Abo
  • Services:
Anzeige
Poodle wurde die jetzt entdeckte SSL-Sicherheitslücke getauft.
Poodle wurde die jetzt entdeckte SSL-Sicherheitslücke getauft. (Bild: Luly, Wikimedia Commons, CC by 2.0)

Verschlüsselung: Poodle gefährdet Verbindungen mit altem SSL

Eine Lücke in einem uralten SSL-Protokoll gefährdet die Sicherheit von Netzverbindungen. Poodle ist jedoch auch mit modernen Browsern ausnutzbar. Dafür sorgt ein Workaround, mit dem sich alte Protokollversionen erzwingen lassen.

Anzeige

Bereits vor einigen Tagen gab es erste Gerüchte, dass eine schwere Lücke im alten SSL-Protokoll Version 3 (SSLv3) verkündet werde. Nun wurden die Details bekannt. Die Lücke, die von ihren Entdeckern Poodle genannt wird, ist die Neuauflage eines eigentlich bekannten Problems, dem sogenannten Padding Oracle. Poodle steht für Padding Oracle On Downgraded Legacy Encryption und wurde von Google-Entwicklern entdeckt. Mit Heartbleed vergleichbar ist Poodle von den Auswirkungen nicht, trotzdem ist es eine ernstzunehmende Sicherheitslücke im SSL-Protokoll.

Probleme im CBC-Modus

Das Problem ist wie schon bei vielen früheren Sicherheitslücken im SSL-Protokoll die Verschlüsselung im CBC-Modus und das dazugehörige Padding. Das Padding in der alten SSL-Version hat allerdings eine Besonderheit: Es kann beliebigen Inhalt haben, was sich mit einigen Tricks für den Poodle-Angriff ausnutzen lässt. Mit Hilfe von Javascript-Code, der in eine beliebige HTTP-Verbindung eingefügt wird, kann ein Angreifer eine Man-in-the-Middle-Attacke durchführen. Damit kann der Angreifer an geheime Informationen gelangen, die über mehrere Verbindungen vorhanden sind, beispielsweise HTTP-Session-Cookies, die nur verschlüsselt übertragen werden. Eine Beschreibung der technischen Details hat der Kryptograph Matthew Green in seinem Blog veröffentlicht.

Bereits 2001 wurde eine ähnliche Attacke gegen den CBC-Modus von SSL von Bodo Möller beschrieben. Möller, der inzwischen bei Google arbeitet, war auch diesmal an der Entdeckung der Lücke beteiligt. Die Attacke verwendet dabei weiterhin Methoden, die beim Beast-Angriff bereits vorgestellt wurden.

SSL Version 3 ist eigentlich uralt. Es handelt sich noch um das ursprünglich von Netscape entwickelte SSL-Protokoll. Es wurde bereits 1999 durch TLS 1.0 abgelöst. Verbindungen mit der alten SSL-Version sind selten, aber eine Besonderheit von Webbrowsern macht Poodle dennoch zu einer kritischen Sicherheitslücke: Fast alle aktuellen Browser versuchen bei fehlgeschlagenen TLS-Verbindungen, sich erneut mit einer älteren Protokollversion zu verbinden. Eigentlich sollte das nicht nötig sein, denn korrekt arbeitende TLS-Implementierungen können dem Browser nach dem Verbindungsaufbau signalisieren, dass sie nur eine ältere Protokollversion unterstützen.

Doch manche fehlerhaften Implementierungen sind dazu nicht in der Lage und beantworten Verbindungsversuche mit neueren TLS-Versionen überhaupt nicht. Deswegen gibt es Workarounds in Browsern, die in dem Fall Verbindungen mit älteren Protokollversionen versuchen. Genau dort liegt das Problem: Ein Angreifer kann sämtliche Verbindungen mit TLS verhindern und somit eine Verbindung mit dem alten SSL-Protokoll erzwingen.

Während es bei früheren SSL-Protokoll-Problemen wie Beast oder Lucky Thirteen praktikable Workarounds gab, ist das offenbar bei Poodle nicht der Fall. SSL 3 unterstützt neben den CBC-Verschlüsselungsmodi nur RC4, was aufgrund anderer Sicherheitslücken ebenfalls keine Alternative darstellt.

SSL 3 deaktivieren

Die einfachste und vermutlich in den meisten Fällen empfehlenswerte Lösung ist die Abschaltung von SSL Version 3. Das kann sowohl auf Servern als auch in Clientanwendungen passieren. Wenn entweder der Client oder der Server die Verbindung mit der alten SSL-Version verweigern, ist man vor Poodle geschützt. Kompatibilitätsprobleme gibt es damit kaum. Server, die nur mit der alten SSL-Version erreichbar sind, gibt es nahezu keine.

Wird serverseitig SSL Version 3 deaktiviert, werden Nutzer einiger alter Browser ausgesperrt, beispielsweise des Internet Explorers Version 6 unter Windows XP. Aber selbst Windows XP unterstützt das neuere TLS 1.0, wenn Updates eingespielt werden. In vielen Empfehlungen für sichere TLS-Konfigurationen wird die Abschaltung von SSL Version 3 schon länger empfohlen.

Protokoll-Downgrades mit SCSV verhindern

Eine Möglichkeit, die Protokoll-Downgrades der Browser zu verhindern, ist die bisher nur als Entwurf vorhandene TLS-Erweiterung SCSV. Dabei sendet der Client dem Server in der Liste der Ciphersuiten ein Signal, dass er eine bestimmte TLS-Version unterstütze. Der Server kann anschließend die Verbindung mit niedrigeren Protokollversionen verweigern. Die SCSV-Erweiterung wird bislang allerdings nur von einzelnen Browsern unterstützt, auf Servern ist sie kaum verbreitet. Die Einführung von SCSV wäre auch ohne SSL 3 noch sinnvoll, weil damit auch Downgrades beispielsweise von TLS 1.2 auf TLS 1.0 erzwungen werden können.

