Das erklärte der zuständige Behördenchef bei einer Anhörung im Bundestag. Die Regeln gegen Hass und Hetze auf Facebook & Co. entzweien nach wie vor die Expertenwelt.
Ein Bericht von Justus Staufburg

  1. NetzDG Grüne halten Löschberichte für "trügerisch unspektakulär"
  2. NetzDG Justizministerium sieht Gesetz gegen Hass im Netz als Erfolg
  3. Virtuelles Hausrecht Facebook muss beim Löschen Meinungsfreiheit beachten

Kontist, N26, Holvi: Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer
Kontist, N26, Holvi
Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer

Ein mobiles und dazu noch kostenloses Geschäftskonto für Freiberufler versprechen Startups wie Kontist, N26 oder Holvi. Doch sind die Newcomer eine Alternative zu den Freelancer-Konten der großen Filialbanken? Ja, sind sie - mit einer kleinen Einschränkung.
Von Björn König


      •  /