Google plant offenbar, in Chrome mittelfristig SSL 3 komplett zu deaktivieren. Vorerst wurde laut Chrome-Entwickler Adam Langley der Workaround für ältere Protokollversionen so geändert, dass ein Downgrade auf SSL 3 nicht mehr möglich ist. Eine Verbindung mittels SSL Version 3 ist somit nicht mehr durch einen Angreifer erzwingbar, sie wird nur noch bei Servern aufgebaut, die ausschließlich diese alte SSL-Version unterstützen. Firefox wird mit der kommenden Version 34 das alte SSL-Protokoll deaktivieren.

Nutzer, die die alte SSL-Version schon jetzt abschalten möchten, können dies manuell tun. In Chrome und Chromium geht dies auf der Kommandozeile mit dem Parameter -ssl-version-min=tls1. In Firefox kann man unter about:config den Wert security.tls.version.min auf 1 setzen.

Gerüchteküche vorab

Bereits am Sonntag hatte es bei Twitter erste Diskussionen über eine mögliche Sicherheitslücke in SSL Version 3 gegeben. Zunächst war davon die Rede, dass Microsoft die Lücke entdeckt habe - offenbar eine Falschinformation. Da sich SSL 3 nur geringfügig von TLS 1.0 unterscheidet, suchten bereits einige Kryptographie-Experten nach dem möglichen Problem. Auf der Webseite Stackexchange gab es Spekulationen, die der eigentlichen Lücke offenbar ziemlich nahe kamen.


eye home zur Startseite
v2nc 26. Jun 2015

Wer benutzt Internet Explorer ?

FreiGeistler 15. Okt 2014

Super Danke! :D



Anzeige

Stellenmarkt
  1. octeo MULTISERVICES GmbH, Duisburg
  2. expert SE, Langenhagen
  3. über Hays AG, Berlin
  4. Württembergische Lebensversicherung AG, Stuttgart


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. SanDisk Ultra 128-GB-micro-SDXC für 29€, Crucial MX300 525-GB-SSD für 122€ und...
  2. (Xbox One S - Alle 500 GB Bundles stark reduziert, z. B. Xbox One S inkl. Forza Horizon 3 oder...
  3. (u. a. Gigabyte Z370 Aorus Ultra Gaming für 159,90€, 15% auf MSI-Mainboards mit X299 und Z270...

Folgen Sie uns
       


  1. Die Woche im Video

    Zweiräder heben ab und ein Luftschiff kommt runter

  2. Autonomes Fahren

    Singapur kündigt fahrerlose Busse an

  3. Coinhive

    Kryptominingskript in Chat-Widget entdeckt

  4. Monster Hunter World angespielt

    Die Nahrungskettensimulation

  5. Rechtsunsicherheit bei Cookies

    EU warnt vor Verzögerung von ePrivacy-Verordnung

  6. Schleswig-Holstein

    Bundesland hat bereits 32 Prozent echte Glasfaserabdeckung

  7. Tesla Semi

    Teslas Truck gibt es ab 150.000 US-Dollar

  8. Mobilfunk

    Netzqualität in der Bahn weiter nicht ausreichend

  9. Bake in Space

    Bloß keine Krümel auf der ISS

  10. Sicherheitslücke

    Fortinet vergisst, Admin-Passwort zu prüfen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Montagewerk in Tilburg: Wo Tesla seine E-Autos für Europa produziert
Montagewerk in Tilburg
Wo Tesla seine E-Autos für Europa produziert
  1. Elektroauto Walmart will den Tesla-Truck
  2. Elektrosportwagen Tesla Roadster 2 beschleunigt in 2 Sekunden auf Tempo 100
  3. Elektromobilität Tesla Truck soll in 30 Minuten 630 km Reichweite laden

Fitbit Ionic im Test: Die (noch) nicht ganz so smarte Sportuhr
Fitbit Ionic im Test
Die (noch) nicht ganz so smarte Sportuhr
  1. Verbraucherschutz Sportuhr-Hersteller gehen unsportlich mit Daten um
  2. Wii Remote Nintendo muss 10 Millionen US-Dollar in Patentstreit zahlen
  3. Ionic Fitbit stellt Smartwatch mit Vier-Tage-Akku vor

E-Golf im Praxistest: Und lädt und lädt und lädt
E-Golf im Praxistest
Und lädt und lädt und lädt
  1. Garmin Vivoactive 3 im Test Bananaware fürs Handgelenk
  2. Microsoft Sonar überprüft kostenlos Webseiten auf Fehler
  3. Inspiron 5675 im Test Dells Ryzen-Gaming-PC reicht mindestens bis 2020

  1. Re: Milchmädchenrechnung

    BerndRubel | 10:46

  2. Re: Nicht jammern, sondern machen

    __guido | 10:38

  3. Re: Großartiger Guardian-Artikel und...

    Der Spatz | 10:36

  4. Re: Dabei sollten doch gerade das Wohlbefinden...

    VigarLunaris | 10:30

  5. Re: Nach dem Testgelände im Kongo/Zaire gab es...

    Der Spatz | 10:29


  1. 09:00

  2. 17:56

  3. 15:50

  4. 15:32

  5. 14:52

  6. 14:43

  7. 12:50

  8. 12:35


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel